Xanten/Kamp-Lintfort: Kater Möhre wird auf Freigang von Unbekannten aufgenommen

Kater wird aus Versehen von drei Familien adoptiert : Möhres Odyssee von Kamp-Lintfort nach Xanten

Während seine Familie in Thailand Urlaub macht, gerät Kater Möhre auf eine unglaubliche Reise. Der Freigänger wird von Unbekannten für einen Streuner gehalten und über drei Stationen weitergereicht. Seine Familie startet vom Urlaubsdomizil aus eine Suchaktion.

Möhre ist jung und abenteuerlustig. Der Kater genießt normalerweise sein Leben bei Familie Kirscht in Kamp-Lintfort. Als Freigänger kann er jederzeit aus dem Haus und seine Umgebung erkunden. So auch während der Zeit, als seine Familie zu einem zweiwöchigen Thailand-Urlaub aufbrach. Schwiegermutter Gerda, die nebenan wohnt, sollte sich um Möhre kümmern. Aber ansonsten stand ihm die Welt offen.

Diese Freiheit nutzte Möhre auch am Donnerstag vorletzter Woche. Doch es sollte fast eine Woche dauern, bis er wieder nach Hause kam. Denn in der Nähe seines eigentlichen Heims wurde Möhre von einer ihm unbekannten Familie aufgenommen – weil er tat, was Kater nun mal so tun: Er miaute. Körperlich fehlte ihm nichts, er wollte wohl nur einfach miauen.

Da diese Familie selbst aber einen Hund hält, gaben sie Möhre zu einer Bekannten. Diese suchte den Tierarzt auf, um zu prüfen, ob der Kater gechipt ist. „Da Möhre noch sehr jung ist, war er weder tätowiert noch gechipt“, sagt Sonja Schwan-Kirscht nach ihrer Rückkehr aus dem Thailand-Urlaub. Wobei dieser Urlaub eher keiner war. Denn die Geschichte um Möhre nahm eine ebenso skurrile wie mysteriöse Wendung an, die den Kater bis nach Xanten führen sollte.

Zurück zum Tierarzt: Dieser empfahl, das Tier ins Tierheim zu geben und das Ordnungsamt über den Aufenthaltsort zu informieren. Das jedoch tat die Frau nicht. Sondern bat eine weitere Bekannte, einen Aufruf bei Facebook zu starten, ob jemandem der Kater entlaufen sei. „Eine Nachbarin hat diesen Eintrag gesehen und uns im Urlaub informiert. Allerdings wurde uns nicht preisgegeben, bei wem Möhre denn derzeit sei. Wir sollten auf eine Nachricht warten“, erzählt Schwan-Kirscht.

Diese Nachricht kam auch – vier Tage später und mit überraschendem Inhalt. Die „Betreuerin“ sei übers Wochenende verreist und hätte die Katze an eine weitere Bekannte nach Xanten weitergegeben. „Der Kontakt zu der Xantenerin wurde uns aber auch nicht vermittelt, das sei nicht gewünscht, hieß es nur“, berichtet Schwan-Kirscht. An Urlaub war für sie, ihren Mann Steffen und die Kinder Paula und Henri da schon lange nicht mehr zu denken. „Wir haben dann selbst via Facebook recherchiert. Letztlich kam raus, dass die Xantenerin Möhre zu einem Besuch bei ihrer Tochter mitgenommen hatte, wo er angeblich entwischt sei.“ Möhre würde nun irgendwo in der Xantener Innenstadt herumstreunen, wurde den Schwan-Kirschts lapidar mitgeteilt. Einen Kontakt, um aus dem Urlaub die Sache telefonisch zu klären, wolle man aber nicht vermitteln. Die Katze sei ja sowieso nicht mehr bei der Xantener Dame.

Das war der Zeitpunkt, als Familie Kirscht die Polizei einschaltete und ihr Problem bei Facebook öffentlich machte. Viele Nutzer schalteten sich in die Suche nach Möhre ein, der Beitrag wurde über 200 mal geteilt. „Möhre hätte im Tierheim abgegeben werden können und die Meldung ans Ordnungsamt, wie gesetzlich vorgeschrieben, erfolgte auch nicht. Wieso gibt man ein Tier einfach über mehrere Stationen weiter, wenn die Besitzer sich doch schon längst gemeldet haben?“, fragt die Kamp-Lintforterin.

Abends dann ein Anruf mit unterdrückter Nummer. Die Xantenerin meldete sich und beschwerte sich über den Facebook-Eintrag. „Wir sollten uns nicht so anstellen, sie würde sich melden, wenn Möhre zurückkehrt. Und warf uns vor, wir hätten ja zu Hause schon besser auf ihn aufpassen können“, erzählt Sonja Schwan-Kirscht. Der Urlaub war da quasi gelaufen.

Am vergangenen Mittwoch dann das Happy End: Plötzlich schellt es bei Schwiegermutter Gerda. Vor der Tür vier Personen – mit Möhre im Arm. Darunter auch die Xantenerin. Sie seien diejenigen, die den Kater aufgenommen hätten. Und würden ihn nun zurückgeben. Das ließen sie sich quittieren. Und drängten darauf, die „verleumderische Kampagne bei Facebook“ einzustellen. „Es ist schön, das Möhre nun wieder zu Hause ist. Aber die Anzeige werden wir nicht zurückziehen“, sagt Schwan-Kirscht. „Denn die sechs Tage, die wir im Urlaub mit der Recherche und Suche verbracht haben, bekommen wir nicht zurück.“

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