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Xanten: Grundsatzdebatte um zwölf Bäume

Bürgerantrag in Xanten : Grundsatzdebatte um zwölf Bäume

In Xanten fordern Anwohner, dass Robinien gefällt werden, weil sie Schäden an ihren Häusern befürchten. Angesichts der Klima-Debatte tun sich Politik und Verwaltung aber schwer damit.

Vor zwei, drei Jahren war es eines der Aufregerthemen in Xanten: Für den Kurpark mussten Bäume gefällt werden. Die Stadt sprach anfangs von etwa 60 Stück. Das waren aber nur jene, die unter einem besonderen Schutz standen. Am Ende wurden mehr als doppelt so viele abgeholzt. Die Entrüstung unter Bürgern und Politikern war groß, teilweise ist sie es immer noch. In den vergangenen Wochen ist die Debatte um den Klimawandel hinzugekommen. Und vor diesem Hintergrund muss die Xantener Politik nun über einen Bürgerantrag beraten, wonach zwölf Robinien gefällt werden sollen.

Sie waren von der Stadt vor Jahren entlang des Schwarzen Wegs gepflanzt worden. Anlieger haben in einer Unterschriftenaktion ihre Beseitigung und Ersatzpflanzungen eingefordert. Ausläufer der Wurzeln beschädigten Straße, Gehwege, Leitungen und Fundamente der Häuser, befürchten sie. „Für eine Ersatzpflanzung sollten möglichst einheimische Bäume ausgewählt werden, die pflegeleicht sind und sowohl die Belastung durch das Klima als auch durch den Verkehr aushalten.“ Da die Stadt den Fehler gemacht habe, dürften die Anwohner nicht zur Kasse gebeten werden.

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Soweit der Antrag. Die Robinien unterliegen der Baumschutzsatzung; ein Abholzen wäre mit Genehmigung des Rats nur bis einschließlich März und außerhalb der Vogelschutzzeiten erlaubt. Aber die „Überlebensstrategie“ des Baums lässt Wurzeln, die nach dem Fällen im Boden bleiben, austreiben. Die gesamte Fläche muss also von Wurzeltrieben befreit werden. „Ein Riesenaufwand“, sagte Harald Rodiek, Chef des Dienstleistungsbetriebs (DBX), dessen Mitarbeiter die Arbeit übernehmen müssten. Aber er räumte ein: „Nach dem heutigen Kenntnisstand gehören die Robinien nicht dorthin.“ Es seien die falschen Bäume am falschen Ort. Der Stadt drohten Schadenersatzforderungen der Anwohner.

Diese klaren Warte hätte sich Peter Hilbig (FBI) in der Vorlage an den Ausschuss gewünscht – stattdessen hatte die Verwaltung auf eine Beschlussempfehlung verzichtet. „Hier solle die Politik zum Buhmann gemacht werden. Ich erwarte von Fachleuten, dass sie eindeutig Position beziehen“, sagte Hilbig. Der Politik fehle das Rüstzeug zu entscheiden, in welchen Fällen gesunde Bäume im öffentlichen Straßenraum gefällt werden müssten. Die Entscheidung über die Robinien könne richtungsweisend für andere Anlieger sein, die ebenfalls einen Baum vorm Haus gefällt haben wollten, bei denen aber die Auswirkungen weniger gravierend seien.

Karl-Wilhelm Scholten (CDU) sah auf alle Fälle für die Robinien schon einmal eine Notwendigkeit zu handeln, falls wirklich die Gasleitungen im Boden beschädigt werden könnten. „Die Gesundheit der Menschen geht vor.“ Auch Werner Paeßens (BBX) sah es als bedenklich an, „wenn das Mauerwerk angegriffen wird. Hier ist ein Notstand.“ Dennoch verschoben die Politiker eine Entscheidung auf die nächste Sitzungsrunde im Dezember. Bis dahin soll die Verwaltung einen Kriterienkatalog vorlegen, wie in solchen Fällen entschieden werden kann.