Xanten: Metzgerei Ludger Lemken von "Meisterstücke"-Jury ausgezeichnet

„Meisterstücke“-Wettbewerb : Lemken holt den Feinkost-Pott

Es gibt immer weniger Metzgereien, auch in Xanten. Aber Lemken behauptet sich mit Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Produktion. Damit setzt er sich in einem Wettbewerb auch gegen Konkurrenz aus ganz Deutschland durch.

Auf dem Schrank stehen schon einige Pokale. Ludger Lemken hat sie für seine Fleisch- und Wurstwaren bekommen. Seit Jahren nimmt der Xantener an Wettbewerben des Metzgerhandwerks teil. Aber einen Preis wie diesen habe er zum ersten Mal gewonnen, sagt Lemken und zeigt den „Feinkost Pokal 2019“. Der Metzgermeister ist nun auch Meister-Metzger. „Das schafft man nur einmal im Leben, wenn überhaupt“, sagt Lemken.

Jedes Jahr ruft der Fleischerverband NRW die Metzgereien bundesweit dazu auf, Proben ihrer Produkte einzuschicken. Von einer Jury werden dann Aussehen, Geschmack und Qualität der Ware bewertet. In diesem Jahr beteiligten sich 186 Betriebe aus ganz Deutschland am sogenannten „Meisterstücke“-Wettbewerb. Die Juroren bewerteten rund 1250 Wurst- und Fleischprodukte mit Bronze, Silber oder Gold. Einige wenige Waren zeichneten sie zusätzlich aus, unter anderem Lemkens Schweizer Kasseler im Käse-, Kräuter- und Fleischwurstmantel – dafür erhielt der Xantener den Pokal in der Kategorie „Feinkost“. „Die Juroren waren hin und weg“, berichtet Christian Deppe vom Fleischerverband NRW.

Für Lemken ist die Wertung der Jury ein wichtiges Ergebnis. Zumal er mit weiteren Produkten fünfmal Gold und einmal Silber holte: mit Mettwürstchen, Metzger-Fleischwurst und Hausmacher Leberwurst nach niederrheinischer Familientradition, mit Metzgerkochschinken vom niederrheinischen Duroc-Schwein sowie mit dem Xantener Domschinken in Kräutermantel. „Die Wettbewerbe sind für uns eine Qualitätskontrolle: Wir sehen, wo wir im Vergleich mit anderen Metzgereien stehen.“ Die Proben seien aus der laufenden Produktion genommen worden, seine Mitarbeiter hätten sie also unter denselben Bedingungen hergestellt wie die Wurst und das Fleisch, das auch in den Verkauf gehe, versichert Lemken. „Es wird nichts für den Wettbewerb extra produziert.“

Die Konkurrenz hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Als er ein kleiner Junge war und sein Vater die Metzgerei führte, habe es in Xanten ein Dutzend Fleischereien gegeben, erinnert sich Lemken. 1999, als er den elterlichen Betrieb übernahm, seien es nur noch eine Handvoll gewesen, und heute sei er der einzige Metzger in der Stadt, der Wurst- und Fleischwaren selbst produziere, berichtet der 49-Jährige. „Wir Metzger sind eine Nischenbranche geworden.“

Bundesweit sieht es ähnlich aus. Innerhalb von zehn Jahren verschwanden etwa 30 Prozent der Fleischer-Fachbetriebe in Deutschland, wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) am Dienstag mitteilte. In NRW sank die Zahl der Fachbetriebe von 2546 Ende 2008 auf 1664 Ende 2018. Das Fleischerhandwerk sieht dafür mehrere Gründe: Der Mangel an geeignetem Nachwuchs belastet die Betriebe, sie beklagen eine wachsende Bürokratie, zudem machen ihnen Discounter und Supermärkte Konkurrenz.

Deshalb sind der Pokal und die weiteren Auszeichnungen auch eine gute Werbung für Lemken. Er hat mit ihnen das Recht erworben, den Titel „Wir sind bei den Besten“ zu führen. Der Xantener weiß: Seine Kunden könnten Fleisch und Wurst auch anderswo kaufen. Aber mit eigenen, unverwechselbaren Produkten grenze er sich von der Konkurrenz ab und behaupte sich im Wettbewerb, davon ist er überzeugt. „Der Verbraucher will den Unterschied schmecken“, sagt der Metzger, der den Familienbetrieb in fünfter Generation führt und 22 Mitarbeiter beschäftigt. „Eigene Produkte sind unsere Stärke.“

(wer)
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