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Xanten: Dealer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

Prozess wegen Drogenhandels : Dealer zu Haftstrafen verurteilt

Ein drogenabhängiger Xantener muss erneut für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Als die Staatsanwältin ihr Plädoyer hielt und sagte, welche Haftstrafen sie für die beiden Männer forderte, wurde es still auf der Anklagebank. Die Köpfe senkten sich, die Blicke waren starr nach unten gerichtet. Es schien, als würde den beiden Angeklagten erst jetzt, während die Familien im Zuschauerraum ihre Tränen nicht mehr zurückhalten konnten, klar, welche Konsequenzen ihre Taten haben könnten.

Ein 29-Jähriger aus Xanten und ein 21-Jähriger aus Rees mussten sich am Montag vor dem Amtsgericht Moers wegen Handelns mit Betäubungsmitteln verantworten. Beide waren bei einer Wohnungsdurchsuchung im Oktober 2018 bei einem Drogendeal überrascht und festgenommen worden.

Vor Gericht räumten sie die Taten weitgehend ein. Der Reeser soll den acht Jahre älteren Mitangeklagten im vergangenen Sommer mehrfach mit größeren Mengen an Marihuana, Amphetaminen und Extasy beliefert haben. Dieser wollte die Drogen weiterverkaufen – zumindest die Hälfte. Denn der 29-Jährige soll selbst sein bester Kunde gewesen sein und etwa die Hälfte der Rauschmittel konsumiert haben.

Der Xantener hat bereits eine bewegte Geschichte. Nachdem er in der Grundschule Ritalin-Tabletten erhalten habe, sei er auf der Hauptschule in Kontakt mit Alkohol, wenig später auch mit illegalen Substanzen gekommen, berichtete er. Zwei mehrjährige Haftstrafen, unter anderem wegen Drogenhandels, räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung, habe er schon abgesessen und auch zwei Entzüge angefangen, doch sei er rückfällig geworden, schilderte er weiter. Um die Sucht zu finanzieren, sei er kriminell geworden.

Dafür bekam er nun die Quittung, genau wie der zweite Angeklagte. Dieser behauptete zwar, vorher nie etwas mit Drogen zu tun gehabt zu haben. Das Gericht sah das aber als Schutzbehauptung an. Zu professionell sei das beim Reeser sichergestellte Lager mit Drogenresten, unzähligen Tütchen, zwei Geldzählmaschinen und Tresoren mit Bargeld gewesen. Zudem ging das Gericht davon aus, dass der 21-Jährige im Gegensatz zum Xantener nur aus Geldgier kriminell geworden ist und nicht, weil er eine Sucht finanzieren musste.

Beide Angeklagten müssen jeweils für vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Für den mehrfach vorbestraften Xantener hätte die Strafe noch höher ausfallen können; die Staatsanwaltschaft hatte neuneinhalb Jahre Haft gefordert. Aber es habe nicht bewiesen werden können, dass der Angeklagte die Drogen auch an Minderjährige verkauft habe, erklärte das Gericht. Der Xantener habe das Alter einer 16-Jährigen nicht gekannt. Richter Johannes Huismann gab dem 29-Jährigen mit auf den Weg, dass er in seinem Leben die Wende schaffen müsse: „Wenn Ihnen der Entzug nicht gelingt, werden Sie, da bin ich sicher, wieder kriminell.“