Wochenkommentar: Sonsbeck muss wieder zueinander finden

Kommentar zum Ratsbeschluss : Sonsbeck muss zurück zur Sachlichkeit

Die Diskussionen um den vom RVR geplanten Kooperationsstandort haben die Gemeinde Sonsbeck in zwei Lager geteilt. Das war vermeidbar, Fehler müssen sich aber alle Beteiligten ankreiden lassen. Nun sind Besonnenheit und eine sachliche Gesprächskultur gefragt.

Selten hat die Gemeinde Sonsbeck so eine Aufregung erlebt wie in den vergangenen Wochen. Die vom Regionalverband Ruhr geplante Ansiedlung eines Kooperationsstandorts für Großbetriebe an der Alpener Straße spaltete das sonst so beschauliche Dorf offensichtlich in zwei Lager.

Auf der einen Seite die Befürworter, die argumentieren, durch diese Ansiedlung sichere man die zukünftige Weiterentwicklung der Gemeinde in Sachen Gewerbe, Wohnen und Finanzen – mit mehr Chancen als Risiken. Auf der anderen Seite die Gegner, die ländliche Strukturen im Niedergang, nicht beherrschbare Verkehrsströme auf sich zukommen und überhaupt den Dorffrieden in Gefahr sehen. Dass in dieser Diskussion divergente Meinungen vertreten werden, ist völlig legitim und in einer demokratischen Gesellschaft auch erstrebenswert. Doch wie so oft liegt auch hier die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.

Und so haben sich in den vergangenen Wochen beide Lager nicht mit Ruhm bekleckert. Dass die Gemeindeverwaltung den Kooperationsstandort als Verhandlungsmasse nutzt, um dem RVR mehr Wohn- und lokale Gewerbeflächen abzuringen, ist ebenso unseriös wie die Schwarzmalerei der Gegner, die Bilder von folgenschweren Horrorszenarien malen und von Zwangsenteignung sprechen, obwohl Kommune wie Bürgerschaft noch genügend Möglichkeiten zum steuernden Eingriff in den Planungsprozess bleiben.

So ist festzuhalten, dass auf allen Seiten Fehler gemacht wurden. Die Verwaltung hat es verpasst, die Bürger frühzeitig ins Boot zu holen und Anregungen der Einwohner in ihre Planungen einfließen zu lassen. Der Politik muss angelastet werden, dass sie die Sorgen ihrer Wähler zu spät ernst genommen und offensichtlich die Tragweite der Angelegenheit unterschätzt hat. Zudem gibt es ein schlechtes Bild ab, wenn ein einzelnes Ratsmitglied kurz vor der Abstimmung aus allen Wolken fällt, dass die zu treffende Entscheidung für den RVR nicht bindend ist. Und die Projektgegner müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie deutlich früher gegen die Pläne hätten mobil machen können. Auf den letzten Metern die Debatte emotional aufzuladen, um Anhänger für die eigene Position zu gewinnen, ist unredlich.

Der beschlossene Kompromiss muss nun für alle die Basis dafür sein, wieder ins Gespräch zu kommen. Denn der RVR wird einen wie auch immer gearteten Entschluss fassen, der neue Herausforderungen mit sich bringt. Und denen kann und sollte man nur gemeinsam entgegen treten.

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