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Xanten: Ausstellung zum Leben von Engelbert Humperdinck in der Stadt

Sonderausstellung in Xanten : Wo Humperdinck seine Inspiration fand

Einer der bekanntesten deutschen Komponisten hielt sich über Jahre immer wieder in Xanten auf. Im Siegfriedmuseum kann der Besucher mehr darüber erfahren. Zu sehen sind Fotos, Tagebucheinträge und mehr aus dem Leben von Engelbert Humperdinck.

Eine Sonderaustellung im Siegfriedmuseum widmet sich den Xantener Jahren von Engelbert Humperdinck. Dafür wurden Dokumente aus dem Nachlass der Familie des Komponisten aus dem Stadtarchiv Siegburg, aus verschiedenen Museen und aus Privatbesitz zusammengetragen. Weitere interessante Leihgaben stammen aus dem Fundus des Xantener Historikers Tim Michalak, der schon vor Jahren nach Spuren des Komponisten in der Stadt geforscht hatte. Anlass für die Sonderausstellung unter dem Titel „Humperdinck zwischen Märchenwald und Walküren“ ist der 100. Todestag des Komponisten in diesem Jahr.

Schon beim Eintreten in diesen Teil des Siegfriedmuseums wird der Blick auf ein großformatiges Holzobjekt gelenkt, das den Schattenriss einer Tanne und eines Hexenhäuschens zeigt. Selbstverständlich darf in einer Ausstellung über Engelbert Humperdinck dessen größter Erfolg nicht fehlen. Dieses Exponat aus der Märchenoper Hänsel und Gretel war schon an anderen historischen Wirkungsstätten Humperdincks zu sehen – als verbindendes Element: Mehrere Städte in NRW hatten sich zu dem Projekt Humperdinck21 zusammengeschlossen, um den Komponisten und dessen Werk zu würdigen.

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Die Idee stammt aus Siegburg und wurde unter Federführung des Leiters der Musikwerkstatt, Christian Ubber, vorangetrieben. Neben Humperdincks Geburtsstadt gehören Köln, Bonn, Nürmbrecht, Bayreuth und Xanten zu den Orten, die mit unterschiedlichen Veranstaltungen das Gedenkjahr füllen. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Förderung des Landes NRW.

Bei der Eröffnung der Sonderausstellung in Xanten dankte Museumsleiterin Anke Lyttwin allen Kooperationspartnern, Leihgebern und vor allem den vielen unsichtbaren Händen im Hintergrund – insbesondere Rainer Groß und dessen Verein, der innerhalb von drei Tagen für den Aufbau gesorgt hatte. Neben eigens entworfenen Informationsbannern sorgen Fotos, Dokumente, aber auch Ausstellungsstücke wie eine Bronzebüste Humperdincks, eine Kamera, wie der Komponist sie hatte, und weitere interessante Objekte für Abwechslung. Ein kleiner Film zum Leben des Musikers und Medienstationen mit ausgewählten Musikstücken runden die Ausstellung ab, die noch bis zum 16. Januar 2022 täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen ist.

Im Jahr 1877 war Engelberts Vater Gustav zum Direktor des gerade gegründeten Königlichen Preußischen Lehrerinnenseminars in Xanten bestellt worden. Von da an war der Sohn bis 1886 bei seiner Familie in Xanten gemeldet. Urkunden, Tagebucheinträge, Familienfotos, Gedichte, Tonfolgen sowie ein Auszug aus der politisch-satirischen Zeitschrift Kladderadatsch, in die es die allzu übertrieben beschriebene Silberhochzeitsfeier der Eltern Humperdincks geschafft hatte, machen einen Großteil der Ausstellung aus. Großformatige Banner bieten Hintergrundinformation zu den Exponaten. Eine Flasche Wein von der Sorte „Drachenblut“ gehört ebenfalls zur Ausstellung, da ein guter Tropfen Wein und ein schmackhaftes Bier auch zum Leben des Musikers gehörte, wie Lyttwin scherzhaft bemerkte. Dass der Komponist oft in das Hotel van Bebber einkehrte, sorgte bei der Eröffnung der Sonderausstellung für großes Interesse bei den überaus aufmerksamen Zuhörern. Noch heute erinnert im Hotel ein Foto von ihm an den besonderen Gast.

Es wäre aber seltsam, einen Komponisten zu würdigen, ohne sein musikalisches Werk zu präsentieren. Unter der Organisation von Heike Sauer von der Hochschule für Musik und Tanz Köln fanden bereits zwei Veranstaltungen an besonderen Orten statt. Ein weiterer Termin ist das Konzert am Samstag, 20. November im Dom St. Viktor. Dort wird unter anderem ein eher vergessenes Werk Humperdincks aufgeführt: „Die Wallfahrt nach Kevlaar“, eine Vertonung der Ballade von Heinrich Heine von 1827. Dazu sind in der Ausstellung Wachsmotive aus dem Marienwallfahrtsort zu sehen, die Heine in der Ballade beschreibt. Es handelt sich um Leihgaben des Niederrheinischen Museums für Volkskunde und Kulturgeschichte.

Mit der Ausstellung und einem Konzert im Xantener Dom kommt das Humperdinck-Jahr zum Abschluss. Das Siegfriedmuseum wird aber einige Exponate in die Dauerausstellung aufnehmen. Dabei wird der Schwerpunkt auf der Beziehung zwischen dem Komponisten und der Familie Wagner gelegt. Der Naturliebhaber Humperdinck hat in der Umgebung Xantens zahlreiche Wanderungen und Fahrradtouren unternommen, die ihn inspirierten und deren Eindrücke in seinen Tagebüchern detailliert festgehalten wurden. Daraus sollen Routenvorschläge entstehen, die im Frühjahr veröffentlicht werden. „In Xanten habe ich stillekes“, dieser vielfach zitierte Ausspruch des Musikers wird auf dieser Strecke gewiss für alle Humperdinck-Liebhaber gut nachempfindbar werden.

(hvh)