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Xanten: Aufgelöster Chor Liedertafel Orphea verteilt sein Vermögen

Männergesangsverein in Xanten : Aufgelöster Chor Liedertafel Orphea spendet Vereinsvermögen

Eine der ältesten Gesangsgruppen in Xanten ereilte das Aus, nachdem die Zahl der aktiven Mitglieder immer weiter zurückgegangen war.

Heinz Schweers (84) erinnert sich noch daran, wie er in die Liedertafel Orphea 1836 eintrat. Mehr als 35 Jahre ist das schon her. Damals habe der Chor noch um die 40 aktive Sänger gehabt, berichtet Schweers. Aber mit den Jahren sei diese Zahl nach und nach gesunken. „Wir haben alles versucht, um neue Mitglieder zu gewinnen“, sagt Reinhard Tilgner (74), der 2001 eintrat. Auf Flyern hätten sie für die Liedertafel geworben und Konzerte gegeben – es habe nicht geholfen. „Jüngere Menschen interessieren sich nicht mehr für das alte Liedgut“, glaubt Schweers. Ende 2017, als sie nur noch sechs aktive Mitglieder gewesen seien, hätten sie dann beschlossen, sich aufzulösen.

Dafür waren Formalitäten zu regeln, deshalb zog sich die rechtliche Liquidation des gemeinnützigen Vereins etwa eineinhalb Jahre hin, wie Schweers und Tilgner am Montag berichten. Nachdem die Auflösung aber geklärt ist, geht das Vereinsvermögen über rund 5700 Euro – so wie es in der Satzung stand – an die Stadt Xanten, und mit Absprache der letzten Mitglieder der Liedertafel setzt die Verwaltung das Geld für soziale und kulturelle Zwecke ein.

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Die Dom-Musikschule (DMX) erhält zum Beispiel rund 2000 Euro, um damit ein elektronisches Schlagzeug anzuschaffen. „Das bringt uns einen Schritt nach vorn, zum Wohl der Kinder“, sagt Jürgen Kappel, Vorsitzender der Dom-Musikschule. Etwa 40 Kinder und Erwachsene würden von ihm unterrichtet, sagt Schlagzeuglehrer Graham Sanders.

Weitere etwa 500 Euro des Vereinsvermögens der Liedertafel gehen an die Xantener Tafel, und diese wird damit das Weihnachtsessen für Bedürftige finanzieren, wie Bürgermeister Thomas Görtz sagte. Über die Verwendung des restlichen Betrages werde noch gesprochen.

„Wir freuen uns, dass das Geld sinnvoll invesiert wird“, sagt Tilgner. Zusammen mit Schweers erinnert er an die letzten Konzerte des Männergesangsvereins, beide schwärmen vom langjährigen Chorleiter Winfried Kocea, der 2018 starb. „Wir haben mit dem Chor tolle Jahre gehabt“, sagt Schweers. Auch ohne Liedertafel singen er und Tilgner noch, nun im Gemeinschaftschor Borth-Millingen.