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Xanten: Marathonlesung des Nibelungenliedes im Siegfried-Museum

Marathonlesung des Nibelungenlieds : Zehn Stunden Nibelungenlied

Die vom Moerser Schlosstheater mitinszenierte Marathonlesung im Siegfried-Museum faszinierte Zuhörer und Vorleser.

Allein schon das Ambiente des Kriemhildsaals im Siegfried-Museum bot alles, was man für so ein besonderes Lese-Projekt braucht. Ein riesiger Ritter mit Schwert stand hinter einer großen Tafel und den beiden ehrwürdigen Thronstühlen, auf denen Gaby Herchert und Ulrich Greb Platz genommen hatten.

„Uns ist in alten maeren wunders viel geseit“ begannen die Professorin für Geschichte des europäischen Mittelalters an der Universität Duisburg-Essen und der Leiter des Moerser Schlosstheaters als zwei der treibenden Kräfte des zehnstündigen Lesemarathons dann mit dem Vortrag des „Nibelungen“-Liedes. Bereits im Mai hatte es im Schlosstheater die erste Marathonlesung des mittelhochdeutschen Stoffes gegeben, der im Jahr 2009 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

„Das Ganze ist eingebettet in einen großen Zusammenhang“, beschrieben Greb und Herchert die Idee, rund um den „Ring des Nibelungen“ eine Vortragsreihe – und eben diese beiden Lesungen – zu initiieren. „Und die Vermittlung des Stoffs ist wichtig, weil er in der Rezeption immer wieder missbraucht wurde und es heute Kräfte gibt, die das wieder wollen“, unterstrich die Wissenschaftlerin. Darum gelte gerade heute, „andere Sichtweisen darzustellen und das nicht anderen zu überlassen.“

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Und so gaben die gut 70 Vorleser eine – etwas gekürzte Fassung – der fast 2400 Strophen in 67 Texteinheiten mit den diversen „Aventiuren“ wieder. Die Zuhörer wurden dabei in die Aura der Zeit mit Helden, mythischen Orten und Geschichten von Liebe, Treue und Verrat hineingezogen. Einige der Leser wie Jörg Zimmer waren schon in Moers dabei gewesen. Bei einer Tasse Kaffee und Suppe im Nebenraum gab er zu, dass mittelhochdeutsche Literatur seine „Leidenschaft“ ist. Der Mülheimer Matthias Keidel trug in passendem Kostüm in Begleitung seines Sohnes Tim einige Zeilen sogar mit Laute und Gesang vor. „Da war hier noch mehr Dynamik als in Moers.“ Und der Orsoyer Literaturwissenschaftler Dirk Haferkamp war selbst fasziniert „von der Dramatik, aber an den Sprachrhythmus muss man sich gewöhnen.“

Die Zuhörer zeigten sich begeistert. „Ich bin überrascht, wie spannend das gelesen wird - und wie viel Humor darin steckt. Man möchte nicht, dass es endet“, fand die Xantenerin Petra Brost die Darbietung des Liedes „kurzweilig und mitreißend.“ Und Hemut Keul war mit seiner Frau Johanna extra aus Bocholt angereist. „Das epische Geschehen, das viele Verwebungen in die Geschichte erlaubt, aber keine Geschichte ist“, das fasziniere ihn bis heute, meinte der 82-Jährige.

Am Ende des zehnstündigen Marathons zog Museumsleiterin Anke Lyttwin ein positives Fazit: „Es waren alle Vorleser pünktlich da. Wir haben 110 Zuhörer gezählt, sehr gemischt und abends kamen sogar Familien“, bezeichnete sie die Aktion als „vollen Erfolg.“ Es gebe bereits Rückmeldungen der Beteiligten, die bei einer solchen Aktion gerne nochmal dabei sein wollten. „Und es gab einige, die keine Nibelungenfreunde waren und positiv überrascht waren. Das lag sicher an den wunderbaren Vorlesern und es scheint, dass die Sprache die Zuhörer in ihren Bann gezogen hat.“

Die Kooperation mit der Universität und dem Theater werde fortgesetzt, sagte Lyttwin. Im kommenden wollen die drei Partner wieder etwas Gemeinsames auf die Beine stellen – was genau, steht allerdings noch nicht fest.