Xanten-Marienbaum: Einzige Apotheke schließt

Versorgung im ländlichen Raum : Marienbaums einzige Apotheke schließt

Xantens Ortsteil Marienbaum hat bald keine Apotheke mehr. Einwohner sehen das mit Sorge. Künftig haben sie es deutlich weiter, wenn sie Medikamente brauchen.

Nach mehr als 40 Jahren schließt Ende des Monats die einzige Apotheke im Xantener Ortsteil Marienbaum. Das teilte Inhaber Daniel Schmidt in einem Aushang im Schaufenster seinen Kunden mit. Einwohner des Dorfes reagieren besorgt. Die nächsten Apotheken befinden sich in Xanten oder Kalkar, also mindestens acht Kilometer entfernt. „Gerade für ältere Bürger oder für diejenigen ohne Auto wird das ein großes Problem”, sagt der Vorsitzende des Heimat- und Bürgervereins Marienbaum, Dietmar Kisters.

Er habe sich „schweren Herzens” zu diesem Schritt entschlossen, die Entscheidung sei „aus vielen Gründen unabwendbar” geworden, schrieb Apotheker Schmidt in dem Aushang an die Kunden. Die Kundenzahl sei „konstant rückläufig“, die „bürokratischen Auflagen” seien gestiegen, außerdem bestellten immer mehr Kunden ihre Medikamente bei „ausländischen Versendern”. Das treibe immer mehr kleine Apotheken in den Ruin und gefährde die Versorgungsstruktur, warnt Schmidt. Für Nachfragen war er in den vergangenen Tagen für unsere Redaktion allerdings nicht zu erreichen.

Die Apothekerkammer Nordrhein bestätigt Schmidts Befürchtungen indirekt, hat in den vergangenen zehn Jahren einen stetigen Rückgang an Apotheken verzeichnet. Waren es 2009 noch gut 2500 Apotheken in ihrem Zuständigkeitsbereich, sank die Zahl auf knapp 2200 im vergangenen Jahr. Dass es aber vornehmlich Apotheken im ländlichen Raum betreffe, konnte Geschäftsführer Stefan Derix nicht bestätigen. Das sei nicht verifizierbar, da bei der Schließung einer Apotheke viele Faktoren zusammenkämen. „Der Standort spielt natürlich eine Rolle, aber auch die Arztsituation in der Umgebung, das Patientenverhalten oder die Rahmenbedingungen für die Inhaber, wie Mietverträge und Investitionskosten, müssen betrachtet werden”, sagt er.

Um der Schließung weiterer Apotheken vorzubeugen, rät der Geschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein: „Jeder kann seinen kleinen Teil beitragen, indem er bei den lokalen Apothekern kauft und wenig im Internet bestellt.”

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