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Xanten: Christine Westermann stellt im Schützenhaus Buch über Abschiede vor

Christine Westermann im Schützenhaus : „Ich kann leicht loslassen – Dinge, manchmal auch Menschen“

Ein großartiger Abend im Schützenhaus: Die Journalistin Christine Westermann las aus ihrem Buch über das Abschiednehmen.

Die Frau hat gut reden: Wer so mit sich im Reinen scheint, das bisherige Leben prall gefüllt ist mit guten und vielleicht auch weniger guten Ereignissen und Erinnerungen, auch mit 70 Jahren noch genug zu erzählen hat, um weitere Bücher zu schreiben, der kann vermutlich gut Abschied nehmen. Das gab Christine Westermann auch offen zu: „Ich kann leicht loslassen – Dinge, manchmal auch Menschen“, bekannte die, wie man so schön sagt, „aus Funk und Fernsehen bekannte“ Moderatorin und Buchautorin, die seit Dienstagabend auch weiß, wo der Fürstenberg liegt. Und 250 Frauen und an zwei Händen abzuzählende Männer können fortan beteuern: „Die kenn’ ich – vom Schützenhaus in Xanten.“

Da hat die Kölnerin nämlich auf Einladung von Bruno Schmitz vom Kulturbüro Niederrhein als Veranstalter aus ihrem jüngsten Buch „Manchmal ist es federleicht“ gelesen. Ein Buch, in dem sie über Abschiede schreibt. Vom Leben, von Menschen, von Erwartungen an sich selbst, von Vorsätzen, Altlasten. Auch vom Jung-Sein, der Schönheit. Und davon, sie zu akzeptieren, die Spuren, die das Alter hinterlässt. Das Buch hat Westermann ihrem Vater gewidmet, der starb, als sie 13 Jahre alt war. Das sei ihr erster großer Abschied gewesen, ein Sturz ins Bodenlose, schreibt sie. Und auch, dass sie sich damals in einer emotionalen Dunkelkammer befunden habe.

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Die Frau, die zehn Jahre in San Francisco gelebt, mit Frank Plasberg „gefühlte 100 Jahre“ die aktuelle Stunde gemacht und mit „Götzi“ (Alsmann) 20 Jahre „Zimmer frei“ moderiert hat, fühlte sich sichtlich wohl auf der Bühne im Schützenhaus. „Es ist unglaublich schön hier. Ich will Ihnen wirklich keinen Honig um den Bart schmieren.“ Wer jetzt denke, dass sie das auf ihrer Lesereise überall sage, der habe recht. „Aber es stimmt nicht überall – hier wohl.“ Oft werde sie gefragt, ob sie etwas bereue und anders machen würde. „Überhaupt nicht“, beteuerte Westermann und beantwortete gleich die nächste (unausgesprochene) Frage: Ja, sie sei wirklich so dick wie im Fernsehen. „Aber gegen diese Lust zu essen und zu trinken kommt leider keine Diät an.“ Bei ihrer Beerdigung, da müsse auf jeden Fall genug zu essen da sein. Und zu trinken auch. Dazu Musik, Menschen, die feiern.

Und dann wurde es plötzlich mucksmäuschenstill im Saal. Als sie die Geschichte über Anne aus Amsterdam las, die sie beim traditionellen Weihnachtsessen bei Freunden auf Mallorca kennengelernt hatte und von der sie sich einige Jahre später schon wieder verabschieden musste. Anne, die den Tumor akzeptiert hatte, bereit war zu sterben. Für die jedes Jahr Weihnachten der Platz am Kopfende des Tisches frei gehalten wird. „Auch wenn etwas aufhört, ist es eben manchmal noch nicht zu Ende.“ Sprach’s und klappte das Buch zu. Großartig.