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Xanten: Linus Riedel, ehemaliger Leiter des Förderzentrums Xanten, wird 90 Jahre alt.

Ehemaliger Leiter des Förderzentrums : Linus Riedel: Engagierter Xantener wird 90

Mit dem Namen des in Breslau geborenen Pädagogen verbinden in Xanten viele das (ehemalige) Förderzentrum, die Kolpingsfamilie, deren Vorsitzender er von 1982 bis 2000 war, und den Kinderschutzbund, den er 1979 zusammen mit anderen gründete. Auch im hohen Alter ist er noch klar, wach und vielseitig interessiert.

Es ist die Stimme, die aufhorchen lässt. Es ist die Fröhlichkeit, diese besondere Art, Geschichten zu erzählen, die einen in den Bann zieht. Es ist der klare Blick, mit dem der Mann die Welt und die Menschen betrachtet. Am Montag vollendet er sein 90. Lebensjahr: Linus Riedel. Mit seinem Namen verbinden in Xanten viele das (ehemalige) Förderzentrum, die Kolpingsfamilie, deren Vorsitzender er von 1982 bis 2000 war, und den Kinderschutzbund, den er 1979 gemeinsam mit Siegfried Kodytek und weiteren Engagierten begründet hat. Ein Pädagoge, der immer neue Wege gehen wollte, gekämpft hat für Dinge, die ihm wichtig waren, sich auch mit der Stadt und den Entscheidern angelegt hat.

Dabei stand nicht immer fest, dass er einmal Lehrer werden würde. Am 14. Juni 1931 in Breslau, Oberschlesien, geboren, floh er nach dem Abschluss der Mittelschule 1945 mit Mutter und Geschwistern nach Niederbayern. Ein Jahr arbeitete er bei einem Bauern, machte 1952 in Passau sein Abitur – und wurde Novize. Vier Jahre war Linus Riedel Mönch auf Probe in der Benediktinerabtei Schweikelberg. Er studierte in der Zeit Philosophie und Theologie am Ammersee. Dann zog es ihn fort aus Bayern, ins Ruhrgebiet, nach Essen-Kupferdreh. Tagsüber studierte er Pädagogik, nachts arbeitete er untertage auf der Zeche Rosenblumendelle.

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„1956, das war ein Bruch. Aber nicht inhaltlich“, betont der 90-Jährige, der noch heute Kontakt zu den Benediktinern hat. „Die Kameraden sind so alt wie ich, lauter fröhliche Leute“. Sie haben ihn und sein Leben geprägt. Ein Leben, zu dem bis zu ihrem Tod im Jahr 2015 Ehefrau Mechtild, Sohn Martin (61) und die Töchter Cordula (59) und Angela (56) gehören. Auf dem Esstisch in der Wohnung am Holzweg liegt ein dicker Ordner, prall gefüllt mit Zeitungsartikeln über den Mann, der nach dem ersten Staatsexamen 1959 Volksschullehrer in Sonsbeck wurde und zwei Jahre später den Auftrag bekam, in Xanten eine „Hilfsschule“ aufzubauen, in der man sich um beeinträchtigte Kinder kümmert, sie Rechnen, Lesen und Schreiben lehrt.

Der Jubilar erinnert sich genau: „Als ich an die Volksschule kam, waren da diese vier Kinder, die fast zehn Jahre alt waren, aber immer noch im ersten Schuljahr. Das hat mich bedrückt. Ich dachte mir: Es muss doch für diese Kinder eine Schule geben, in der sie nicht untergehen, in der sie lernen können“. Also studierte er noch Sonderpädagogik in Dortmund, legte die Montessori-Prüfung ab und zog mit der Familie nach Xanten, in das Haus an der Klever Straße, in dem später der Kindergarten „Arche“ untergebracht war. „Wir wohnten oben, im Erdgeschoss habe ich unterrichtet“.

Mit 20 Kindern zwischen sieben und elf Jahren fing Riedel an, „die konnten weder lesen noch schreiben“. Das lernten sie – und noch vieles mehr. 1967 – inzwischen besuchten 60 Mädchen und Jungen mit besonderem Förderbedarf die „Hilfsschule“, die den Namen „Engelbert-Humperdinck-Schule“ erhielt – wurde an der Johannes-Janßen-Straße der Grundstein gelegt für die Sonderschule, die später „Förderzentrum“ genannt wurde. 1968 dann der Umzug

Traurig sei er gewesen, als er vor einigen Wochen mal mit Tochter Angela an der Baugrube vorbei gefahren sei, wo heute nichts mehr daran erinnert, dass es dort mal eine Förderschule gab. „Ich habe die Augen beim Vorbeifahren zugemacht. Ich war so stolz auf die Schule, auf die vielen Kinder, die hier ihren Abschluss gemacht haben.“

Dass die Sonderschulen im Zuge des Inklusionsgedankens ab 2006 bundesweit zerpflückt wurden, sei ein großer Fehler gewesen, findet auch Tochter Angela Weniger, die wie ihr Vater den Lehrberuf ergriffen hat. „Es war keine weise Entscheidung, die Sonderschulen auslaufen zu lassen“. Zustimmendes Nicken von Linus Riedel. „Die Kinder, um die man sich besonders kümmern muss, gehen doch unter in den Regelschulen“. 1993 bot die Bezirksregierung Riedel an, zwei Jahre früher als geplant, in Pension zu gehen. Riedel nahm an. Eine seiner letzten Aktionen nach 32 Jahren als Leiter der Sonderschule war, nioch einmal mit Schülern Ski zu fahren.

Die Jahre, die ihm noch bleiben, möchte der 90-Jährige am liebsten zu Hause verbringen, selbstständig bleiben. „Aber wenn es gar nicht mehr geht, dann gehe ich eben in ein Altenheim“. Eine Option wäre das Haus am Kurpark, da sei man mitten im Geschehen. Aber vorher möchte sein jüngster Enkel Linus (19) noch mit dem Opa nach Griechenland fliegen. Und das machen die beiden auch, wenn es die Gesundheit des alten Herrn zulässt.