Xanten: 50 Jahre Gaststätte Verholen in Marienbaum

Xanten : Wirtin Hanni Verholen feiert 50-Jähriges

Eigentlich wollte Hanni Verholen nur ein Jahr eine Gaststätte in Marienbaum betreiben. Mittlerweile sind es 50 Jahre. Für diesen Freitag (3. August) lädt sie Familie, Freunde und Stammgäste zum Jubiläumsfest ein.

Als Hanni Verholen die ersten Gläser Bier zapfte, da bestimmte Bundeskanzler Kiesinger die Politik, stürmte Uwe Seeler in der Nationalelf und die ersten Menschen umkreisten den Mond. Ein halbes Jahrhundert ist das her. Vieles ist Geschichte, die Marienbaumerin aber steht nach wie vor hinter der Theke der Gaststätte Verholen an der Kalkarer Straße. Vor 50 Jahren hat sie die Gaststätte von ihrem verstorbenen Pächter übernommen. „Ich wollte es eigentlich nur ein Jahr lang machen“, sagt sie heute und schmunzelt. Fünf Jahrzehnte sind es bislang geworden.

Schneeweiße Bluse und Hose, dazu eine blaue Jacke bis zur Taille und eine großen Brosche am Revers, eine schicke, moderne Brille auf der Nase – die gebürtige Weselerin sieht nicht nur für den Termin mit der Redaktion wie aus dem Ei gepellt aus, sondern immer, wenn sie ihre Gäste bewirtet. Davon berichten auch die Erinnerungsfotos in dem Raum.

Zum Dank haben ihre Stammgäste schön gekränzt. Foto: Julia Lörcks

Der Schankraum ist noch eine Stube der alten Schule. Pokale stehen auf dem Regal über der Tür zum Gesellschaftszimmer, die Bestuhlung ist aus dunklem Holz, ein Spielautomat und die Dose eines Sparclubs hängen an der Wand. Alles strahlt die Atmosphäre von nostalgischer Gemütlichkeit aus. „Das ist mein Wohnzimmer“, sagt Verholen.

Nach dem Tod des Pächters sprang die gelernte Großhandelskauffrau und Frau eines Viehhändlers ein. „Es hat immer Spaß gemacht“, fasst sie zusammen. Früher meldeten sich noch viele Vereine an, um hier ihre Versammlungen abzuhalten. Das hat sich geändert, seitdem sie ihre eigenen Vereinsheime nutzen. Der Heimat- und Bürgerverein Marienbaum trifft sich aber weiterhin hier. Zu Altweiber ist „Verholen“ zudem Treffpunkt der Möhnen. Zuerst Kaffee und Kuchen, dann geht es durchs Dorf.

Auch die Garde der Viehhändler trifft sich einmal im Monat bei Verholen. Ansonsten kommen überwiegend Einzelgäste herein, „auch seit Jahrzehnten viele Pilger. Von ihnen habe ich auch einige Dankesbriefe. Die Arbeit hat sich sehr geändert“, sagt die Wirtin, die selbst keinen Alkohol trinkt, sondern lieber zur Apfelschorle greift.

50 Jahre hinter der Theke sind auch 50 Jahre Geschichten aus dem Dorf. Aber Verholen hält sich zurück mit dem, was sie erzählt. Eine Gastwirtin hört viel, muss aber verschwiegen sein. Aber dann erzählt sie doch schmunzelnd von jenem Gast, der jeden Tag pünktlich zur gleichen morgendlichen Zeit erschien und das gleiche Gedeck trank: immer eine Tasse Kakao, ein Eierlikör und eine Cola. „Wenn er kam, stand schon alles fertig nebeneinander auf der Theke bereit.“

Ans Aufhören denkt Verholen nicht. Wenn sie sich eines Tages dann doch aus dem Geschäft zurückzieht, wird mit dem „Verholen“ ein Stück Kneipenkultur verloren gehen. Ein Nachfolger in der Familie ist nicht in Sicht. Tochter und Enkel haben eigene berufliche Wege eingeschlagen. Aber jetzt will sie ihre Gäste noch so lange wie nur möglich bedienen, mit ihnen über Politik und Sport diskutieren, wie es seit eh und je in einer Gaststätte guter Brauch ist. Die Bewirtung sei eher ein Hobby, um die gesellschaftlichen Kontakte zu wahren, betont sie.

Am 3. August lädt sie ab 16 Uhr zum Jubiläumsfest mit Familie, Freunden und anderen Gästen ein: 50 Jahre Gaststätte Verholen – ein Grund zum Feiern, steht auf den Einladungen.

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