Xanten: Der Drache im Kurpark wird immer bunter

Xanten : Der Drache im Kurpark wird immer bunter

Bis zum Ferienende möchte Nicole Peters 100.000 Fliesenstücke verkleben. Ein Besuch auf der Kunstbaustelle an der Kriemhildmühle.

Bekannte Drachennamen wie Fafnir aus der nordischen Sagenwelt oder Atréju aus der „Unendlichen Geschichte“  sind von vornherein ausgeschlossen. Verniedlichungen mit der Endung „chen“ sowieso. „Das würde nicht zu ihm passen“, sagt Künstlerin Nicole Peters, während sie mit einem Spachtel eine weitere Ladung Kleber auf die rund zwölf Meter lange Figur aufstreicht. „Vielleicht Gordo. Zur Zeit aber nenne ich ihn noch liebevoll Dicker.“

Dicker – das ist im Kurpark hinter der Kriemhildmühle der künftige Kletterdrache, der seit Ferienbeginn dank vieler helfender Hände von Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen sein Farbenkleid erhält. Der sechs Meter lange Schwanz ist schon fast vollständig mit kleinen Fliesenstückchen übersät. Der Rücken mit den Drachenhöckern glüht in einem Flammrot, dann folgt nach unten hin ein schmales orangefarbenes Band, das in Blau, Grün und Gelb übergeht. Rund 80.000 bis 100.000 kleine Bruchstücke wollen bis zum Ferienende verklebt und verspachtelt sein. Schwimmbadfliesen, die Nicole Peters zuerst zerstückelt und dann in einem Betonmischer noch einmal „gehäckselt“ hat. Der Dicke wird also in Regenbogenfarben schillern, über das Outfit des Ungeheuers haben die Teilnehmer der vergangenen Woche demokratisch abgestimmt.

Neben dem Zelt legen gerade Mutter Astrid Meyer und Sohn Moritz ihr Fliesenlegerdiplom ab. Auf der Holzplatte sind große Kreise aufgezeichnet, die mit den Steinchen gefüllt werden müssen, am besten so, dass es außen keine sperrigen Ecken und innen keine großen Zwischenräume gibt. In dem Zelt hingegen wird gewuselt und gearbeitet, einige Eimer sind gefüllt mit Fliesenstückchen, Säcke mit Zement stapeln sich an der Seite. Jan, Aliah und Wotan arbeiten schon am Schwanz, suchen Stücke heraus oder putzen die Glasur mit einem Schwämmchen sauber. Kommen sie wieder? Keine Frage, es macht Spaß, mit den bunten Steinen zu arbeiten. Und alles bei guter Stimmung, ergänzt Wotan.

Dass die Gocherin mit ihrem Team den anvisierten Zeitplan für das Mosaikkleid bis Mitte August einhalten kann, hängt auch von den Freiwilligen ab, die sich in alter Kleidung bei ihr zur Mitarbeit melden. Kommen kann jeder. „Letzte Woche war schon richtig gut“, erinnert sich die Künstlerin. Allein am Freitag waren mehr als 20 tatendurstige Teilnehmer auf der Baustelle aufgeschlagen. „Es war eine tolle Stimmung, harmonisch und gemeinschaftlich“, schwärmt sie. Besonders Gruppen aus der offenen Ganztagsbetreuung eilen herbei, aber auch zum Beispiel eine Mutter aus Kleve, die mit ihren beiden Jungs und einem Mädchen zu Truffel und Spachtel griffen.

„Es ist kein reines Kinderprojekt“, betont Peters. Geklebt wird von 9 bis 16 Uhr mit einer Dreiviertelstunde Mittagspause dazwischen, in der alle, die länger bleiben möchten,  das mitgebrachte Essen verspeisen. „Außerdem schlachten wir eine Wassermelone.“

Eine Wohltat angesichts der Hitze draußen im Park. „Optimal wären etwa 23 Grad und zwischendurch auch mal ein bewölkter Himmel. Dann trocknet auch der Kleber nicht so schnell“, meint die Gocherin, die schon mehrfach ähnliche Projekte umgesetzt hat. „Mit 28 Grad kommen wir auch noch klar. Mal schauen, wie es wird, wenn wir erst 37 Grad haben.“ Gegen die Sonneneinstrahlung schützt nicht nur das Zelt, zur Südseite hin sorgen Planen zusätzlich für ein wenig Schatten.

Teilnehmer können direkt zur Kunstbaustelle an der Kriemhildmühle kommen. Kontakt: Telefon  0174 4621098 oder 02823 9760306, E-Mail atelier@nicole-peters.de. Die Teilnahme ist kostenlos.