Xanten: Bundesschützenmeister Emil Vogt über das Bundesfest

Xanten : Schützen schützen

Der Bundesschützenmeister erklärt im großen RP-Gespräch unter anderem, warum auch im Jahr 2018 Schützenfeste noch so wichtig sind, warum es sich lohnt, vom 14. bis zum 16. September zum Bundesfest nach Xanten zu kommen und warum das Thema Sicherheit mittlerweile bei der NRW-Landesregierung liegt.

Vom 14. bis zum 16. September ist Xanten fest in Schützenhand. Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) feiert in der Domstadt sein 76. Bundesfest. Mehr als 15.000 Schützen werden von Freitag bis Sonntag erwartet. Wir haben vorab mit Emil Vogt über das Großereignis gesprochen. Der 63-Jährige ist der Bundesschützenmeister der BHDS.

Herr Vogt, Anfang September fand das Campfire in Düsseldorf statt, das Festival für Journalismus und digitale Zukunft. Bei einer Veranstaltung ging es um den Lokaljournalismus, um die Frage: „Brauchen wir noch Schützenfeste?“ Herr Vogt, was sagen Sie dazu?

Emil Vogt (63) ist Bundesschützenmeister. Foto: BHDS

Emil Vogt Ja, wir brauchen weiterhin die Schützenfeste der Historischen Schützen, deren Bruderschaften in vielen Kommunen mit das soziale Rückgrat bilden und sich aus der Tradition heraus sozial-caritativ engagieren. Allein seit 2012 haben unsere Mitglieder weit mehr als 15 Millionen Euro gespendet und schafften mit ihren freiwilligen Arbeitsstunden in den Gemeinden eine Wertschöpfung von 10,9 Millionen Euro.

Ich kann Sie beruhigen, meine Kollegen – Yannick Dillinger (Schwäbische Zeitung), Ralf Geisenhanslüke (Neue Osnabrücker Zeitung), Wolfram Kiwit (Ruhr Nachrichten), Benjamin Piel (Mindener Tageblatt) und Nicole Lange (Rheinische Post) – waren überwiegend der Meinung, ja, wir brauchen noch Schützenfeste. Aber für alle, die nichts mit „Glaube, Sitte, Heimat“ anfangen können, warum lohnt sich vom 14. bis zum 16. September trotzdem ein Blick nach Xanten?

Vogt Auch mit dem Bundesfest in Xanten können und wollen wir unsere Mitmenschen ein Stück in die Schützenfamilie mitnehmen. Schützen „schützen“, das ist unsre Tradition, und mit unserem Brauchtum möchten wir die Seelen, die Gemüter erreichen. Menschen sollen und wollen miteinander Geselligkeit sowie Freude erleben. Dieses Miteinander wollen wir mit den Mitmenschen genießen – mit Glaube, Sitte und Heimat.

Und Sie, wie sind Sie eigentlich Schütze geworden?

Vogt Mein Vater war im Vorstand meiner Heimat-Schützenbruderschaft tätig und so bin ich schon in jungen Jahren bei den Festzügen mitgegangen und mein Interesse wurde geweckt. Nach der Berufsausbildung stand für mich fest, Mitglied der Bruderschaft zu werden und mitzuarbeiten.

Welche Aufgaben haben Sie als Bundesschützenmeister?

Vogt Dem Bundesschützenmeister obliegt die Leitung des Verbandes. Er ist auf der Bundesebene der Vorsitzende des geschäftsführenden Bundesvorstandes. Mein großes Ziel ist es, das „Wir-Gefühl“ des Verbandes zu verstärken. Dazu ist es dann auch erforderlich, in den Bezirksverbänden und Bruderschaften vor Ort zu sein, um mit den Schützenschwestern und Schützenbrüdern ins Gespräch zu kommen. Also eine große Reisebereitschaft gehört zu diesem Amt schon dazu.

Xanten ist nach 2003 nun zum zweiten Mal Ausrichter des Bundesfestes, warum eigentlich?

