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Xanten: Den Niederrhein mit einer Drohne wie ein Vogel sehen

Drohnenfotografie : Der Niederrhein aus der Vogelperspektive

Hans Glader ist für seine Tier- und Naturfotografien bekannt. Seit einiger Zeit entdeckt er die Region aus einem neuen Blickwinkel – und ermöglicht damit auch seinem Zuschauer eine neue Sicht auf seine Heimat.

Der Niederrhein, er kann so stimmungsvoll aussehen. Wenn am Morgen eine Nebeldecke über den Bäumen und Feldern liegt und am Horizont die Sonne aufgeht, oder später, am Abend, wenn die Landschaft und die Schemen der kleinen Städte in goldenes Licht getaucht werden. Hans Glader liebt diese besondere Atmosphäre und die Weite seiner zweiten Heimat, in der er, der gebürtige Kärntener, mit seiner Frau lebt. Seit etwa drei Jahren lernt der Naturfotograf die Schönheit des Niederrheins noch aus einer neuen Perspektive kennen – von oben. Weit vor Sonnenaufgang zieht er von seinem Zuhause in Isselburg-Werth mit seiner Drohne los, um diese besonderen Momente und Stimmungen aus der Vogelperspektive festzuhalten.

Das kleine Gerät wiegt nur 900 Gramm, besitzt einen integrierten Kamerasensor, mit dem Glader seine Luftaufnahmen macht. Trotzdem drückt er nicht einfach nur den Auslöser, sondern nimmt vom Boden aus auf seiner Fernsteuerung manuell Einstellungen für den richtigen Fokus und die Belichtung vor. Mit einem Teleobjektiv und aus einer Höhe von bis zu 100 Metern kann er deshalb große Landstriche festhalten. „Man muss schon umgehen können mit dem Fotoapparat“, betont er. Glader achtet dabei auch immer auf den künstlerischen Effekt seiner Aufnahmen, arbeitet viel mit Strukturen und Mustern wie Ackerflächen, Wegen, Waldstücken und der Veränderung der Vegetation durch die Jahreszeiten. „Die Bilder sollen immer ein Blickfang sein.“ Er sucht seine Umgebung auf Erkundungsflügen nach solchen Motiven ab. Beispielsweise hat es ihm die Auenlandschaft Bislicher Insel mit ihren fragmentartigen Landstrichen angetan, oder ein Baggersee in der Nähe seines Hauses, der ihm durch das türkisfarbene Wasser und die Sandinseln von oben plötzlich wie die Malediven vorkommt.

Drohnen bieten Fotografen einzigartige Möglichkeiten. Glader und seine Kollegen nennen sie liebevoll Kopter, schließlich werden Drohnen auch zur Kriegsführung eingesetzt, der Begriff sei somit negativ konnotiert und werde nicht der Schönheit gerecht, die sich dadurch festhalten ließe, sagt Glader. Seit 1975 veröffentlicht er Fotografien von Tieren, Pflanzen und Landschaften. Bereits Ende der 80er Jahre machte er gelegentlich auch Aufnahmen aus der Luft. Damals allerdings war das Ganze deutlich aufwendiger: Ein Freund, der einen Flugschein und Segelflieger besaß, trug ihn einige Male von Wesel aus in die Lüfte. Die entstandenen Aufnahmen reichten aber auch qualitativ nicht an die heutigen Möglichkeiten der digitalen Fotografie heran, erzählt Glader. Von einer großen, teuren und schweren Drohne, die er vor drei Jahren gebraucht von einem Kollegen erstand und die eher auf Videos ausgelegt war, wechselte er bald zur jetzigen Version. Die technische Entwicklung schreitet in diesem Bereich rasant voran. Ständig wird an Größe, Gewicht, Einfachheit gefeilt. So kann Glader sein kleines Fotografie-Fluggerät nunmehr auch mit auf Reisen nehmen. Neulich fotografierte er Mallorca mit seinen Olivenbäumen, Schafweiden und felsigen Gefilden, die Salinenfelder auf Lesbos mit ihren gelben Schwefelrändern, oder den Tagliamento in Italien, einen der letzten Wildflüsse der Alpen. Auch über Weihnachten und Neujahr, wenn es in die Heimat, nach Millstatt am See, geht, ist der Kopter mit dabei.

Eines macht Glader aber nicht: Er benutzt die Drohne nicht dazu, um Tiere von nah aus der Luft zu fotografieren. Seine Fotos von Greif- und Wasservögeln, Wald- und Feldtieren macht er, so wie er das kennt, auf der Pirsch mit einem camouflagefarbenen Schwimmtarnzelt über sich, auch wenn das mitunter etwas nass und ungemütlich werden kann. Doch so kommt er bis auf zwei Meter an die Tiere heran, ohne dass diese ihn bemerken. Drohnen seien für die Tiere dagegen ein unbekanntes Flugobjekt und würden sie aufschrecken. Das möchte Glader nicht, das gebiete ihm sein Respekt und die Achtung vor der Tierwelt, die auch durch seine langjährige Forschungsarbeit für die Biologische Station in Wesel entstanden ist. Im Frühjahr half er gerade wieder bei der Vogelkartierung mit. Über Naturschutzgebieten dürfen Drohnen ohne Ausnahmegenehmigung ohnehin nicht fliegen. Wahnsinnig aufregen könne er sich beispielsweise über Menschen, die ihre Drohnen dazu benutzten, den Flugverkehr zu beeinträchtigen und so Menschen zu gefährden. Er selbst behält seine Drohne deshalb immer im Auge, ist nie mehr als 400 Meter von ihr entfernt. Sonst könne es ja passieren, „dass ich nicht mehr weiß, wo ich gerade rumfliege“.

Seine Fotografien präsentiert Hans Glader regelmäßig auf Vorträgen. Dort kommen sie meist sehr gut an. Da kann es dann auch mal vorkommen, dass Glader von 150 Menschen stehenden Applaus erhält, auch wenn ihm das eher unangenehm ist und er da „ganz rot“ wird. Auch die Niederrheiner seien fasziniert und würden ihre Heimat ganz neu kennenlernen. Mittlerweile auch aus der Vogelperspektive.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Niederrhein aus der Vogelperspektive