Xanten: Alexander Senk (31) wird Pfingstsonntag zum Priester geweiht

Priesterweihe : Vom Kampfsport zur Kirche

Alexander Senk (31) wird Pfingstsonntag zum Priester geweiht. Sein Diakonat hat der Folkfan und frühere Kampfsportler in der Xantener Propsteigemeinde St. Viktor gemacht.

Nervös, so sagt Alexander Senk, sei er nicht. Eher erwartungsvoll. Vermutlich werde er erst am Dienstag nach Pfingsten voll realisieren, was da passiert ist. Zwei Tage zuvor wird der 31-Jährige sein bislang größtes Lebensziel erreichen: Senk, der sein Praktikum und sein Diakonat in der Xantener Propsteigemeinde St. Viktor gemacht hat, wird am Sonntag, 9. Juni, im Paulus-Dom in Münster von Bischof Felix Genn zum Priester geweiht. Einen Tag später hält Senk seine Heimatprimiz, die erste Heilige Messe in seiner Heimatpfarrei Anna Katharina in Coesfeld. Ein Fest, das erst am Abend mit Klängen einer irischen Band zu Ende gehen wird. Eine Woche später feiert Senk dann Primiz in Xanten.

Musik liegt Senk im Blut. Im Chor war er, spielt seit seiner Jugend Orgel, verdiente sich während seines Studiums in Münster als Organist ein Taschengeld und liebt vor allem Irish Folk. Seine Stammkneipe ist das Piano in Münster. Das Klavier steht nur dort, ist längst unbespielbar, weil die Musiker es – unfreiwillig – immer mal wieder mit dem Inhalt umstürzender Biergläser „versorgt“ hatten. Dafür aber spielte am Abend des Gesprächs mit unserer Zeitung dort die Band Munster-Men – wie auch am Primizabend in Coesfeld.

Mit der Liebe zur irischen Volksmusik hat sich Senk bei einem Praxis-Semester auf der Grünen Insel während des Studiums der Sozialpädagogik an der Katholischen Hochschule NRW in Münster infiziert. Mit seinem Kaplan und seiner Familie hatte er beraten, es zunächst mit einem anderen Standbein zu versuchen, um sich ganz sicher zu werden, dass er ein besonderes Berufsverhältnis ohne Familie ansteuern könnte. In Irland arbeitete er dann mit Menschen mit besonderen Herausforderungen: ohne Arbeit, obdachlos, drogensüchtig. „Ohne mit ihnen in ihrem Leben einen inneren Sinn und Halt zu suchen, hilft auf Dauer nichts weiter“, sagt Senk überzeugt davon, dass Glaube, dass Kirche eine gewisse Art von Gotteserfahrung vermitteln kann, die weiterhilft. Für Senk gehört der „Job“ des Seelsorgers untrennbar mit dem des Sozialarbeiters zusammen.

„Ein Job?“ Senk lächelt. Das sei wie bei den Sozialen Medien: „Wenn Du die Sprache der Menschen nicht sprichst, redest Du an ihnen vorbei“, sagt er. Man müsse mit dieser Wahrheit auch in der Pastoral ohnehin offiziell leben lernen: „Die Zeit des Ausruhens ist vorbei. Die Zukunft ist ungewiss, vielleicht auch schmerzhaft, wenn wir uns von Gebäuden, gar Kirchen trennen müssen, aber es wird auch spannend, gemeinsam an einer Zukunft des Evangeliums zu arbeiten. An wichtigen Weichenstellungen kommen wir nicht vorbei, aber schon die Urkirche hat sich zum Gebet auch ohne großes Gotteshaus getroffen.“ Und: „Wenn auf einen Seelsorger 13.000 Seelen kommen, können wir das allein mit dem noch so wichtigen Einsatz Ehrenamtlicher schaffen.“ Die Ausgliederung der Verwaltungsarbeit mithilfe von Verwaltungsreferenten sei ein wichtiger Schritt „Ein Pfarrer ist kein Betriebswirtschaftler, sondern ein Mensch, dem Zeit gegeben werden müsse, seiner Profession folgen zu können. Bestärkt hat ihn dabei auch die Erfahrung mit dem jungen Seelsorge-Team in Xanten: „Enormer Einsatz, viele tolle Kinder- und Jugendgruppen mit sehr viel Potenzial, eine tolle Erfahrung mit allen Altersgruppen“, betont der frühere Kampfsportler. Ju-Jutsu, die weiche Verteidigung, hat er in seiner Jugend gelernt. Und Orgel konnte er nebenher auch spielen, meist abends im Dom zur Entspannung.

Die aktuelle kirchliche Situation habe weitere Herausforderungen, sagt Senk. Vieles, was in den vergangenen Jahren und Monaten bekannt geworden sei, sei weit von dem entfernt, was das Evangelium besage. Auch als „Berufener“ müsse man immer um den rechten Weg kämpfen. Vier Anwärter aus dem Bistum Münster und einer aus Essen erhalten rund um Pfingsten ihren bischöflichen Segen. Es gebe mehrere, die auf dem siebenjährigen Weg dorthin abgesprungen seien. „Irgendwann kommen immer Fragen. Sicherlich auch später. Aber: Die Entscheidung muss belastbar sein“, unterstreicht Senk.

Vor dem entscheidenden Tag gibt es noch eine Zeit, um zur Ruhe zu kommen – bei Exerzitien im Stanislauskolleg in Emmerich-Hochelten. Sein Messgewand hat Senk dann in der Abtei Königsmünster in Meschede abgeholt – ein Geschenk der Oma. Die neue Messschale gibt es von den Eltern, den Kelch hat eine ehemalige Lehrerin aus dem Nachlass eines Familienangehörigen weitergegeben. Der war in den 1950er Jahren Pfarrer. „Eine Art Ressourcen­schonung“, sagt Senk.

Und wenn dann Weihbischof Rolf Lohmann die „Utensilien“ gesalbt, die Pfingsttage und die Primiz in Xanten vorbei sind, geht es für Senk nach dem Urlaub und einer Trauung in Süd-Tirol nach Friesoythe ins Oldenburger Land, wo der früherer Xantener Bischof Wilfried Theising Offizial – also Weihbischof und Generalvikar des niedersächsischen Teils des Bistums ist.

Senk war bereits in der ersten Phase seines Theologiestudiums, vor fünf Jahren, in Münster zum obligatorischen Gemeinde-Praktikum. Als „Kofferkaplan“ wird er dort nun die Urlaubsvertretung während der Ferien übernehmen. Und dann? „Keine Ahnung, ich werde es erfahren“, sagt Senk. Mindestens sechs Jahre als Kaplan in der Seelsorge wünscht er sich. „Und dann sehen wir mal weiter.“

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