Vogt Die St.-Victor-Bruderschaft in Xanten feiert in diesem Jahr ihr 625. Jubiläum und wollte dazu dieses Highlight „Bundesfest“ setzen. Dieses hohe Alter der „Victor’sse“ lässt sich übrigens mit einer schlichten Baurechnung aus dem Jahr 1393 nachweisen. In über sechs Jahrhunderten haben sich die „Victor’sse“ dank ihrer starken Gemeinschaft ungeheuer viel Respekt verdient. Bereits 1993 zu ihrem 600-jährigen Bestehen mit dem 38. Bundesköniginnentag, und 2003 zum 775-jährigen Stadtjubiläum mit dem Bundesfest hat die Bruderschaft Organisationstalent und Stehvermögen als Festausrichter gezeigt. Da ist die Ausrichtung des nunmehr 76. Bundesfestes nur die logische Folge.

Dennoch gab es diesmal auch Schwierigkeiten – Stichwort Standort, Stichwort Sicherheitskonzept.

Vogt Die tragischen Folgen der Loveparade-Veranstaltung von 2010 in Duisburg schweben noch in vielen Hinterköpfen, und die Verantwortlichen in den Kommunen fürchten schwer einzuschätzende Konsequenzen, zumal bis heute noch kein allgemein verbindliches Sicherheitskonzept festgelegt ist, und viele Punkte von der jeweilig individuellen Auslegung beeinflusst werden.

Apropos Sicherheitskonzept: Ich habe gehört, die Sache liegt nun beim Ministerium.

Vogt Es ist kein Geheimnis, dass der BHDS zusammen mit anderen Veranstaltern Gespräche mit der NRW-Landesregierung führt, die eben zu einem verbindlichen Konsens für alle Kommunen führen soll – und dabei möglichst auch zwischen gewerblichen und gemeinnützigen Veranstaltern, wie den Schützen, differenziert.

Am Samstag wird der Bundeskönig ermittelt, am Sonntag findet zu dessen Ehren der Große Festzug durch Xanten statt. Was macht der König denn nach dem Bundesfest, welche Aufgabe und Pflichten hat er?

Vogt Als Bundeskönig ist er Ehrenmitglied in diversen Gremien des BHDS und nimmt dort natürlich sein Stimm- und Rederecht wahr. Darüber hinaus wird er von möglichst vielen Bruderschaften in unseren sechs Diözesen Aachen, Essen, Köln, Münster, Paderborn und Trier – und davon gibt es immerhin knapp 1.300 Mitgliedsbruderschaften mit einer rund 400.000-köpfigen Schützenfamilie – eingeladen. Sie alle wollen mal bei ihrem Schützenfest auch einen Bundeskönig begrüßen und hoch leben lassen.

Apropos Parade: Auf welche Ehrengäste dürfen wir uns am Sonntag freuen?

Vogt Herausragender Ehrengast ist natürlich die aktuelle Schirmherrin Dr. Hubertine Underberg-Ruder. So wird eine weitere Tradition des Hauses Underberg fortgesetzt: Bereits 1993 war die Mutter Christine Underberg als bekannte Unternehmerin Schirmherrin des 38. Bundesköniginnentages.

Zum Bundesfest 2018 gibt es ein Festabzeichen, was hat es damit auf sich?

Vogt Wie bei jedem Bundesfest gibt es auch 2018 in Xanten wieder eines dieser hoch begehrten Festabzeichen. Es kostet vier Euro und zeigt den Tempel im Archäologischen Park Xanten sowie den Schutzpatron der Bruderschaft und des Domes, den heiligen Viktor vor dem Stadtwappen Xantens.

Was kostet das alles und wer trägt die Kosten?

Vogt Einerseits ist mir die Gesamtkalkulation des Festausrichters und auch bei uns jetzt noch nicht im Detail bekannt, anderseits möchte ich auch jetzt nicht zu sehr aus dem Nähkästchen plaudern. Lassen Sie mich nur mal eine Größenordnung nennen: Allein die Musikkosten für ein Bundesfest im Rheinland liegen weit über 25.000 Euro, denn durch den Karneval liegen die Honorare der Musikkapellen eindeutig im höheren Segment.