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Xanten erwägt Förderprogramm für Umwandlung von Schottergärten in insektenfreundliche Vorgärten

Zuschuss für Bunt statt Grau : Xanten erwägt Förderprogramm für Blüh-Vorgärten

Die Politik und die Verwaltung in Xanten denken über ein Förderprogramm nach, um Hausbesitzern mit Schottergärten einen Anreiz zu geben, die Fläche vorm Gebäude zu bepflanzen. Die Grünen sind dagegen: Sie sehen darin eine falsche Belohnung.

Die Stadt Xanten zieht ein Förderprogramm in Erwägung, damit mehr Hausbesitzer durch einen finanziellen Anreiz dazu motiviert werden, ihren Schotter-Vorgarten in eine insektenfreundliche Grünfläche umzuwandeln. Allerdings will die Politik darüber erst in den nächsten Haushaltsberatungen entscheiden, ob sie dafür tatsächlich Geld ausgeben will. Das beschloss der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung. Aber es gab auch Gegenstimmen: Die Grünen sprachen sich gegen das Förderprogramm aus.

Den Anstoß hatte das Forum Xanten (Fox) mit einem Antrag gegeben. Die Wählergemeinschaft schlug vor, dass die Stadt insgesamt 10.000 Euro an zehn Bürger zahlt, „die ihren Schottergarten in einen insektenfreundlichen und naturnahen Garten umwandeln wollen“. Fox begründete den Antrag damit, dass es für neue Baugebiete schon ein Verbot von Schottergärten gebe, für ältere Wohngebiete aber nicht, und ein nachträgliches Verbot solle es auch nicht geben. Aber ein finanzieller Anreiz könne dazu führen, dass für Bürgerinnen und Bürger eine Umgestaltung von Schottergärten in insektenfreundliche Grünflächen attraktiver werde. So könne ein Mehrwert für Natur und Mensch entstehen.

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Die Verwaltung sprach sich dafür aus, den Antrag der Wählergemeinschaft „im Sinne der Ziele für Klimaschutz und Klimawandelanpassung in Teilen zu verfolgen“. Der Vorschlag passe zu den Überlegungen der Stadt, „zukünftig mehr Anreize und Motivationen für klimagerechtes Bauen und Wohnen zu schaffen“. In ihrer Stellungnahme schrieb die Verwaltung außerdem: „Im Vergleich zu versiegelten oder mit Schotter belegten Flächen, fördern begrünte Vorgärten die Artenvielfalt, senken Umgebungstemperaturen an Hitzetagen und speichern Wasser nach Starkregenereignissen.“ Begrünte Dächer und Fassaden übernähmen diese Funktionen ebenfalls. „Sie haben außerdem eine effektive Dämmwirkung und regulieren die Temperatur von Gebäuden auf natürliche Weise.“

In anderen Kommunen hätten sich solche Förderprogramme „als sehr wirksam erwiesen“, zum Beispiel in Wesel, Rheinberg und Kleve, erklärte die Verwaltung weiter und sprach von einer „lohnenswerten Investition“, wenn die Bürgerinnen und Bürger dazu motiviert würden, selbst in die Anpassung an den Klimawandel zu investieren, zumal die Folgekosten, die der Klimawandel hervorrufe, den kommunalen Haushalt langfristig belasten würden. „Aus diesem Grund wäre ein Förderprogramm für Klimaresilienz denkbar, mit dem Grundstückseigentümerinnen und Grundstückeigentümer eine Anschubfinanzierung für die Umgestaltung von Schottergärten sowie, über den Antrag hinausgehend, das Anlegen von Dach- und Fassadenbegrünungen erhalten könnten.“

Dafür sei aber ein Betrag erforderlich, der über die 10.000 Euro hinausgehe, die das Forum Xanten vorgeschlagen habe. Deshalb solle erst in den Haushaltsberatungen darüber entschieden werden, schlug die Verwaltung vor und gab zu Bedenken, „dass ein solches inhaltlich sicherlich zu begrüßendes Förderprogramm den Bemühungen zur weiteren Haushaltskonsolidierung zuwiderlaufen würde“. Sollte der Stadtrat im Frühjahr trotzdem zustimmen, werde die Verwaltung eine Förderrichtlinie erarbeiten.

Die Grünen kritisierten den Vorschlag. Sie seien gegen Schottergärten, aber genauso seien sie dagegen, dass jemand eine Prämie dafür bekomme, „dass er seinen Mist wegmacht“, sagte Rolf Peter Weichold im Planungsausschuss. Fehlverhalten solle nicht auch noch nachträglich belohnt werden, ergänzte Christiane Hilp. In der Bevölkerung entstehe sonst das Gefühl, dass jemand sogar noch Geld dafür bekomme, wenn er zunächst einen Schottergarten angelegt habe und daraus nachträglich eine Grünfläche mache.

Tanko Scholten (Fox) entgegnete, dass es nicht darum gehe, Fehlverhalten zu belohnen. Es gebe auch andere Förderprogramme, mit denen Menschen dazu motiviert würden, zum Beispiel ein Elektroauto anzuschaffen oder eine Solaranlage aufs Dach zu bauen. Mit Zuschüssen würden die Menschen vielmehr dafür belohnt, sich einer neuen Entwicklung anzuschließen.

(wer)