Xanten: Die Willi-Fährmann-Gesamtschule setzt Hunde im Unterricht ein

Hunde an Xantener Schule : „Cora ist meine Seelentrösterin“

In der Willi-Fährmann-Gesamtschule werden seit diesem Jahr drei Hunde im Unterricht eingesetzt. Auf die Kinder wirken die Vierbeiner beruhigend – so sehr, dass selbst lähmende Prüfungsangst verschwinden kann.

Es ist still im Klassenzimmer im Obergeschoss der Willi-Fährmann-Gesamtschule. Konzentriert arbeiten die Schüler an ihren Computern. Informatik bei Lisa Gorissen steht an. Die Lehrerin, die außerdem katholische Religion und Niederländisch unterrichtet, geht mal zu dem einen, dann zu dem anderen Schüler, der eine Frage hat. Manchmal folgt Cora gemächlichen Schrittes ihrem Frauchen, lässt sich nur zu gerne von den Schülern streicheln. Zwischendurch liegt die Labrador-Dogge entspannt irgendwo im Klassenzimmer auf dem Teppich. Manchmal, so erzählt Lehrerin Gorissen, hört man sie auch leise schnarchen. Eine Leine braucht die Hündin nur, wenn Frauchen am Ende der Schulstunde mit ihr in die nächste Klasse geht.

Cora ist vier Jahre alt, ist vom Tierschutz aus Spanien geholt worden. Da war die Hündin zwei Jahre alt. Sie ist verliebt in den zehnjährigen Oskar, der Collie-Schäferhund von Dunja Schultheiß. Auch sie unterrichtet an der Gesamtschule; Informatik, evangelische Religion und Erdkunde sind ihre Fächer. Auch sie bringt ihren Hund zwei Mal in der Woche mit zur Schule, genau wie Gorissen. Die beiden Vierbeiner sind in einer Hundeschule in Dinslaken als Begleithunde ausgebildet worden, haben ihre Prüfungen mit Bravour abgelegt. Sie gehorchen aufs Wort, sind stress-resistent, können auch mit lauten Geräuschen und der Vielzahl von Stimmen umgehen, die nun einmal in einer Schule herrschen. Dritter im Hunde-Bunde ist Molly, der Schäferhund von Lehrerin Katharina Baumgärtner, der zurzeit als Therapiehund ausgebildet wird.

„Cora ist meine Seelentrösterin“, hat mal ein Mädchen gesagt. „Ich bin fröhlicher, seit die Hunde da sind“, bemerkte mal ein anderer Schüler. „Die Hunde beruhigen die Schüler, spenden Trost“, bestätigen Gorissen und Schultheiß, auf deren Initiative der Einsatz der Vierbeiner im Unterricht zurückgeht. Bei Schulleiter Frank Pieper liefen die Pädagoginnen mit ihrer Idee offene Türen ein, denn auch die Bezirksregierung hat in einem Rundschreiben an alle Schulen darauf hingewiesen, dass sie es begrüßt, wenn im Unterricht Hunde eingesetzt werden.

Die Schüler strahlen, wenn die Hunde zu ihnen kommen, lassen sich gern kurz ablenken, um dann weiterzuarbeiten. „Bei der mündlichen Englisch-Prüfung hat eine Schülerin aus der achten Klasse einen Blackout gehabt, wusste einfach nicht weiter, fing an zu weinen. Da ist Oskar zu ihr gegangen, sie hat ihn gestreichelt, sich dadurch langsam beruhigt – und plötzlich den roten Faden wiedergefunden“, erzählt Schultheiß. Sie berichtet auch von einigen Flüchtlingskindern, die anfangs große Angst vor den Hunden hatten und deren Eltern zunächst ablehnend auf den Einsatz der Vierbeiner reagierten. Die Kinder seien aber sehr schnell aufgetaut, längst würden sie auch manchmal auf dem Boden im Klassenraum liegen und mit den Hunden kuscheln.

„Es ist beruhigend, wenn die Hunde da sind. Man kann sich auch besser konzentrieren“, antwortet Nele, als die Lehrerin die Klasse fragt, was sie gut finden an dem Einsatz der Vierbeiner. „Dann muss man leise sein, weil sie viel stärker hören als wir“, sagt ein anderer Schüler und streichelt den Collie-Schäferhund, der gerade zu ihm gegangen ist. Jetzt will es Carsten Friesnegg, der Physik und Technik an der Gesamtschule unterrichtet und in seiner Klasse eine Vertretungsstunde gibt, aber genau wissen: „Warum nehmt ihr mehr Rücksicht auf die Hunde als auf uns Lehrer?“ Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Weil die viel netter sind. Und süßer.“