Wird der "Nasse Limes" in Xanten Weltkulturerbe? Entscheidung spätestens 2021

Xanten: Xantens mögliches Weltkulturerbe

Spätestens 2021 wird entschieden, ob der „Nasse Limes“ Welterbe wird. Teile römischer Reste in Xanten würden dazu zählen.

Auf der einen Seite wilde Natur, Wölfe und Bären, tiefe Wälder, niedergermanische Dörfer oder Hofschaften. Auf der anderen Seite römisches Leben, Zivilisation mit all ihren Annehmlichkeiten und militärische Disziplin. Dazwischen als Demarkationslinie der Rhein. Über Jahrhunderte hinweg stellte der Strom als Fortsetzung der Limes-Befestigungen im südlichen Deutschland die natürliche Grenze dar.

Eventuell wird in einigen Jahren dieser rheinische Teil in den Katalog der Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen. Der Antrag wird derzeit geprüft; entschieden, so schätzt Matthias Müller, Leiter des Archäologischen Parks Xanten (APX), wird vermutlich 2020/2021. Als Archäologe hofft er auf einen positiven Ausgang, denn für die Region „wäre es eine Riesenaufwertung“. Ähnlich äußert sich Steve Bödecker vom Landesamt für Bodendenkmalpflege des LVR. Es ist für die römischen Überreste außerhalb des APX zuständig. Der Limes-Projektleiter verspricht sich für die Region eine deutliche Aufwertung, wie es beim obergermanischen-rätischen Limes, der schon unter Schutz steht, der Fall war. „Das hatte einen großen positiven Effekt“, sagt er, „vor allem bei der Bevölkerung vor Ort.“ Aber auch der sanfte Tourismus durch Radwanderer habe zugenommen. Ähnliches erhofft er sich fürs Rheinland.

Im Süden Deutschlands schützten Holzpalisaden und Gräben Roms Territorium vor den Germanen. Weiter nördlich übernahm der Rhein diese Funktion auf natürliche Weise. Allerdings errichteten die Römer in Abständen ihre Wehrtürme und Lager, die dann stetig wuchsen, wie in Xanten die Colonia Ulpia Traiana. Das europaweit größte Lager entstand auf dem Fürstenberg in Birten. Trotz aller Differenzen gab es zwischen Germanen und Römern aber regen Kontakt. Rom war um Frieden bemüht: „Diplomatie spielte eine ganz große Rolle. Gewalt war nur die letzte Maßnahme“, sagt Müller.

Auf die Aufnahme in den Welterbe-Katalog
Auf die Aufnahme in den Welterbe-Katalog hofft auch Dr. Martin Müller, Leiter des Archäologischen Parks Xanten. Foto: Fischer, Armin (arfi)/Fischer, Armin (afi)
  • Neuss : Niedergermanischer Limes auf Unesco-Vorschlagsliste

Selbst wenn die Unesco den 385 Kilometer langen „Nassen Limes“ zwischen Bad Breisig bis Katwijk in den Niederlanden zum Weltkulturerbe erklären sollte, würde dies nur für die militärischen Überreste der römischen Funde gelten. Dazu zählen Befestigungen und Hafenanlagen. „Das ist nicht immer leicht zu trennen“, bekennt der APX-Leiter. Wo endete die militärische Nutzung auf, wo fing die zivile an? Selbst im weitläufigen APX wären nur einige Teile betroffen. Dazu gehört die Limesstraße, die quer durch die Colonia verlief, „damals eine Art Autobahn für die Soldaten“, so Müller. Die Befestigung Tricensimae innerhalb des Parks mit eigenen Mauern, ursprünglich 400 mal 400 Meter groß mit vier Meter dicken Mauern und 48 Türmen, wäre Weltkulturerbe – das Birtener Lager hingegen nicht.

Nach der Entscheidung beginnt die pädagogische Arbeit. „Wir müssen uns überlegen, wie wir das Thema unseren Besuchern näherbringen“, erläutert Archäologe Müller. Vermutlich erhalten Teile der Limesstraße und des Kastells ein Schutzdach gegen Witterungseinflüsse, ein Querschnitt könnte den Aufbau der Lagermauer zeigen. Dazu könnte eine Ausstellung im Hafengebiet und ein Limes-Zentrum kommen, das über den Limes in seiner ganzen Länge informiert. An anderen Anlaufstationen bis zur Grenze könnten Infotafeln über die römische Vergangenheit berichten.