Xanten: APX wird wieder zur Ausbildungsstätte

Xanten : APX wird wieder zur Ausbildungsstätte

Der Archäologische Park Xanten (APX) richtet wieder seine renommierte Lehrgrabung aus. 30 Studenten von 20 europäischen Universitäten erlernen dort das Grabungshandwerk.

Millimeterweise kratzt sich Elena Scricciolo in die Tiefe, Erdkrümel für Erdkrümel häuft sich an und kommt später in einen Eimer. Jeder Fund aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus wird gezeichnet, fotografiert, vermessen und notiert. Das ist das Besondere an der Internationalen Archäologischen Sommerakademie im Archäologischen Park Xanten (APX). Dort dürfen die Studenten nicht nur das Erdreich abtragen, sondern sie lernen das gesamte wissenschaftliche Repertoire kennen, was das Grabungshandwerk ausmacht.

„Die Studenten lernen alle wichtigen Techniken archäologischer Ausgrabungen kennen, auch die komplette Dokumentation, die ansonsten den erfahrenen und fertig ausgebildeten Ausgräbern vorbehalten ist“, erläutert auch Leiterin Tünde Kaszab-Olschewski. Die Akademie findet in zwei vierwöchigen Kampagnen statt, maßgeblich unterstützt durch die Regionale Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland (RVR).

Vor 30 Jahren kamen erstmals Studenten aus vielen Ländern in Xanten zusammen und legten jenes Areal mit frei, auf dem heute nach historischem Vorbild Handwerkerhäuser und die Römische Herberge stehen. Jetzt arbeitet der archäologische Nachwuchs aus Dänemark, England, Italien, Österreich, Polen, Deutschland und aus der Ukraine an weiteren Fundamenten des antiken Handelsbezirks. „Unser einzigartiges Angebot hat Xanten zu einer der international begehrtesten Ausgrabungsstätten für Studenten der Archäologie gemacht“, betont Ingo Martell, Pressesprecher des APX. Diesmal haben 70 Bewerber Interesse an einem der 30 freien Plätze angemeldet, in manchen Jahren lag die Zahl noch höher.

Wo keine Funde vermutet werden, darf an der Oberfläche zu Spitzhacke und Schaufel gegriffen werden. Aber schon nach 20 Zentimeter Humus fanden sich erste historische Funde. Dann ist Feinarbeit bis zu einer Tiefe von zwei Metern angesagt, damit kein Überrest übersehen wird. Die gefundenen Indizien geben Aufschluss über die an dieser Stelle praktizierten Gewerke. In diesem Ausgrabungsareal scheinen vor rund 2000 Jahren besonders Metallhandwerker ihren Berufen nachgegangen zu sein. Davon zeugen noch Schlacken- oder kleinteilige Bronzereste. „Sie können vor dem Schmelzen zerschlagen worden sein“, vermutet Tünde Kaszab-Olschewski.

Solche Ausgrabungen gehören zu den von den Universitäten geforderten Praktika-Nachweisen für ein Studium. Doch während anderswo die Studenten eher zu Hilfsarbeiten eingeteilt werden, kommen sie in Xanten in den Genuss, die Arbeit in der ganzen wissenschaftlichen Bandbreite kennenzulernen. Namhafte Fachleute geben darüber hinaus Kurse, unter anderem in Fundbestimmung, Vermessung, Knochenkunde, Archäobotanik und -zoologie. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass sie hier in Ruhe und ohne Zeitdruck arbeiten können. Der entsteht zum Beispiel auf einer Baustelle, wo der Bagger zufällig gerade Antikes freigelegt hat und ein Zeitplan eingehalten werden soll.

Um sieben Uhr ist Start im APX, „auch bei Hitze“, sagt Ingo Martell. „Ein Schonprogramm gibt es nicht.“ Viele Teilnehmer stehen noch am Anfang ihres Studiums, Elena Scricciolo dagegen gehört zu den fortgeschrittenen Semestern. Demnächst möchte die Römerin ihr Studium mit dem Master abschließen. Besonders angetan haben ihr jene römischen Reste in der Landschaft, die heute für das Auge eines Laien nicht mehr erkennbar im Boden versteckt sind. „Das schult das Sehen“, sagt sie nach einem Ausflug auf den Fürstenberg, wo die Römer einst von einem großen Lager aus die Grenze nach Germanien überwachten. Ihre Abschlussarbeit möchte sie über provinzialische Archäologie schreiben. Das Thema wäre Xanten wie auf den Leib geschnitten.

Vier Mal im Jahr können Besucher des Archäologischen Parks Ausgrabungen live verfolgen, sind die Bauzäune geöffnet und gibt es Erklärungen der Fachleute. Der nächste Termin ist am kommenden Wochenende. Am Samstag erklären die Studenten selbst ihre Arbeit, am Sonntag die Mitglieder des APX.

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