Xanten: Wird Xanten zur essbaren Stadt?

Xanten : Wird Xanten zur essbaren Stadt?

Eine Poesie-Insel im Grünen, dampfende Solequellen und tanzende Senioren an Rosenumrankten Stadtmauern. Was sich wie ein Zitat aus einem Märchen anhört, soll schon bald das Bild der Xantener Wallanlagen prägen. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Umwelt stellte das Dortmunder Landschaftsarchitekturbüro Müller und Tegtmeier sein Konzept vor. "Die Bürgerbeteiligung am 20. Mai war sehr gut. Über hundert Teilnehmer haben Vorschläge, Karteikarten und zum Teil ganze Konzepte eingereicht, aber auch außerhalb dieses Forums wurden sehr viele Ideen und Wünsche an uns herangetragen", erklärte Marita Tegtmeier.

An erster Stelle der Begehrlichkeiten steht die Schaffung von Sportmöglichkeiten. Der Xantener Bürger möchte grenzenlos um die Stadt joggen, walken oder wandern können. Und das möglichst in Ruhe, weshalb eine Schallschutzbepflanzung an der B 57 auf ebenso vielen Wunschzetteln vermerkt wurde wie die Errichtung von Sanitäranlagen. Den Stadtvätern gaben die Bürger zudem den Hinweis auf den Weg, den Pflegeaspekt im Auge zu behalten. Keine Steuererhöhungen für den Kurpark, stattdessen auf Nachhaltigkeit setzen, lautete eine Forderung. Sprichwörtlich jeden Stein umdrehen wollen die Landschaftsarchitekten dafür aber nicht. "Die Wallanlagen bestimmen ganz stark das Erscheinungsbild ihrer Stadt, wir wollen das behutsam unter Berücksichtigung des kulturellen Erbes und des Denkmalschutzes entwickeln", so Marita Tegtmeier.

Dafür hat das Kreativteam den vier unterschiedlichen Wallabschnitten Themen zugeordnet. Bewegung, Aktion, Sport, Spiel und "Weite" lauten diese beispielsweise für den Ostwall. Ein Vitamingarten, ein Schmetterlingsgarten, dazu Sitzecken und Aussichtsräume und das alles geschützt von einer einen Meter hohen Hecke zur Bundesstraße sollen hier entstehen. Eher ruhig und gesund soll es demnächst am Südwall zugehen. Kontemplation (Beschaulichkeit) lautet das Motto, das mit einem Gradierwerk in der Mitte in die Tat umgesetzt werden soll. In einer solchen Anlage wird der Salzgehalt im Wasser erhöht, welches dann auf natürliche Weise verdunstet. "Die Soleschale in der Mitte verbreitet mit ihrem Wassernebel eine mystische Stimmung und sorgt dafür, dass die Kurgäste salzhaltige Luft inhalieren können", begründet Tegtmeier den Entwurf. Passend dazu soll der Südwall mit Rosen bepflanzt werden.

Begegnung beim gemeinsamen Gärtnern ist das Thema am Westwall, das Generationen zusammen führen soll. Tegtmeier: "Wir stellen uns vor, dass Xanten zur essbaren Stadt wird. Das Projekt stammt aus Andernach und ist dort sehr erfolgreich." Obst- und Kräutergärten gemeinsam bewirtschaften, Hochbeete anlegen und zwischendurch einen Tango auf der integrierten Tanzfläche tanzen oder eine Partie Mühle an den Outdoor-Spieltischen genießen, so soll sich das Leben im Westwall künftig abspielen. Spiel, Freizeit und Wahrnehmung stehen hingegen am Nordwall im Zentrum der Planungen. Neben einem Drachenspielplatz und einem Picknickbereich gilt das Interesse den Nutzinsekten. Im Ausschuss stieß das vorgestellte Projekt auf breite Zustimmung. Detlev Achterberg (SPD) wollte wissen, ob weiterhin bei Veranstaltungen auf dem Gelände des Ostwalls geparkt werden darf. Bürgermeister Görtz: "Nein, wir werden aus unserem Kurpark keinen Parkplatz machen. Zirkus- oder Karnevalszelte werden dort künftig auch nicht mehr stehen."

(erko)
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