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Xanten: Archäologe räumt mit Klischees über Germanen auf

Vortrag im Xantener Römermuseum : Archäologe räumt mit Klischees über Germanen auf

Auf dem Fürstenberg in Xanten war vor 2000 Jahren eines der bedeutendsten römischen Legionslager. Trotz seiner Größe konnte es von den Batavern eingenommen werden – auch deshalb, weil ihre Reiter als Elite-Einheit galten, wie der Archäologe Boris Burandt im Xantener Römermuseum berichtete.

Der Archäologe Boris Burandt hat mit Klischees über die Germanen aufgeräumt, wonach sie grundsätzlich „Fell tragende, Keule schwingende Barbaren“ gewesen seien. In einem Vortrag über die Revolte der Bataver in den Jahren 69 und 70 nach Christus sprach er im LVR-Römermuseum in Xanten von einem „völlig schrägem Bild“, das auch durch Filme wie „Gladiator“ und Fernsehserien wie „Barbaren“ verbreitet worden sei. Dieses Bild passe aber nicht zu dem, was die Archäologen gefunden hätten, berichtete Burandt.

Demnach seien die Soldaten des westgermanischen Stammes damals ähnlich gut ausgerüstet gewesen wie die Römer. Auch deshalb hätten die Bataver die Legionäre mehrmals schlagen können, sogar in offenen Feldschlachten. Das wäre ihnen nicht gelungen, wenn sie nur einfach ausgerüstet gewesen wären. Dann hätten sie gegen die Römer nur Erfolg haben können, wenn sie sie in einen Hinterhalt gelockt hätten, so wie es den Cheruskern in der Varusschlacht gelungen sei. In einer offenen Feldschlacht hätten sie aber mit einer leichten Ausrüstung „so gut wie keine Chance“ gehabt.

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Soldaten der Bataver, die vorher als Hilfstruppen für Rom gekämpft hatten, erhoben sich im Jahr 69. In den folgenden Monaten belagerten sie das Legionslager Vetera auf dem Fürstenberg bei Xanten und zerstörten es später. Der Aufstand konnte von den Römern erst im Jahr 70 niedergeschlagen werden. Insgesamt seien dafür acht Legionen erforderlich gewesen, berichtete Burandt. Sein Vortrag unter dem Titel „Die Bataver-Revolte. Bewaffnung und Ausrüstung der aufeinandertreffenden Heere“ wurde vom LVR-Römermusum in Zusammenarbeit mit dem niederrheinischen Altertumsverein angeboten.

Nach dem jetzigen Forschungsstand habe es sich bei den Batavern um sehr gute Reiter gehandelt, die auch gut ausgestattet gewesen seien, berichtete Burandt weiter. Ihre Pferde hätten Sattel, Zaumzeug und Frontpanzer gehabt. Die Reiter hätten Hosen, langarmige Tuniken und bunte Mäntel getragen. Sie seien mit Schwert, Schild und vermutlich einer Stoßlanze bewaffnet gewesen. Zusätzlich hätten sie einen Helm mit einer Gesichtsmaske getragen, und dieser Helm sei mit Echthaar, wahrscheinlich Pferdehaar, beklebt worden. Dadurch habe der Helm wie ein realer Kopf ausgesehen – aber wie ein Kopf, der keine Emotionen zeige. „Die moderne Archäologie geht davon aus, dass diese Helme ein Charakteristikum der Bataver im ersten Jahrhundert nach Christus waren“, erklärte er.

Aus dem Publikum kam die Nachfrage, ob die Bataver die Helme überhaupt in Schlachten eingesetzt hätten, weil die Maske die Sicht eingeschränkt habe. Diese Frage sei in der Forschung umstritten, so Burandt. In anderen Gebieten seien in den Gräbern von Kavalleristen zwei Helme gefunden worden – einer mit und einer ohne Gesichtsmaske. Das könne ein Indiz dafür sein, dass zwischen Kampf- und Turnierhelmen unterschieden worden sei. Andererseits seien aus dem ersten Jahrhundert sehr viele Helme mit Gesichtsmaske gefunden worden – und nur wenige ohne Visier. Archäologische Tests hätten auch gezeigt, dass die Helme kampftauglich gewesen seien. Er gehe davon aus, dass sie in der Schlacht eingesetzt worden seien.

(wer)