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Xanten entfernt Vogelnester zur Krähen-Vertreibung

DBX entfernt Vogelnester : Xanten beginnt mit Krähen-Vertreibung

An zwei Kindergärten, zwei Schulen und einem Spielplatz darf die Stadt die alten und neuen Nester der geschützten Vögel entfernen, damit die Tiere sich neue Nistplätze suchen. Unklar ist aber, wohin die Krähen dann ziehen werden.

Auf diesen Tag haben viele Xantener Einwohner jahrelang gewartet: Mitarbeiter des städtischen Dienstleistungsbetriebs (DBX) haben am Dienstag damit begonnen, Nester der Saatkrähen aus einzelnen Bäumen herauszunehmen und auch Äste zu entfernen, damit die Vögel an denselben Stellen nicht wieder bauen können. Im Februar und März werden die DBX-Mitarbeiter diese Standorte sogar täglich kontrollieren und neue Nester sofort entfernen, solange kein Ei darin liegt. Dadurch sollen die Krähen dazu gezwungen werden, sich andere Nistplätze zu suchen.

Dieser Tag hat eine lange Vorgeschichte: Vor einigen Jahren sind Saatkrähen vom Fürstenberg und anderen Standorten in die Innenstadt und später auch nach Wardt gezogen. Anwohner beklagen sich seitdem über Lärm und Kot. Die Stadt bemühe sich deshalb schon seit mehr als fünf Jahren darum, etwas gegen die Krähenplage zu unternehmen, wie Bürgermeister Thomas Görtz berichtete. Aber sie muss dafür erst beim Kreis Wesel eine Erlaubnis der Unteren Naturschutzbehörde einholen, weil die Saatkrähe geschützt ist, und bisher wurde eine Vertreibung der Vögel nicht genehmigt.

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„Die sogenannte Saatkrähe gehört zu den besonders geschützten Vogelarten, was das Gestatten von Vergrämungsmaßnahmen nahezu unmöglich macht“, erklärte Klaus Horstmann, zuständiger Fachdienstleiter des Kreises Wesel. Maßnahmen gegen die Saatkrähen seien nur erlaubt, „wenn ein begründetes öffentliches Interesse an einer Vergrämung das Vogelschutzinteresse überwiegt und es keine Alternativen zu diesen Maßnahmen gibt“. Autos und Terrassen voller Kot sowie die Vogelschreie seien generell hinzunehmen und zumutbar.

„Wenn jedoch Krähenkot und tote Vogelküken im Sandkasten eines Kindergartens landen oder der Lärmpegel so hoch wird, dass er den Lehr- und Prüfungsbetrieb an Schulen massiv stört, ist ein öffentliches Interesse begründet und ein sogenannter Ausnahmetatbestand erfüllt“, erklärte Horstmann weiter. Und an fünf Standorten in Xanten sieht seine Behörde die Voraussetzungen dafür erfüllt, eine Vergrämung der Vögel ausnahmsweise zu erlauben. Diese Standorte sind: am Placidahaus an der Klever Straße und am Domvorplatz, an der Marienschule am Domvorplatz, am Kindergarten St. Viktor an der Karthaus, am Kindergarten Pustekuchen am Fildersteg und am Spielplatz Wardt an der Straße Am Kerkend.

Diese Standorte waren vorher von dem ornithologischen Gutachter Carl Henning Loske im Auftrag der Stadt identifiziert worden. An ihnen überwiege das öffentliche Interesse den Schutz der Vögel, und die Stadt habe auch „rechtlich sauber begründet“, dass es keine Alternative zur Entfernung der Nester gebe, erklärte Xantens Technischer Dezernent Niklas Franke. „Denn wir können die Außenbereiche der Kindertagesstätten oder der Spielplätze nicht durch eine vollständige Überdachung schützen.“ Auch ein dauerhaftes Schließen der Schulfenster, um den Vogellärm zu reduzieren, sei nicht möglich. Zurzeit würden die Schulen damit sogar gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen.

Allerdings gilt die Genehmigung zunächst nur für drei Jahre und sie ist auf die fünf Standorte begrenzt: Dort darf die Stadt Xanten bis Mitte Februar Altnester und Äste entfernen, außerdem darf sie während der Brut- und Nistzeit bis Mitte April die Krähen daran hindern, Nester zu bauen – solange die Vögel keine Eier gelegt haben. An allen anderen Nistplätzen der Saatkrähen in Xanten sind dagegen keine Maßnahmen erlaubt. Dort müssten die Belästigungen durch die Tiere „leider weiter hingenommen werden“, sagten Franke und Christian Schmitz vom Bauhof. „Das EU-Recht ist da leider eindeutig.“ Der Verwaltung und dem Kreis Wesel seien die Hände gebunden. „So leid es uns tut.“

Es kann auch sein, dass einige Nistplätze hinzukommen: Wenn es in den nächsten Jahren gelingt, die Saatkrähen von den fünf Standorten zu vertreiben, werden sich die Vögel neue Bäume suchen, erklärte Fachmann Loske. Die Tiere ließen sich aber nicht lenken. Das sei schon mehrfach vergeblich versucht worden. Auch in Büderich sei es nicht gelungen, die Krähen gezielt umzusiedeln, ergänzte Horstmann. „Wir wissen nicht, wohin sie umziehen werden“, sagte Franke. Es könne sogar sein, dass sich die Vögel neue Standorte in Xanten suchen, „die wir gar nicht wollen“.

(wer)