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Xanten: Menschen suchen ihren Platz in der Kirche

Aktion in der Xantener Propsteigemeinde : Standortbestimmung in der Kirche

Zahlreiche Menschen haben sich an einer Aktion der Xantener Propsteigemeinde beteiligt: Sie bemalten und gestalteten Stühle und stellten sie dort auf, wo sie ihren Platz in der Kirche sehen. Die Aktion stieß auf große Resonanz.

Es ist ein ungewohntes Bild, das sich dem Besucher des Xantener Doms in diesen Tagen bietet: Die Holzbänke im Mittelschiff fehlen, sie wurden durch Stühle ersetzt, die aber nicht alle in Reih und Glied platziert wurden, sondern an verschiedenen Stellen in der Kirche. Sie sehen auch nicht alle gleich aus, sondern sind bunt angemalt und verziert worden.

Die Stühle stehen für einzelne Menschen und ganze Gruppen in der katholischen Propsteigemeinde St. Viktor. Sie wurden von den Gläubigen vor Pfingsten mit nach Hause genommen, um dort gestaltet zu werden, dann wurden sie wieder im Dom aufgestellt. Die Menschen zeigen damit, wo sie ihren Platz in der Kirche sehen. Mit den Stühlen drücken sie auch aus, was ihnen an der Kirche wichtig ist, was ihnen fehlt und was besser werden muss.

Dazu hatten die Pastoralreferenten Matthias Heinrich und Christiane Flüchter sowie die Pastoralassistentin Anna Zoll aufgerufen. Das Projekt „Mein Platz in der Kirche“ ist ihre Idee. Sie haben dafür Stühle verwendet, die vorher im Lüttinger Pfarrzentrum gestanden hatten, das abgerissen wird.

  • Christiane Flüchter, Matthias Heinrich und Anna
    Aktion im Xantener Dom : Gläubige suchen ihren Platz in der Kirche
  • Weihbischof Rolf Lohmann (Archiv).
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  • Weihbischof Rolf Lohmann (Archiv).
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„Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes begeistert, wie viele Menschen sich beteiligt haben – mit kritischen, aber auch mit positiven Beiträgen“, sagte Matthias Heinrich am Pfingstsonntag. Unterschiedliche Gemeindegruppen aus Xanten und den Ortsteilen hätten sich Stühle zum Bemalen abgeholt. Darunter seien zum Beispiel die KFD und die Landfrauen gewesen, Kindergärten und Schulen, aber auch das Placidahaus, die Marienschule und die Fazenda da Esperanca. Die Schülerinnen seien dankbar für die Möglichkeit gewesen, sich auf diese Weise auszudrücken, sagte Michael Rathmann, Religionslehrer an der Marienschule. Auch Einzelpersonen hätten mitgemacht, berichtete Heinrich. „Und alle, die sich beteiligt haben, sagten: Wir haben aber noch einen Platz in der Kirche.“

Aber die aktuellen Debatten um die Kirche finden sich auch auf den bemalten Holzsitzen wieder. Der Stuhl einer Marienschülerin zeigt eine Frau mit verschlossenem Mund. Damit wolle die Schülerin zum Ausdruck bringen, dass die Frauen etwas bewegen wollten, aber an Grenzen stießen, erklärte Religionslehrer Rathmann. „Die Kirche setzt diese Grenzen.“ Sie müssten von den Gläubigen überwunden werden. „Und diese Begeisterung, die da ist, die müssen wir aufrufen“, forderte Rathmann. Diese „Begeisterung und Erleuchtung“ drücke sich auch in der Aktion aus, sagte die stellvertretende Schulleiterin Ute Heinrich. Sie sprach von „Aufbruchstimmung“ und „Mut“.

Auch bei den Gottesdienst- und Kirchenbesuchern stieß die Aktion auf Begeisterung. „Es ist mal richtiges Leben im Xantener Dom“, meinte Helmi Schröder. „Ich hoffe, dass es einen Anstoß gibt.“ Auch Eberhard Mingels fand die Beiträge sehr wichtig. „Die Kirche muss sich öffnen. Das ist ein guter Ansatz hier.“ Ihm gefiel vor allem ein Stuhl mit Damenschuhen darunter. „Die Frauen tragen die Kirche, das kommt hier bildlich sehr gut raus.“

Katja und Hanna-Lotta aus Moers blieben an Stühlen mit den verschiedenen Religionen, der Forderung nach Frauen im Priesteramt und der Fahne der Transsexuellen stehen. „Sehr erfreulich, dass man sich damit auseinandersetzt. Jetzt muss nur die Kirche selbst reagieren, dass man das akzeptiert und nicht verdrängt.“

(aflo)