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Xanten: Michael Dekker stellt im Dreigiebelhaus aus

Kunst in Xanten : Abstrakte Kunst im Dreigiebelhaus

Erst Landwirt, dann Bildhauer: Michael Dekker (34) zeigt im Atelier im Dreigiebelhaus am Xantener Dom sieben Skulpturen, die er in seinem Atelier in Wuppertal aus Restholz gearbeitet hat. Die Ausstellung öffnet Sonntag.

Es gibt Kunst, die erschließt sich dem Betrachter auch nach mehrmaligem Hinschauen irgendwie nicht.  Anders bei den Werken, die Michael Dekker bis zum 23. September zeigt. Auch wenn die sieben Skulpturen, alles Arbeiten aus den Jahren 2015 bis 2017, in die Kategorie „Abstrakte Kunst“ einzuordnen sind: Sie lassen nicht nur genügend Raum für eigene Deutungen, sie sind auch insofern ungewöhnlich, als dass man sie in alle Richtungen drehen, quasi um sie herum gehen kann und sich von jeder Seite aus immer wieder ein neues Bild ergibt. „Sommernacht“ hat der gebürtige Ludwigshafener die Ausstellung überschrieben, er zeigt ausschließlich Skulpturen, die er konsequent aus Holz geformt hat, das er farbig angestrichen hat. Blau und Magenta dominieren im Atelier im Dreigiebelhaus, die Schichtungen im Holz sind vergleichbar mit denen von Gesteinen. Nur die Schrauben sind aus Stahl.

Vier Werke stehen auf Podesten, drei Arbeiten aus seiner Serie Sky hängen an der Wand. Da geht es mehr um die Leichtigkeit, „die Präsentation unterstreicht den schwebenden Moment des Objektes“, sagt Michael Blasczyk vom Verein Stadtkultur,  der den Künstler vor vier Jahren in Düsseldorf bei einem Rundgang durch die Nachwuchsshow der jungen Kunststudenten in der Kunstakademie kennengelernt hat. Michael Dekker hat hier Bildhauerei studiert, seine Abschlussarbeit war eine raumfüllende Installation aus gekalkten Dachlatten. Einige Wochen sitze er schon an einer Skulptur wie zum Beispiel der „Dancerin in the Dark“, erzählt der Künstler, der auch Kühe melken und Trecker fahren kann. Denn die Kunst hat ihn zwar immer schon fasziniert, allerdings kam er erst über einen Umweg zur Bildhauerei, machte zunächst auf einem Hof in Süddeutschland seinen staatlich geprüften Landwirt. Das dritte Lehrjahr absolvierte Michael Dekker auf der Versuchsstation für Nutztierbiologie und ökologischen Landbau an der Uni in Hohenheim. Parallel zur Kunst in Düsseldorf studierte der 34-Jährige nach der Lehre dann Geografie an der Universität Duisburg-Essen.

Um die „Auseinandersetzung mit Menschen im Raum“ geht es dem Künstler; Schichtungen, Gebirge, Felsformationen, „das sind so Dinge, die mich faszinieren, die ich in meinen Skulpturen übersetze“.  Sein Interesse, so hat es Dr. Stefanie Lucci in einem Katalog aus dem Jahr 2010 beschrieben, „gilt der gestaltenden Kraft der Natur, denen er die Gestaltung von Menschenhand entgegensetzt.“

In vielen Ausstellungen hat Dekker bereits seine Skulpturen gezeigt; die letzte war eine Doppelausstellung mit Karl-Otto Götz im Kunstkabinett in Tiefenthal. Götz, der 2017 im Alter von 103 Jahren verstorben ist, gilt als der informelle Maler der 50er und 60er Jahre schlechthin; auch Gerhard Richter hat bei ihm studiert. „Als habe Michael Dekker die Malerei von K.O. Götz in die dritte Dimension getragen,“ beschrieb es Wolfgang Thomeczek, der das Kunstkabinett betreibt.