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Willi-Fährmann-Gesamtschule: Dicke Luft zwischen Xanten und Sonsbeck

Zukunft der Gesamtschule : Dicke Luft zwischen Xanten und Sonsbeck

Die Gemeinde Sonsbeck möchte mit der Stadt Xanten über die Zukunft der gemeinsamen Gesamtschule sprechen. Es geht um viel Geld.

Zwischen Sonsbeck und Xanten hängt der Haussegen schief. Der Grund ist die Gesamtschule. Noch ist sie eine gemeinsame Schule der beiden Kommunen. Aber der Standort in Sonsbeck ist im vergangenen Sommer geschlossen worden, seitdem werden die Schüler nur noch in Xanten unterrichtet. Jedoch müssen die Gebäude dort saniert werden, die Schätzungen reichen von 11 bis 28 Millionen Euro, und nach jetzigem Stand werden die Kosten auf beide Kommunen – entsprechend der Schülerzahl – aufgeteilt. Gleichzeitig soll in Sonsbeck eine neue weiterführende Schule eröffnen: Im Sommer will dort eine private Realschule starten. Vor diesem Hintergrund möchte die Gemeinde mit Xanten über die Gesamtschule sprechen – und nun herrscht dicke Luft. Das sind die Positionen der Beteiligten:

Xanten Bürgermeister Thomas Görtz hat nach eigenen Angaben zufällig Mitte der vergangenen Woche von Sonsbecks Redebedarf erfahren – als er auf der Internetseite der Gemeinde die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung studiert habe. Genauso wie Olaf Finke (SPD) beklagte er deshalb, dass der Nachbar die Stadt nicht darüber informiert habe, dass dadurch auch der Fortbestand des gemeinsamen Schulverbandes infrage gestellt werde. Bei einer Besprechung von Vertretern beider Kommunen Mitte vergangener Woche sei von Xantener Seite deshalb Tacheles gesprochen worden. Auch von seinen Sonsbecker SPD-Freunden habe er vorher keinen Hinweis bekommen, sagte Finke und beschwerte sich über die mangelhafte Kommunikation. „Man lässt einen Partner nicht ins offene Messer laufen.“

In Xanten gibt es aber auch Verständnis für Sonsbecks Redebedarf. Hintergrund ist, dass auch das Gymnasium saniert werden muss, hier reichen die Schätzungen von 14 bis 29 Millionen Euro, und dafür sind die Planungen schon einen Schritt weiter: Der Rat beauftragte die Verwaltung am Dienstag damit, die Kosten und eine mögliche Finanzierung zu konkretisieren. Damit werde Sonsbeck die Pistole auf die Brust gesetzt, sagte Petra Strenk (FOX): Wenn die Planungen für die eine Schule – das Gymnasium – vorangetrieben würden, müsse das bei der anderen – der Gesamtschule – auch gemacht werden. Also bleibe Sonsbeck kaum eine Wahl, als der Millionen-Investition zuzustimmen: „So gehen Partner nicht gemeinsam um.“ Görtz widersprach. Es gehe nur um konkretere Planungen fürs Gymnasium, damit sei noch keine Entscheidung gefallen. Er erinnerte an die fehlende Information durch Sonsbeck: „Wer geht hier mit wem nicht partnerschaftlich um?“

Sonsbeck Im Gemeinderat haben CDU, SPD, Grüne und Bürger in Sonsbeck (BiS) am Dienstag beschlossen, dass Bürgermeister Heiko Schmidt mit Xanten Verhandlungen über die Zukunft der Gesamtschule aufnehmen soll. Die FDP hatte einen eigenen Antrag eingebracht. Demnach sollten die Gespräche darauf beschränkt werden, „die finanziellen Belange des Gesamtschulzweckverbandes neu zu ordnen“ – mit dem Ziel einer gerechteren Kostenverteilung. Die Gemeinde müsse in der Verantwortung für die Schüler aus Sonsbeck auf der Gesamtschule bleiben, erklärten die Liberalen. CDU, SPD, Grüne und BiS fassten den Auftrag an Schmidt umfassender: „Die vier Fraktionen sind der Meinung, dass Handlungsbedarf besteht“, sagte CDU-Fraktionschef Josef Elsemann. „Wir sollten dem Bürgermeister freie Hand geben, mit Xanten in alle Richtungen zu verhandeln.“

Die Gesamtschule sei mit zwei Unterrichtsstandorten gegründet worden, heißt es im Antrag der vier Fraktionen. Mit dem Wegfall des Sonsbecker Standortes sei eine wesentliche Voraussetzung für den Fortbestand als gemeinsame Schule entfallen. Manfred Hegmann (BiS) bescheinigte der ehemaligen Schulleiterin Regina Schneider, bei der Errichtung der Gesamtschule vor acht Jahren „Optimales auf den Weg gebracht“ zu haben. Aber die Gemeinde dürfe nicht Zahlmeister der Nation werden. „Ich sehe uns weiter als Partner im Zweckverband“, sagte Schmidt. „Aber wir dürfen uns nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen.“ Xanten und Sonsbeck müssten über die Gesamtschule reden, auch über die Finanzen.