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Xanten: Buchhandlung Librarium schließt nach Heiligabend 2021

Buchhandlung in Xanten schließt : Librarium schlägt sein letztes Kapitel auf

Seit rund 20 Jahren gibt es die Buchhandlung Librarium in Xanten, zehn Jahre lang hat sie Volker Muthmann geleitet. Nun schließt das Fachgeschäft. Heiligabend ist der letzte Tag. Der Buchhändler erklärt die Gründe.

Als Kind hat Volker Muthmann am liebsten von den Abenteuern des Geheimbunds in der Reihe „Die schwarze Sieben“ gelesen oder sich in den Geschichten von „Puh, der Bär“ vertieft. „Die Liebe zur Literatur entwickelt sich in der Kindheit“, sagt Muthmann, der am Samstag 65 Jahre alt wird. Die Liebe zur Literatur hat er sich immer bewahrt und wollte sie als Erwachsener sogar weitergeben und wachhalten. Seit 36 Jahren ist Muthmann selbständiger Buchhändler, seit zehn Jahren leitet er die Buchhandlung Librarium in Xanten. Er verkauft dort eine große Bandbreite an Kinder- und Jugendliteratur, ebenso wie an Romanen, Krimis, Sachbüchern und mehr. Doch Ende des Jahres ist Schluss damit. An Heiligabend öffnet das Librarium zum letzten Mal.

Die meisten Stammkunden wissen schon Bescheid. Jene, die sich Woche für Woche mit den neuesten Schmökern für die Abende eingedeckt haben, oder die, die gleich am nächsten Tag in der Fachhandlung aufgeschlagen sind, wenn die schreibenden Niederrhein-Originale Erwin Kohl oder Renate Wirth und Thomas Hesse wieder einen neuen Krimi herausgebracht haben. Inzwischen hat Muthmann auch bei Facebook die Kunde von der Schließung verbreitet. Die Reaktion: großes Bedauern. Schon wieder wird Xantens Innenstadt um ein Fachgeschäft ärmer. Und das Librarium war fast schon eine Institution.

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  • Volker Muthmann gehört die Buchhandlung Librarium.
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Seit rund 20 Jahren besteht die Buchhandlung an der Marsstraße 12 in der City. Zum 1. Januar 2012 hat Muthmann sie übernommen. Zuvor leitete er 26 Jahre lang eine Buchhandlung am Bahnhof in Neuss, stattete Reisende vornehmlich mit kurzweiligen Taschenbüchern aus. Als die Fläche anders genutzt werden sollte und der Mietvertrag auslief, war es ein Freund, der dem Buchhändler die Domstadt empfahl. „Ich war schon mal mit der Schule hier, habe wie jedes Schulkind mal den Archäologischen Park besucht“, erzählt Muthmann. „Aber so richtig kannte ich die Stadt nicht.“ Letztlich haben ihn das kleine, aber feine Geschäft mit einer „überschaubaren Verkaufsfläche“ von 84 Quadratmetern sowie das „stimmige Angebot“ der weiteren Gewerbetreibenden in der Innenstadt überzeugt.

Entsprechend sorgenvoll betrachtet der 65-Jährige die zuletzt gehäuften Schließungen in der City. „Es ist eine Entwicklung, die nicht zum Guten führt“, sagt er knapp. Was mit seinem Eckgeschäft nach der Schließung passieren wird, kann Muthmann nicht sagen. Die Nachricht, dass ein Spirituosen-Fachhandel dort eröffnen wolle, habe sich wieder zerschlagen. Auch er selbst habe lange nach einem Nachfolger für das Librarium gesucht. Vergeblich. „Das Geschäft ist womöglich zu klein, um es als Filialbetrieb zu nutzen. Und jemanden zu finden, der den ganzen Tag im Laden stehen will, ist nicht einfach“, erklärt der Buchhändler.

Muthmann hat es getan, war meist schon eine halbe Stunde vor der Öffnung vor Ort, um noch die nächtlichen Lieferungen einzuräumen, die Schaufenster mit den neuen Titeln zu bestücken oder nach interessanten Neuerscheinungen zu suchen, ehe die ersten Kunden reinkamen. Feierabend war – trotz der Unterstützung von Susanne Kappel, die halbtags im Laden arbeitet, sowie zweier Aushilfen – meist erst nach Ladenschluss. Und dann ging es noch mehr als 50 Kilometer per Auto nach Hause. Denn auch wenn das Librarium eine Xantener Institution ist, Volker Muthmann selbst kommt aus Oberhausen. „Die langen Fahrten waren mit ein Grund dafür, dass ich jetzt gesagt habe, es reicht“, so der 65-Jährige. Auch die beiden Jahre der Corona-Pandemie mit ihren immer wieder geänderten Verordnungen für Gewerbetreibende, mit ausbleibenden Kunden und viel Unsicherheit haben ihr Übriges getan. „Man trägt die Verantwortung – für ein Geschäft, für seine Mitarbeiter, irgendwann ist es einfach gut damit“, erklärt Muthmann.

Das könnten die meisten seiner Kunden auch verstehen, ergänzt der Buchhändler. Er freut sich jetzt darauf, „einiges im Freizeitbereich nachzuholen“: aufs Reisen, Radfahren, Haus und Garten, das Lesen aus Leidenschaft, nicht aus Geschäftsgründen. Und doch schwingt etwas Wehmut mit. „Es war eine schöne Zeit im Librarium, ich danke allen, die mich in dieser Zeit begleitet haben“, sagt er. Sogar die 55 Kilometer lange Strecke will er im Ruhestand hin und wieder nochmal angehen. „Ich komme zwar aus dem Ruhrgebiet, doch Xanten ist mir eine zweite Heimat geworden.“

(beaw)