Kurs in der Xantener Südsee Schüler werden zu Rettungsschwimmern

Xanten · Die Willi-Fährmann-Gesamtschule in Xanten hat einen neuen Projektkurs. Schülerinnen und Schüler werden darin zu Rettungsschwimmern ausgebildet. Dafür arbeitet die Schule mit dem Freizeitzentrum Xanten und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft zusammen.

 Über mehrere Monate werden Gesamtschüler in der Xantener Südsee zu Rettungsschwimmern ausgebildet. Für den Kurs kooperiert die Gesamtschule mit der DLRG und dem Freizeitzentrum Xanten.

Über mehrere Monate werden Gesamtschüler in der Xantener Südsee zu Rettungsschwimmern ausgebildet. Für den Kurs kooperiert die Gesamtschule mit der DLRG und dem Freizeitzentrum Xanten.

Foto: ja/Arnulf Stoffel (ast)

Die Wassertemperaturen im Xantener Naturbad sind alles andere als sommerlich, eher Marke Gänsehaut. Für die zehn Oberstufenschüler und -schülerinnen der Willi-Fährmann-Gesamtschule sind sie aber kein Hindernis. Ihre zweite Haut, der Neoprenanzug, wärmt, wenn sie verschiedene Rettungsübungen im eher kalten Nass trainieren. Von Januar bis Januar durchlaufen sie den Kurs, den die Gesamtschule in Kooperation mit der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) anbietet.

Die Motivation, sich pro Woche einmal mit dem Thema Rettungsschwimmen theoretisch wie praktisch auseinanderzusetzen, ist unterschiedlich. Jennifer (18) will sich nach dem Schulabschluss zunächst zur Notfallsanitäterin ausbilden lassen. Das Deutsche Schwimmabzeichen in Silber sorgt für Pluspunkte. „Danach möchte ich Medizin studieren, so mein Plan. Ich kann so die Wartezeiten auf den Studienplatz überbrücken“, sagt Jennifer.

 In dem Kurs lernen die Schüler, welche Geräte ihnen bei der Rettung eines Menschen aus dem Wasser helfen.

In dem Kurs lernen die Schüler, welche Geräte ihnen bei der Rettung eines Menschen aus dem Wasser helfen.

Foto: ja/Arnulf Stoffel (ast)

Ähnlich der Plan von Florian (18). Er will später zur Polizei. „Mein Traumberuf, an dem mich die Vielfalt fasziniert“, verrät er. Beim Kurs Rettungsschwimmen lassen sich nicht nur Techniken in der Wasserrettung erlernen, sondern es wird auch Kondition aufgebaut. Die Auswahlverfahren der Polizei sind bekanntlich nicht ohne und setzen eine entsprechend hohe körperliche Kondition voraus. Fitness und Ausdauer müssen bei einer Sportprüfung nachgewiesen werden. Das Sportabzeichen oder das Schwimmabzeichen in Bronze reichen in NRW zwar, Florian will allerdings mehr. „Gerne Gold, das wäre für mich die Herausforderung“, so der Schüler.

In Doppeleinheiten, genau 180 Minuten Unterricht, vermittelt DLRG-Einsatzleiter Sebastian Pooth, welche Hilfsgerätschaften wie Rettungswurfleine, Brett, Schwimmbogen und -gürtel bei der Wasserrettung auf offenem Gewässer eingesetzt werden. Hinzu kommen lebensrettende Griffe, die im Ernstfall sitzen müssen.

Ein bisschen Baywatch-Stimmung – Kultserie mit den Rettungsschwimmern von Malibu – macht sich breit. Das verfliegt allerdings schnell in Anbetracht der Tatsache, dass aufgrund von Corona immer weniger Kinder Schwimmen gelernt haben. Unfälle am Rhein, bei denen Menschen nur knietief zur Abkühlung ins Wasser gegangen sind und von der Unterströmung mitgerissen wurden, bleiben in Erinnerung.

Pooth setzt beim Training ein entsprechendes Leistungsniveau voraus – und die Begeisterung für den Schwimmsport sowie die Bereitschaft, andere Menschen aus dem Wasser zu retten. „Ein guter Rettungsschwimmer bleibt trocken, weil er alle Gerätschaften einsetzt, um zu retten“, so Pooth. Das erfordere allerdings kontinuierliches Training.

Die Projektkurse der Gesamtschule bieten unterschiedliche Themenschwerpunkte, dienen der Vertiefung von Fähigkeiten, Talenten und Interessen. Sportlehrer Ingo Geisler hat den Kurs Rettungsschwimmen inklusive Erster Hilfe für die Oberstufe aus der Taufe gehoben. „Ein Alter, wo die Jugendlichen sich wesentlich stärker verantwortlich fühlen“, so Geisler zur Alterststruktur. Bereits im letzten Pandemiejahr schob er das grundlegende Thema Schwimmunterricht ganz nach vorne. Und warb für Anfängerkurse.

Auch bei diesem Projekt hat er die Strippen gezogen. Geisler hat sich um Wasserzeiten für das Training im Winter bei den Schwimmfreunden in Xanten gekümmert und weitere Kooperationen geschmiedet. Den Q1-Jahrgang begeisterte er im Vorfeld mit einer entsprechenden Präsentation. Mit Erfolg. „Eine sehr gute Werbung, die mich überzeugt hat“, so Florian.

Beim FZX-Leiter Ludwig Ingenlath rannte der Sportlehrer offene Türen ein. „Wir haben das passende Gelände für die Ausbildung und den Dienst am Wasser“, so Ingenlath. Er setzt auf mögliche weitere Unterstützung durch die Jugendlichen. Landesweit fehlen Badeaufsichten für die aktuelle Saison und können zu eingeschränkten Badezeiten führen. „Vielleicht ergibt sich eine Zusammenarbeit“, so Ingenlath. Für Schulleiter Frank Pieper ist es ein in sich stimmiger Projektkurs, der in dieser Form seine Premiere erlebt. „Die Perspektive, die dieses Projekt bietet, finde ich wirklich toll“, so der Schulleiter.

(wer)
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