Xanten: Klangpracht beim Posaunenkonzert im Dom

Posaunenkonzert im Xantener Dom : Klangpracht aus dem Schallbecher

Vor rund 1000 Gästen gaben die niederrheinischen Chöre des Posaunenwerks der Evangelischen Kirche ein Domkonzert.

Jahrein, jahraus bietet der St.-Viktor-Dom in Xanten vielen Orchestern eine optimale Kulisse für bemerkenswerte Konzerte; die 35. Auflage der Nachweihnachtlichen Musik der Posaunenchöre vom Niederrhein gestaltete sich am Sonntag unter dem Dirigat des bekannten Kirchenmusikdirektors Jörg Häusler aus Vallendar als eine tolle Auftaktveranstaltung im diesjährigen Veranstaltungskalender des Gotteshauses. Annähernd 1000 Besucher füllten den Dom aber bereits zum Offenen Singen mit Herbert Hatzky als Dirigent unter dem Namen „Con Spirito“.

Zu zwölf Titeln, die Hatzky informativ anmoderierte, spielten die Musiker des zwölfköpfigen Ensembles ihre eigens für das Konzert arrangierten Kompositionen, und das auf Trompeten, Posaunen, Hörnern und Euphonien. Mit der deutschen Fassung „Freue dich, Welt“ des Songs „Joy to the world“ erklang eines der bekanntesten Weihnachtslieder im englischen Sprachraum. Mit dem Titel „Hört, der Engel helle Lieder“, im Original „Les anges dans nos campagnes“ hielt altes französisches Liedgut seinen Einzug in den Dom. „Stille Nacht, heilige Nacht“ moderierte Hatzky als das weltweit bekannteste Weihnachtslied an. Der Engelgesang „Gloria in excelsis Deo“ ließ die sangesfreudigen Konzertgäste im vierstimmigen Kanon lateinisches Sprachgut singen.

Bevor die 130 Blechblasinstrumente der Posaunenchöre zum Einsatz kamen, erklärte Trompetenspieler und Mitorganisator Harald Münster: „Nur das erste nachweihnachtliche Konzert unseres Orchesters hat in der evangelischen Kirche in Xanten stattgefunden. Die räumliche Enge machte alsbald einen Umzug in den Dom erforderlich.“ Auch Stefan Schmelting, Vorsitzender des Fördervereins des Posaunenwerks der Evangelischen Kirche im Rheinland, dankte der Katholischen Propsteigemeinde dafür, dass das Blasorchester den Dom seit Jahren zum gemeinsamen Musizieren nutzen kann.

Schmelting zieht es seit fast 30 Jahren immer wieder nach Xanten. „Der Klang des Orchesters erhält in den hohen Gewölben des Domes ein einzigartiges Timbre.“ Als Zeichen der gelebten Ökumene und Gastfreundschaft traten der katholische Pastoralreferent Matthias Heinrich und der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Wolfgang Willnauer-Rosseck, sowie Pfarrer Friedemann Schmidt-Eggert, Landesobmann der Bläserarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland und Superintendent des Kirchenkreises Bonn, abwechselnd an das Sprechpult. Heinrich begrüßte die Konzertgäste und sprach ihnen auch den Abschlusssegen aus, Willnauer-Rosseck verlas Perikopen zum Leben Jesu aus dem Matthäus-Evangelium, Schmidt-Eggert erzielte mit seinen kritischen Texten von einer befremdlichen Weihnacht und einer beängstigenden Entwicklung der Geschichte der Menschheit großes Interesse bei den Zuhörern.

Das Kernstück des nachweihnachtlichen Konzerts bildeten die stimmungsvollen Bläsersätze, mit denen die Posaunenchöre, die größtenteils aus dem Bezirk 01 im Posaunenwerk „Unterer Niederrhein“ kamen, den Dom anderthalb Stunden lang erfüllten. Der dunkle Klang der Tuben, die hellen freudigen Klänge, die die Musiker den Posaunen und Trompeten entlockten, und das gekonnte Spiel auf Hörnern ließ die Musik auf den unterschiedlichen Instrumenten bei traditionellen Titeln wie „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, „Zu Bethlehem geboren“ und „O, du fröhliche, o du selige“ zu einem einzigartigen Klangkörper zusammenschmelzen.

Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten“, arrangiert von dem US-amerikanischen Komponisten Mel Thomé, verlieh dem Konzert einen eher melancholischen Akzent. Für wunderbare Abwechslung sorgte ein Vorspiel, das der junge deutsche Kirchenmusikdirektor Thomas Riegler komponiert hatte.

Zwischen den Titeln spendeten die Konzertgäste einen eher zurückhaltenden Applaus. Tosender Beifall brauste auf, als alle Musiker zum Abschied ihre Instrumente in die Luft hielten. Ebenso nach der Zugabe, für die Häusler den anrührenden Titel „Highland Cathedral“ ausgewählt hatte.