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Xanten: Bürgermeister Thomas Görtz spricht über seine Kandidatur und seine Kritiker

Interview mit Thomas Görtz : „Ich möchte erst wissen, wie die Mannschaft aussieht“

Thomas Görtz spricht über seine Wahl zum CDU-Bürgermeisterkandidaten und eine fehlende Unterschrift.

Herr Görtz, wie bewerten Sie das Ergebnis von Mittwochabend? Sie gewannen im ersten Wahlgang, aber Ihr Herausforderer Daniel Ingendahl erhielt 83 Stimmen.

Thomas Görtz Ich bin von einem knapperen Ergebnis ausgegangen und war positiv überrascht, dass es im ersten Wahlgang für eine absolute Mehrheit gereicht hat. Dennoch ist das Ergebnis ein Spiegelbild der schwierigen Situation in der CDU. Die 83 Stimmen sollten uns nachdenklich machen, wir sollten überlegen, wie wir die Mitglieder wieder zusammenbringen. Aber ich bin nur einfaches Parteimitglied und nicht Parteifunktionär. Das muss die Partei intern regeln. Man darf diese Mitglieder, die Herrn Ingendahl gewählt haben, nicht außen vor lassen. Sie sind Teil der CDU.

Sie haben direkt nach der Wahl gesagt, dass Sie mit diesem Vorstand nicht in den Wahlkampf ziehen wollen. Das ist kein Zusammenführen.

Görtz Man braucht ein Vertrauensverhältnis zwischen Spitzenkandidaten und Vorstand, um einen Wahlkampf bestreiten zu können. Die Mitglieder müssen deshalb die Frage beantworten: Welcher Vorstand soll die Kommunalwahl vorbereiten, die Kandidaten aufstellen und mit dem Bürgermeisterkandidaten in die Kommunalwahl gehen? Ich möchte das aber nicht öffentlich austragen. Das ist eine parteiinterne Angelegenheit.

Sie sagten, dass Sie die Zustimmungserklärung für den Wahlvorschlag erst unterschreiben, wenn klar ist, wie der neue Vorstand aussieht. Erpressen Sie die Partei?

Görtz Ich sehe das nicht als Erpressung, sondern als logische Schlussfolgerung aus dem, was wir vorher vorgeschlagen hatten: dass man erst den Vorstand wählt und dann den Bürgermeisterkandidaten. Dann hätte jeder gewusst, welcher Vorstand die Verantwortung für die nächsten zwei Jahre hat. Das hat man abgelehnt und eine andere Reihenfolge gewählt. Deshalb wissen wir jetzt nicht, wie der nächste Vorstand aussieht. Aber ich möchte schon erst wissen, wie dann die Mannschaft aussieht.

Wie werden Sie sich verhalten, wenn Tanko Scholten Vorsitzender bleibt?

Görtz Die Frage stellt sich erst am 18. Dezember. Ich möchte nicht an öffentlichen Debatten um den Parteivorsitzenden teilnehmen, weil das nicht mein Stil ist, schon gar nicht im Nachhinein, wenn man als Bürgermeisterkandidat gewonnen hat. Das soll die Partei beantworten, wer Vorsitzender wird und wie der übrige Vorstand künftig aussieht. Ich habe nach diesem Abend auch gesagt, dass wir zur Sacharbeit zurückkehren müssen.

War der Satz mit der Unterschrift ein Fehler?

Görtz Nein. Die Erlebnisse der vergangenen Wochen haben sich ein Ventil gesucht. Es ist auch menschlich, dass man sagt, was man in dieser Zeit erlebt hat. Und dass diese Erlebnisse mit der CDU und dem Parteivorstand zu tun haben, liegt auf der Hand. Aber der Satz ist kein Fehler, denn es ist eine klare Aussage. Ich glaube, dass die Menschen verstehen und nachvollziehen können, dass da jemand jetzt erst einmal Luft holen will und schaut, wie sich die Dinge entwickeln.

Sie haben von Drohungen und Erpressungen gegen sich berichtet. Wer hat Sie bedroht oder erpresst?

Görtz Das möchte ich öffentlich nicht sagen. Ich bin im geschlossenen Raum vor Zeugen CDU-intern von jemandem bedroht worden, und ich war nicht der einzige. Die Aussage war: „Wenn etwas passiert oder nicht passiert, dann passiert vielleicht das.“ Das muss man nicht haben.

Können Sie sich eine Zusammenarbeit mit allen in der Partei vorstellen?

Görtz Es gibt viele Beispiele in der Politik, dass es geht. Ich denke zum Beispiel an Markus Söder und Horst Seehofer, die wirklich nicht die besten Freunde sind. Sie haben sich parteiintern und öffentlich Scharmützel geliefert, aber dann eine professionelle Basis und eine Rollenverteilung gefunden: Der eine ist Ministerpräsident, der andere Bundesminister. Man hat sich arrangiert. Ich glaube, dass es geht, wenn beide eine professionelle Einstellung haben. An meinem Willen soll es nicht scheitern. Ich habe ein großes Interesse daran. Ich will dazu beitragen, dass es nicht weiter eskaliert.

Aber Sie haben in der Fraktion einige Kritiker.

Görtz Eine deutliche Mehrheit in der Fraktion unterstützt meine Politik. Es sind Einzelne, die mit mir ein Problem haben. Aber natürlich muss man sich damit beschäftigen. Ich will meine Kritiker auch nicht links liegen lassen, sondern einbinden. Aber das ist keine Einbahnstraße. Auf der anderen Seite ist auch die Bereitschaft erforderlich, wieder vernünftig miteinander umzugehen.

Was erwarten Sie?

Görtz Es gibt ein Beispiel. Im Zusammenhang mit dem Krematorium hatte ich einen inhaltlichen Streit mit dem Birtener Ratsmitglied Dietmar Leyendecker. Aber wir haben uns in der Sache gestritten und nachher zu einem vertraulichen Vier-Augen-Gespräch getroffen. Seitdem haben wir wieder eine hervorragende Arbeitsbasis und auch wieder ein persönliches Vertrauensverhältnis. Und so sollte es laufen. Meine Tür steht offen. Meine Hand reiche ich jedem, der sagt, ich bin gewillt, dass wir uns zusammensetzen und gewisse Dinge bereinigen. Wir müssen uns nicht lieben, aber zum Wohle der Bürger müssen wir vernünftig zusammenarbeiten.

Warum haben Sie dann nicht unterschrieben? Ist es ein Druckmittel?

Görtz Ich würde es nicht als Druckmittel bezeichnen, sondern als Bedenkzeit, weil ich damit zeigen will, dass ich nicht direkt zur Tagesordnung übergehen will. Ich will niemanden unter Druck setzen. Die Partei ist frei in ihrer Entscheidung.