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Xanten-Marienbaum: So war der erste Gottesdienst nach den Corona-Regeln

Gottesdienst in Corona-Zeiten : Katholiken feiern wieder gemeinsam – aber mit Abstand

Wochenlang waren öffentliche Gottesdienste verboten, jetzt sind sie wieder erlaubt – unter Auflagen. So konnten etwa 30 Gläubige in Marienbaum gemeinsam Eucharistie feiern, mussten sich dabei aber an einige Regeln halten.

Während der Eucharistiefeier an diesem Freitag in Marienbaum ergreift Kaplan Christoph Potowski das Wort und erklärt den Anwesenden, wie es nun weitergeht – weil es dieses Mal anders ist: „Bitte bleiben Sie an dem Platz, an dem Sie gerade stehen oder sitzen“, sagt Potowski, damit die Gläubigen nicht nach vorn kommen, wie sie es bisher an dieser Stelle des Gottesdienstes getan haben, um die Kommunion zu empfangen. Aber das war vor der Corona-Pandemie. Jetzt gelten andere Regeln. Propst Stefan Notz werde durch die Reihen gehen und die Hostien zu den Gläubigen bringen, kündigt der Kaplan an. „Halten Sie bitte den nötigen Abstand ein“, ergänzt er, während sich Notz die Hände desinfiziert und dann beginnt, die Kommunion auszuteilen.

Es ist seit Mitte März der erste Gottesdienst, den Mitglieder der katholischen St.-Viktor-Gemeinde Xanten wieder gemeinsam in einer Kirche feiern dürfen. Wegen der Corona-Pandemie war es wochenlang bundesweit verboten gewesen. Seit diesem Freitag ist es in NRW wieder erlaubt – unter Auflagen. Dazu gehört, dass der Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten werden muss.

Das würde bei einer voll besetzten Kirche schwierig werden. Deswegen ist die Teilnehmerzahl begrenzt worden – auf rund 40 Gläubige in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt, wo nun Eucharistie und Wallfahrtseröffnung gefeiert werden. Rund 30 Gläubige sind gekommen. Sie sitzen links, mittig und rechts in den Reihen, die meisten allein, Paare auch zusammen, jede zweite Bank ist frei geblieben, damit zwischen allen genug Abstand bleibt.

„Ich freue mich, dass wir endlich wieder gemeinsam Eucharistie feiern dürfen“, hatte Propst zu Beginn der Messe gesagt. „Und ich freue mich auch, weil es die erste Heilige Messe ist, die ich mit Ihnen feiern darf.“ Notz ist erst seit wenigen Wochen Propst in Xanten. Im Dom war eine große, öffentliche Feier zum Dienstantritt Mitte März geplant gewesen. Aber wegen der Corona-Pandemie wurde sie abgesagt. Notz übernahm das Amt stattdessen in einer kleinen Feier, die aufgezeichnet und online veröffentlicht wurde. Das wurde auch mit Gottesdiensten in den folgenden Wochen gemacht. Aber auf Dauer ersetzen diese Video-Messen die gemeinsame Messe natürlich nicht. Jetzt zusammen Eucharistie zu feiern, sei ein „Stärkungsmoment“, sagt Notz. „Das gibt uns Kraft.“ Später, in der Predigt, kommt er darauf zurück, spricht von „betrüblichen Zeiten“, aber macht den Gläubigen Mut: „Gott ist uns in jeder Lebenssituation zur Seite, er ist auch jetzt da.“ Das habe vielen Christen in den vergangenen Wochen geholfen. „Dass Gott da ist, hat vielen Kraft gegeben in der Erfahrung von Isolation und Einsamkeit, und die gab es doch für viele, auch heute, wir sind ja gar nicht über dem Berg.“

Gut 50 Minuten dauert der erste Gottesdienst nach den neuen Regeln. Die Form lasse sich noch ändern, aber die Abstände müssten eingehalten werden, sagt Notz. „Das ist heute Morgen geglückt.“ Nach dem Segen verlassen die Gläubigen die Kirche – nacheinander, Reihe für Reihe, damit sie sich nicht zu nah kommen. Unter ihnen ist Dietmar Kisters, Vorsitzender des Heimatvereins in Marienbaum. Es habe ihm in den vergangenen Wochen gefehlt, mit anderen Menschen Gottesdienst zu feiern, sagt er.

Am Sonntag folgen die nächsten Messen: um 8 Uhr im Dom (Eucharistiefeier), um 9.30 Uhr in Marienbaum (Eucharistiefeier), um 11.30 Uhr im Dom (Wort-Gottes-Feier) Auch dann gelten die neuen Regeln. Im Dom dürfen maximal etwa 50, in Marienbaum höchstens zirka 40 Gläubige hereingelassen werden.