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Xanten: Graffiti-Kunst für die Förderschule

Xanten : Graffiti-Kunst für die Förderschule

Bis zum Herbst darf Andre Laakmann die Außenwände der ehemaligen Förderschule besprühen. Drei Sprayer helfen.

Sie haben in der Regel immer 50 bis 100 Spraydosen im Auto, wenn sie unterwegs sind. Und sie sind froh über jede Fläche, die sie ganz legal bemalen, pardon: besprühen dürfen. Denn statt zu Pinsel und Farbeimer greifen sie zur Sprühdose.

Die und natürlich ihren Mundschutz hatten die Graffiti-Künstler Andre Laakmann (30) aus Xanten, Mehmet Dogan (36) und Julian Schimanski (31) aus Dinslaken sowie Sebastian Hastrich (35) aus Duisburg dabei, als sie sich nun daran machten, die Außenwände am ehemaligen Förderzentrum zu bearbeiten. Ganz legal, auch wenn das offensichtlich jemandem nicht gefiel. Er hatte dabei beobachtet und direkt die Polizei angerufen, statt die jungen Menschen anzusprechen. Dann hätten sie ihm den Freifahrtschein zeigen können, ausgestellt von Bürgermeister Thomas Görtz.

Initiator der Graffiti-Aktion, die fortgesetzt werden soll, war Andre Laakmann. Schon vor zwei Jahren hatte er bei der Stadt angefragt, ob die nicht eine Freifläche zur Verfügung stellen könne. Zum Beispiel an der Sporthalle Bahnhofstraße oder eine Wand an der Skateranlage im Kurpark. Zwar gibt es an der Jugend-Kultur-Werkstatt im Niederbruch die Möglichkeit, sich mit der Sprühdose auf zwei Wänden auszulassen. „Aber die sind nicht gut geeignet, haben einen schlechten Untergrund und Riesenfugen zwischen den Steinen.“ Die beiden Sprayer aus Dinslaken haben es da einfacher: An der Straße zum Fischerbruch gibt es eine etwa 400 Meter lange „Wall of Fame“, auf der sich die Graffiti-Szene auslassen kann.

 Mehmet Dogan, Andre Laakmann und Julian Schimanski (v.l.) haben im Auftrag der Stadt die Förderschule mit ihren Grafitti verziert.
Mehmet Dogan, Andre Laakmann und Julian Schimanski (v.l.) haben im Auftrag der Stadt die Förderschule mit ihren Grafitti verziert. Foto: Ostermann, Olaf (oo)
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Umso mehr freute sich Laakmann, als er jetzt vom Bürgermeister grünes Licht bekam, sich bis zum Herbst am Förderzentrum auszutoben. Und da man sich kennt in der Szene, dauerte es nicht lange, bis die beiden Dinslakener und der Sprayer aus Duisburg mit im Boot waren. Denn auch sie freuen sich über jede legale Möglichkeit, ihrer Kunst eine Plattform zu geben. „In die Höhe durften wir nicht“, begründet Laakmann, warum sich die Graffiti-Sprayer mit ihren Kunstwerken auf den unteren Bereich des Förderzentrums begrenzt haben.

Gute acht Stunden waren sie beschäftigt, ihre Kunst auf das triste Gemäuer aufzusprühen. Laakmann, der den „crazy Astronauten“ gesprüht hat, hielt es wie die meisten Graffiti-Sprayer: „Erst die Kontraste, dann der Hintergrund, danach die Ausfüllung, zum Schluss die Out-Lines nachziehen.“ Etwa 200 Euro Materialkosten stecken in der seitlichen Wand des Förderzentrums, die er mit Sebastian Hastrich bearbeitet hat.

„Lass mal Wüste machen und einen crazy Pharao“, hatte Julian Schimanski seinem Freund Mehmet Dogan vorgeschlagen und mit ihm ein Gemeinschaftswerk an die rückwärtige Wand gesprüht. Der Pharao ist sein Werk, Dogan hat die Wüste gemacht. Dreidimensional. Er malt immer in 3D. „Da spart man sich die Outlines“, sagt er und lacht.

Die vier wissen, dass ihre Kunst vergänglich ist, jederzeit übermalt werden kann. Deswegen fotografieren Graffiti-Künstler ihre Werke, wenn sie fertig sind. „Man weiß ja nie, wie lange die da hängen“, so Schimanski, der zusammen mit Mehmet Dogan und einem weiteren Sprayer „Urban Arts Dinslaken“ gegründet hat. Sie nehmen Auftragsarbeiten an, von Privatleuten, Firmen, Städten – sprühen Comics, Fotorealistisches, nichts Politisches, Religiöses und Anstößiges. Inzwischen können sie gut von der Kunst leben. „Der Laden läuft wie geschnitten Brot“, sagen beide. Klares „Nein“ übrigens auf die Frage, ob sie immer zufrieden sind mit dem, was sie geschaffen haben. „Wenn man am Ende seines Bildes nicht denkt, da hab‘ ich was falsch gemacht, dann hat man den Punkt erreicht, wo man aufhören sollte“.

Aber an dem Punkt ist noch keiner von ihnen angekommen, im Gegenteil. Denn auch Laakmann, von Beruf Mediengestalter, hat schon den nächsten Auftrag in der Tasche: „Wir haben Herrn Laakmann in die Gestaltung des Kurparks einbezogen. Er wird die Mauer am Übergang vom Südwall zur Viktorstraße mit Graffiti künstlerisch gestalten“, sagt Bürgermeister Thomas Görtz.