Xanten: Friedenslicht von Betlehem wird an Pfadfinder am Niederrhein verteilt

Friedenslicht : Eine Flamme Hoffnung

Pfadfinder tragen das Friedenslicht aus dem Xantener Dom in ihre Gemeinden, in Krankenhäuser und Pflegeheime.

Martin Decker war fast schon wieder zuhause gewesen, die Autobahn hatte er gerade verlassen, als die Kerze mit dem Friedenslicht erlosch. Aber der Pfadfinder hatte mit so etwas gerechnet. „Mit den Jahren sammelt man seine Erfahrungen und baut vor.“ Deshalb hatte er vorsichtshalber zwei Kerzen mitgenommen, als er am Sonntag nach Münster zur zentralen Aussendungsfeier im Bistum gefahren war. Er hatte sie in der Getränkehalterung im Auto transportiert, und eine Kerze brannte noch, als er zuhause ankam. So konnte Decker das Friedenslicht am Dienstag nach Xanten bringen, zur Aussendungsfeier für den Niederrhein.

Im Dom empfingen Pfadfinder, Messdiener und Jugendgruppen das Friedenslicht. Sie entzündeten damit eigene Kerzen, um die Flamme in ihre Gemeinden zu bringen, in Kirchen, in Pflegeheime und Krankenhäuser, um dort anderen Menschen Mut zu machen und Hoffnung zu geben. Das Friedenslicht war vorher in der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem entzündet worden. In einem speziellen Behälter wurde es mit dem Flugzeug zunächst nach Österreich gebracht und von dort in mehrere Länder verteilt, in Deutschland über die Aussendungsfeiern wie in Xanten.

Da aber eine Kerze erlöschen kann, hatten die Pfadfinder das Friedenslicht auf mehreren Wegen an den Niederrhein geholt. Decker hatte es direkt in Münster abgeholt. Regine Luge vom Pfadfinderstamm St. Nikolaus in Rheurdt dagegen war am Dienstag zum Hauptbahnhof Duisburg gefahren, weil dort um kurz vor 13 Uhr ein Zug der Deutschen Bahn hielt, in dem ein weiterer Pfadfinder mit dem Friedenslicht saß. An dessen Flamme entzündete Luge ihre Kerze und machte sich auf den Weg nach Xanten, um das Licht weiterzutragen.

Die Aussendungsfeier für den Niederrhein wurde zu einer bewegenden Zeremonie. Der Dom war bis auf den letzten Platz gefüllt. Mehrere Pfadfinder standen vorn am Altar, sie hielten jeweils eine brennende Kerze in der Hand. Nacheinander nannten sie Beispiele für Situationen, in denen Menschen den Mut verlieren können. Zum Beispiel, wenn sich die Eltern scheiden lassen. Oder wenn jemand vor Krieg, Verfolgung oder Hunger flüchten muss.

Nach jedem Beispiel bliesen die Pfadfinder eine weitere Kerze aus, bis es dunkel wurde im Dom. Wo Egoismus, Terror, Gewalt und Streit seien, da herrsche Dunkelheit, sagte Weihbischof Rolf Lohmann. „Das habt Ihr gerade gezeigt, als die Kerzen ausgeblasen wurden. Wir hätten selbst hier im Dom fast keinen Ausweg gefunden, so dunkel war es.“ Doch dann brachte ein Mädchen das Friedenslicht herein. „Das Licht verschafft sich Raum, es kann die Dunkelheit erhellen“, sagte Lohmann und rief die Menschen im Dom dazu auf, anderen das Licht zum bringen – denen, die krank sind, die leiden, die hungern, frieren oder einfach den Mut verloren haben. „Seid das Licht der Welt.“

Anschließend trugen Hunderte Menschen brennende Kerzen und Windlichter nach Hause. Schützend hielten sie ihre Hände oder etwas anderes davor, um die Flamme vor dem Wind zu schützen. Unter ihnen war auch Katharina Lemkes, Pfadfinderin aus Wesel-Feldmark. Sie brachte das Friedenslicht in die Herz-Jesu-Kirche in ihrer Gemeinde, damit es sich andere für zuhause abholen können. Bei ihr daheim brennt ebenfalls eine Kerze mit der Flamme. „Dort steht das Friedenslicht bis in den Januar hinein“, erklärte sie, „weil es den Frieden ins neue Jahr bringt.“

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