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Xanten feiert runden Geburtstag - 1969 kamen Birten, Wardt und Marienbaum zur Stadt

1969 kamen Birten, Wardt und Marienbaum dazu : Xanten feiert runden Geburtstag

Vor 50 Jahren kamen Birten, Wardt und Marienbaum dazu. Die Stadt erinnerte mit einem Festakt daran.

Es ist mehr als 50 Jahre her, dass acht Männer mit ihren Unterschriften bestimmten, wie sich Xanten, Birten, Wardt und Marienbaum weiter entwickeln sollten. Stellvertretend für die Stadt und die drei Gemeinden unterschrieben sie 1968 einen Gebietsänderungsvertrag und eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung. Dadurch bildeten die vier Kommunen zunächst ab dem 1. Januar 1969 eine Verwaltungsgemeinschaft, zum 1. Juli 1969 wurden Birten, Marienbaum und Wardt dann in die Stadt Xanten eingegliedert.

An dieses Ereignis erinnerte die Stadt Xanten am Mittwochabend im Rathaus. Mit einem Festakt feierte sie den 50. Geburtstag von Xanten in seiner heutigen Form. Die Verwaltung hatte dafür Zeitzeugen, frühere Bürgermeister sowie Landrat Ansgar Müller und Vertreter von Vereinen, Parteien sowie Ortschaften eingeladen. Bürgermeister Thomas Görtz bedankte sich bei Alt-Bürgermeister Alfred Melters, der den Anstoß zu der Feier gegeben hatte. Ein maßgeblicher Gestalter der Stadt wurde schmerzlich vermisst: Heinz Trauten, der von 1970 bis 1999 Xantens Stadtdirektor war. Er starb 2017. „Ein großer Mann“, sagte Karlheinz Merissen, der viele Jahre mit Trauten zusammengearbeitet hatte.

Merissen war damals Kämmerer und Beigeordneter der Stadt Xanten gewesen, deshalb war er auch einer der acht Männer, die 1968 die Verträge unterschrieben. Ihnen sei bewusst gewesen, welche Chancen sich durch die kommunale Neugliederung ergeben würden, gerade für Xanten, sagte der 85-Jährige. Zwar habe die Stadt mehr Einwohner als die drei Gemeinden gehabt, schon seit 1228 die Stadtrechte besessen und sei durch ihre Vergangenheit überregional bekannt gewesen. „Aber was uns fehlte, war die Fläche“, sagte Merissen.

Xanten als Puzzle: Dieses Geschenk erhielt Bürgermeister Thomas Görtz von Birgit Düpont (l.), Leiterin des DRK-Familienzentrums „Hoppetosse“ in Vynen, und Fatma Aydin, Leiterin des Awo-Kindergartens in Xanten. Das Puzzle haben Kinder und Eltern angefertigt. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Wardt und Marienbaum waren dagegen flächenmäßig sogar größer als die Stadt gewesen, wie eine Karte von damals zeigt. In den beiden Gemeinden habe es deshalb Widerstand gegen die Eingemeindung gegeben, berichtete Görtz. In Marienbaum sei der Gebietsveränderungsvertrag vom Gemeinderat auch nur knapp angenommen worden: mit achtmal Ja gegen viermal Nein und zwei Enthaltungen. Und Wardts Bürgermeister Heinrich Gatermann habe wenig euphorisch vom „Damoklesschwert des Zwangszusammenschlusses“ gesprochen, als die Verträge unterschrieben wurden.

Tatsächlich blieb Marienbaum, Wardt und Birten damals wohl kaum eine Wahl: Nordrhein-Westfalen sortierte zwischen 1966 und 1974 die Gemeinden und Städte neu. Habe es vorher noch mehr als 2300 Kommunen in NRW gegeben, seien es anschließend nur noch knapp 400 gewesen, erklärte Görtz. So wurden Marienbaum, Wardt sowie Birten zu Ortschaften von Xanten. Aber sie durften ihren alten Namen unter Angabe der Zugehörigkeit zur Stadt weiterführen und bei lokalen Anlässen auch die bisherigen Hoheitszeichen wie Wappen und Fahnen weiterhin benutzen.

Die Karte von 1970 zeigt die Stadt Xanten mit den Ortsteilen Vynen, Marienbaum, Wardt und Birten nach der Gebietsreform. Die rote Linie umgibt das Stadtgebiet (ohne Lüttingen). Deutlich wird, wie die Fläche der Stadt Xanten durch die neuen Ortsteile wuchs. Foto: Stadt Xanten

„War die kommunale Eingliederung nun gut für alle beteiligten Ortschaften?“, fragte Landrat Müller am Mittwochabend. Zweifellos habe sich die Stadt Xanten in den vergangenen 50 Jahren „außerordentlich gut“ entwickelt. Und dennoch sei die Frage schwer zu beantworten, weil niemand wisse, wie die Geschichte ohne die Eingliederung verlaufen wäre. Heute würde eine kommunale Neugliederung vermutlich anders verlaufen und mehr Rücksicht auf das Identitätsgefühl der Bürger nehmen, sagte der Landrat und mahnte für die Zukunft einen „Ausgleich der Interessen zwischen Kernstadt und Ortschaften“ an. Deshalb wünsche er der Stadt, dass ihr ein „kluges Austarieren der Interessen“ auch in Zukunft gelingen möge.