1. NRW
  2. Städte
  3. Xanten

Sonsbeck: "Wir haben mehr Ratten als Einwohner"

Sonsbeck : "Wir haben mehr Ratten als Einwohner"

Ein Anwohner beobachtet, dass die kleinen Nager immer wieder aus dem Kanalschacht an der Hochstraße/Marktstraße krabbeln. Noch in dieser Woche soll es hier eine Begehung mit dem Ordnungsamt geben.

Da mag man gar nicht drüber nachdenken: "In Sonsbeck haben wir mehr Ratten als Einwohner", hat mal ein Kunde gesagt, als Edith Thissen noch hinter der Theke in ihrer damaligen Bäckerei an der Hochstraße/Ecke Marktstraße stand. "Das trifft auf jede Stadt und Gemeinde zu", bestätigt Hans-Jörg Giesen vom Fachbereich Ordnung und Soziales. Wenig tröstlich.

Aber auch wenn das zutrifft: Wilfried Hübers, der erst vor einem Jahr nach Sonsbeck gezogen ist, mag schon nicht mehr die Fenster in seiner Erdgeschoss-Wohnung öffnen, will an der Hochstraße/Marktstraße Ratten beobachtet haben, die aus dem Kanalschacht kommen. Sogar auf der Fensterbank vor dem Zimmer seines Stiefsohnes habe schon eine gesessen. Der 23-Jährige bestätigt das, will selber erst vor Kurzem wieder zwei Ratten ausgemacht haben.

"Die haben den ganzen Keller voll", glaubt Wilfried Hübers und zeigt auf ein Haus in seiner Nachbarschaft: "Da laufen die 'rein." Erst vor ein paar Tagen habe er dort wieder eine tote Ratte im Kellerloch liegen sehen. Mehrfach hat der 53-Jährige bei der Gemeinde angerufen. Und die hätte ihm vor einigen Tagen auch einen Kammerjäger geschickt. "Der stand plötzlich vor der Haustür, unangemeldet, mit einem Eimer in der Hand, in dem er die Giftköder hatte." Er habe den Mann rausgeschmissen: "Ich habe hier einen Hund, der natürlich sofort an dem Eimer schnuppern wollte."

"Der Mann", das ist ein Mitarbeiter der Firma SPS aus Kempen, mit der die Gemeinde seit vielen Jahren zusammenarbeitet. "In jedem Kanalisationsnetz sitzen Ratten. Und es ist Aufgabe der Kommune, sie zu bekämpfen, um zu verhindern, dass sich Seuchen ausbreiten", so Giesen. Zwei Mal jährlich legt die Firma Köder in den Kanalschächten aus. "Daran nagen die Ratten und sterben", sagt Hans-Jörg Giesen. Einmal in der Woche holt sich ein Mitarbeiter von SPS im Rathaus die Liste ab, auf der Namen von Bürgern notiert sind, die bei der Gemeinde Rattengift bestell haben. "Fünf bis zehn Adressen sind das pro Woche, an die die Firma das Gift liefert und auslegt." Im Herbst sind es vor allem Landwirte, die nach Ködern verlangen. Denn im Oktober und November, wenn die Felder abgeerntet und die Ratten keine Nahrung mehr finden, machen sie sich auf den Weg Richtung Wohnbereich und Stallungen.

Erst letzte Woche war der Fachbereichsleiter noch an der Markt- und Hochstraße, hat sich auch beim Nachbarn von Wilfried Hübers erkundigt, ob er ähnliche Beobachtungen gemacht habe. Klar, hin und wieder sehe man mal eine Ratte, wenn die aus dem Kanal kommt, habe der geantwortet.

Auch Edith Thissen, die etwas weiter die Marktstraße 'runter wohnt, sieht die Sache gelassen "Die sind hier doch schon vor 40 Jahren langgelaufen". Giesen: "Wenn es tatsächlich so wäre, dass hier vermehrt Ratten sind, hätten sich sicher schon mehr Bürger beschwert."

In dieser Woche soll eine Begehung stattfinden, an der Besitzer des Hauses, das Ordnungsamt und Mitarbeiter der Firma SPS teilnehmen. Die war eigentlich schon für letzten Mittwoch geplant - da kam der Brand im Haus Schöneck in Labbeck dazwischen.

(jas)