Xanten: Mehr als 3000 Schützen feiern Oktoberfest

Xanten : Schützenfest auf der Wiesn mehr als Gaudi

Mehr als 3000 Schützen aus 96 Bruderschaften und Vereinen sorgten für prachtvolles Treiben beim Oktoberfest. Höhepunkt des Umzugs war wieder das Kaltblüter-Gespann mit Bierwagen. Ehrgeiz beim Ringen um die Königswürde.

Als sich pünktlich um 12 Uhr der Festumzug vom Wardter Hafen aus auf den Weg zum Festzelt machte, strahlte die Oktobersonne mit 3000 Teilnehmern aus 96 Bruderschaften und Vereinen sowie deren Musikabteilungen beim längsten Schützenumzug am Niederrhein um die Wette. Für den entsprechenden Rahmen sorgten die vielen Besucher an der Wegstrecke und auf der Wies’n. Mit dabei war auch der Trachtenverein Humbach aus Oberbayern in Dirndln und Krachledernen. Optischer Höhepunkt des Umzuges war wieder das Löwenbräu-Gespann aus München mit seinen vier eindrucksvoll geschmückten Kaltblütern.

Möglich gemacht hat das einmal mehr der Xantener Stefan Haag. Für den Brauerei-Mitarbeiter gehört das Gespann längst zur Schützen-Wies’n: „Ein Umzug ohne die Kutsche ist gar nicht mehr vorstellbar.“ Während die Schützen sich im Festzelt noch mit „Zielwasser“ versorgten, ertönten um 13.30 Uhr am Schießstand Böllerschüsse zur Eröffnung. Im Anschluss bat Heinz-Josef Bühren, Brudermeister der gastgebenden St.-Willibrord-Schützenbruderschaft Wardt die Ehrenschützen an die Armbrust.

Neben FZX-Geschäftsführer und Kreisdirektor Ralf Berensmeier, FZX-Leiter Winfried Meyer, Wies’n-Madl Indra Ströter und den Oktoberfest-Königen der zurückliegenden neun Jahre durfte Vogelbauer Johannes Wienemann sein Werk testen.

Für den gelernten Schreiner ist der Oktoberfest-Vogel eine besondere Herausforderung, erklärt St.-Willibrord-Schatzmeister Thomas van den Broek: „Zwei Schützen aus jedem Verein dürfen teilnehmen, jeder sollte nach Möglichkeit eine zweite Chance bekommen. Der Vogel muss also 400 Treffer aushalten können. Auf der anderen Seite sollte er gegen 17 Uhr fallen, weil eine Stunde später das Zelt leer sein muss.“ Für Johannes Wienemann ist das kein Problem. Er hat mehr als 40 Jahre Erfahrung im Vogelbau: „Anhand der verwendeten Schraubengröße und des Holzes kann ich ziemlich genau berechnen, wie viele Treffer nötig werden. Ich muss nur einkalkulieren, dass die Treffsicherheit der Schützen im zweiten Durchgang etwas nachlässt.“ Das Schützen-Oktoberfest ist ein Spaß für die ganze Familie. Während Schützen und Musiker im Festzelt feiern, dürfen sich die Kinder auf zahlreichen Spielgeräten von der Hüpfburg bis zur Schiffsschaukel vergnügen und zwar gratis. Für die Teilnehmer selbst hat das Wies’n-Schützenfest längst einen hohen Stellenwert. „Mittlerweile ist das keine Jux-Veranstaltung mehr, sondern ein Termin, der fest im Kalender verankert ist“, sagt Wilfried Welbers, amtierender König der Xantener St.-Victor-Bruderschaft. Ähnlich sieht’s Amtskollege Thomas Holland von der St.-Nikolaus-Bruderschaft Veen-Winnenthal: „Hier hat sich etwas entwickelt in den letzten zehn Jahren. Dieses Schützenfest gehört inzwischen zur Brauchtumspflege.“

Das stimmt jedes Detail: Der bayerische Löwe blitzte in der Sonne auf dem Pferderücken vor dem Löwenbräu-Wagen – goldener Oktober eben. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Entsprechend motiviert trat Holland dann auch an die Armbrust: „Ich habe schon den Ehrgeiz, den Wanderpokal diesmal nach Veen zu holen, auch wenn dafür eine ganze Menge Glück für nötig ist.“ Für den Birtener Marcel Theyßen hat der Titel „Oktoberfest-Schützenkönig“ einen besonderen Stellenwert. Seine Ansage: „Wenn ich den Vogel runter hole, dann lassen wir es so richtig krachen.“

Mehr von RP ONLINE