1. NRW
  2. Städte
  3. Xanten

Xanten: Archäologen begleiten Baustellen am Dom und an der Bahnhofsstraße

Xanten : Die Jäger der Vergangenheit

Wenn bei Tiefbauarbeiten historische Funde nicht ausgeschlossen sind, werden Archäologen hinzugezogen. Sie sollen die Überreste für die Nachwelt sichern. Wie zum Beispiel die Firma Archbau derzeit rund um den Dom in Xanten.

Auf den Baustellen sind Archäologe Dieter Hupka, Grabungstechniker Thomas Maas und Grabungshelfer Kevin Spannekrebs nicht immer beliebte Zaungäste. Denn die drei können jederzeit die Arbeiten unterbrechen lassen und damit den Zeitplan und somit die Kostenkalkulation durcheinanderbringen. Aber der Denkmalschutz hat nun einmal auch die Aufgabe, unterirdische Funde zu bergen, zu bewerten und wissenschaftlich einzuordnen. Daher werden Unternehmen wie die Firma Archbau immer dann gerufen, wenn bei Tiefbauarbeiten geschichtliche Überreste vermutet werden. So wie derzeit bei der Anlage des barrierefreien Wegs inklusive Kanal um den Dom herum oder wie neuerdings in der Fußgängerzone auf der Bahnhofstraße. „Es ist immer einer da, denn man weiß ja nie, was einen erwartet“, betont Hupka.

Die Baggerarbeiten gefährden die Bodendenkmäler im Erdreich, „das heißt die Spuren, die frühere Bewohner Xantens in römischen und mittelalterlichen Siedlungsschichten, Fundamenten, Brunnen oder bei Bestattungen hinterlassen haben“, erläutert Maas. „Die Archäologen arbeiten quasi auf Verdacht und prüfen, ob und welche Funde zutage treten können.“ Sie haben ein waches Auge auf das, was die Baggerschaufel aus dem Boden herausholt, sind jederzeit bereit, die Arbeiten sofort zu unterbrechen oder sich den Aushub anzuschauen. Am liebsten würden die Männer alles sieben und ausschlämmen. „Aber das ist nicht immer möglich.“

Spektakuläre Funde erwartet sie nicht in den Böden der Immunität rund um den Dom. „Nach Schätzen sucht kein moderner Archäologe mehr, freut sich aber gleichwohl über interessante Entdeckungen“, sagt Hupka. Die Mühe lohne sich. Trotz der vielen Funde in den letzten 200 Jahren seien noch längst nicht alle Fragen gelöst, sei längst noch nicht alles geborgen. „Der Boden steckt voller Überraschungen. Zu den offenen Fragen gehört zum Beispiel, warum die heutige Stadt – anders als Köln – nicht an der römischen Stelle entstand, sondern nördlich davon. Hier spielen die Funde unter dem Dom und seiner Immunität eine wichtige Rolle.“

Da Steine wertvoll waren und umständlich von weit hergeholt werden mussten, nutzten die Menschen im Mittelalter das frühere Römerlager verstärkt als Steinbruch für ihr neues Zentrum an der heutigen Stelle. Bei den Ausschachtungen an der Nordseite des Doms fanden sich ein durch Brand zerstörtes Fragment einer römischen Säule, in der Nähe stießen die drei Männer auf dicke Ablagerungen aus Holzkohle, Lehm und Schlacke etwa aus dem 10. oder 11. Jahrhundert. So schließen sie Lücken in der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in früheren Untersuchungen der Stiftsanlage aus den 50er Jahren.

Für die Öffentlichkeit spektakulärer waren die Skelettreste gleich zu Beginn der Arbeiten am Dom (wir berichteten). Sie stammen vermutlich aus dem Spätmittelalter, 1400 bis 1600 nach Christus, da Grabbeigaben fehlen. Ein Hinweis darauf, dass diese Menschen nicht in der römischen Zeit gelebt haben, als sie mit diversen Gegenständen beerdigt wurden. Das war später nicht mehr der Fall. Für die Bahnhofstraße rechnet Hupka kaum noch mit historischen Überresten, da hier das Erdreich vor fünf Jahrzehnten schon einmal für einen Abwasserkanal ausgehoben worden ist.

Die Funde werden nach Bonn zum Landesmuseum gebracht, um noch einmal wissenschaftlich begutachtet zu werden. Die Knochen etwa können möglicherweise Hinweise auf Krankheiten geben. Vieles wird anschließend nach Xanten zurückkehren und im Stiftsmuseum gelagert. Die Knochen werden beerdigt. Vielleicht, hofft Hupka, werde demnächst das Interesse am Mittelalter wachsen, wenn der ebenerdige Weg zum Museum fertig sei. Dort sind auch die Schätze aus der Glanzzeit des niederrheinischen Kunstschaffens zu besichtigen, „wovon die Archäologie nur die Abfälle aufspürt.“ Sie belegen die herausragende Bedeutung der Kirche.