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Xanten: Der Totenkeller der evangelischen Kirchengemeinde

Raum der Stille in Xanten : Der Totenkeller der evangelischen Kirchengemeinde

Dieser Raum ist nicht alle Tage zugänglich: Die evangelische Kirchengemeinde Xanten-Mörmter hat ihren Totenkeller unter der Kirche am Markt in Xanten vorgestellt. Ein spannendes Erlebnis. Wir waren dabei.

Wenn der Volksmund von jemandem behauptet, er habe eine Leiche im Keller, ist die Rede von einem düsteren Geheimnis, dass der Betroffene auf keinen Fall preisgeben will. Die Evangelische Kirche in Xanten hat viele Leichen im Keller, ein Geheimnis macht sie daraus aber nicht. Im Gegenteil: Im Rahmen der „Nacht der offenen Kirchen“ öffnete Wolfgang Willnauer-Rosseck den Totenkeller unterhalb des Kirchenschiffs für Führungen.

„Das ist ein absolutes Highlight an diesem Abend, schließlich ist dieser Raum nicht alle Tage zugänglich“, erklärt der Pfarrer. Der Totenkeller ist kurz nach der Fertigstellung der Kirche im Jahre 1649 aus der Not heraus entstanden. „Xanten war damals fast komplett katholisch. Den Protestanten wurde es nicht mal erlaubt, ihre Toten auf einem katholischen Friedhof zu bestatten. Also beerdigte man sie unterhalb der Kirche.“ Diese Beerdigungen waren eine heutzutage geradezu befremdlich anmutende Angelegenheit, weiß Jürgen Rosen vom niederrheinischen Altertumsverein: „Die Särge der Toten wurden durch Löcher im Kirchboden in den Keller herabgelassen. Danach wurden diese Löcher mit Totenplatten verschlossen.“

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Wirklich passgenau schlossen diese Platten natürlich nicht. Mit verheerenden Folgen, denn aufgrund der geringen Mitgliederzahl war die Gemeindekasse ständig leer. Wichtige Renovierungsmaßnahmen konnten nicht durchgeführt werden, bis es am Ende durchs Kirchendach regnete. „Das Wasser sickerte in den Keller, vermischte sich mit den Leichengerüchen und stieg dann an warmen Sommertagen nach oben in den Kirchenraum. Den Leuten hat das gestunken, der Pfarrer musste etwas unternehmen“, so Rosen. Mit Geldern aus den Töpfen der Xantener Stiftsherren konnte das Dach schließlich repariert werden und der Gewölbekeller wurde um das Jahr 1800 zugemauert. Zeitgleich erlaubte den Protestanten ein Agreement mit der Katholischen Kirche die Nutzung deren Friedhofs. Die Totenruhe im Keller sollte 134 Jahre andauern, bis dann ein Raum für den Einbau der ersten Heizung benötigt wurde. „Man hat dort sehr viele Knochen gefunden, die wurden gereinigt und es wurde eine Grabstätte im Keller gemauert“, sagt Willnauer-Rosseck.

Mit Bänken an den Seiten ausgestattet ist dieser Totenkeller heute ein Ort der Stille. „Wir nutzen diesen spannenden Raum gelegentlich für Andachten oder andere Gelegenheiten. Der Sonntagsgottesdienst an Ostern zum Beispiel beginnt hier unten und wir gehen dann gemeinsam nach oben ans Licht“, erklärt Willnauer-Rosseck. Der Geistliche nutzt auch die Örtlichkeit, um Kindern und Jugendlichen der Gemeinde eine besondere Erfahrung zu vermitteln: „Wenn wir hier unten sitzen, wird ganz leise gesprochen, diese Stille fördert die Konzentration. Eine solche Qualität könnten wir mit einem Stuhlkreis im Gemeindehaus niemals erreichen.“