Sonsbeck: Wieder zu Hause

Sonsbeck: Wieder zu Hause

Sie lebten in München und in Nürnberg. Auch ein Auslandsjahr in Mexiko war dabei. Vor vier Jahren kehrten Alexandra und Sascha Schwillo nach Sonsbeck zurück. Für die 35-Jährige ist es eine Rückkehr in ihre Heimat.

Der Blick schweift hinaus auf die weiten Felder vor der Siedlung. Ein paar Häuser nebenan kündigt eine Wäscheleine mit Babykleidung von frischem Nachwuchs. Die Mitte des Wendehammers am Ende der Straße ziert eine Pumpe. "Wir haben im Kornfeld eine tolle Nachbarschaft", freuen sich Alexandra und Sascha Schwillo.

Und die hat sogar eine eigene WhatsApp-Gruppe - tatsächlich für alle Fälle vom plötzlich ausgegangenen Bier bis zum dringend benötigten Kurzzeit-Babysitter. Wohlfühl-Wohnen sozusagen. Seit gut drei Jahren wohnen Alexandra und Sascha Schwillo dort draußen in Sonsbeck. Den Schritt an den Niederrhein hat das Paar nie bereut, auch wenn es gemeinsam viele Jahre in Süddeutschland und selbst in Mexiko verbracht hat.

Für Alexandra Schwillo ist es eine Wiederkehr. In Sonsbeck ist sie groß geworden. Mit Pfadfindern, Landjugend. Die Großeltern und Eltern stammen von hier. Heimat- und Verkehrsverein (HVV) und Feuerwehr sind für die heute 35-Jährige nie Fremdworte gewesen. Klar auch: Wichern-Grundschule und Stiftsgymnasium bildeten den "Schul-Weg".

Nach einer Dualen Ausbildung im Siemens-Handywerk in Kamp-Lintfort und der FOM-Hochschule für Oekonomie und Management in Essen darf sie sich Industriekauffrau nennen und hat den Bachelor International Management in der Tasche.

Siemens in Kamp-Lintfort, das sei eine tolle Zeit mit vielen Freunden gewesen, denken sie und ihr Mann Sascha plötzlich gemeinsam laut nach. Denn genau dort sind sie sich über den Weg gelaufen. Der gebürtige Bonner (47) hatte nach der Höheren Handelsschule an der Zweigstelle Bocholt der Fachhochschule Gelsenkirchen studiert, war dann als Diplom-Betriebswirt beim Gigaset-Mobilfunkwerk in Bocholt und später in Kamp-Lintfort gelandet. Von dort ging es nach München und Nürnberg. Immer gemeinsam. Und auch Siemens hielten sie die Treue, seit 2007 als Ehepaar. Den Antrag hatte Sascha Schwillo in Paris gemacht.

Und dann... Alexandra Schwillo verlässt das heimische Wohnzimmer und kehrt mit einem Riesensombrero zurück. 2008/09 ging es nach Mexiko. Ihr Mann Sascha war inzwischen in der Transformatoren-Sparte gelandet, und in Guanajuato gibt es ein Trafowerk primär für die Stromversorgung im amerikanischen und südamerikanischen Raum. Ein Jahr Auslandserfahrung - da sagt man nicht Nein.

Plötzlich liegt ein Fotoalbum auf dem Tisch. Bilder von vielen farbigen Häusern und unendlich vielen Kirchen, 2000 Meter hoch, in der Sierra Madre gelegenen alten Silberminenstadt, die zum Unesco Weltkulturerbe gehört.

Alexandra und Sascha Schwillo erzählen von sturzbachartigen Regenfällen, von der für den Straßenverkehr vollkommen "unterhöhlten" Stadt, in der sie in einem Privathaus unterkommen konnten. Ein Erlebnis, dass sie bis heute fesselt.

Ein echter Sonsbecker aber bleibt, egal wo er ist, offensichtlich immer ein Sonsbecker. Und als die Gemeinde 2011 die Baugrundstücke am Rand der Ortschaft verkaufte, griffen die Schwillos zu. 2013 wurde gebaut, 2014 eingezogen. Sascha Schwillo arbeitet inzwischen als strategischer Einkäufer beim Industrie- und Windgetriebe-Hersteller Flender in Voerde - einer Siemens-Tochter. Und Alexandra ist in Mülheim beschäftigt - klar, bei Siemens. Das heißt, derzeit nicht. Sohn Lukas ist um Juni des vergangenen Jahres geboren.

Die Familie ist hier ganz und gar zuhause. Sascha Schwillo, der den Ort in den Jahren zuvor schon lieben gelernt hatte und über die Schwiegereltern inzwischen im Vorstand des HVV gelandet ist, lobt wie seine Frau die Infrastruktur mit allen notwendigen Geschäften, die verkehrsstrategisch günstige Lage an der A 57 und das überaus rege Vereinsleben, in dem Ehrenamt groß geschrieben wird. Auch beim Tennisclub. Dem TC Sonsbeck gehört Alexandra Schwillo seit 1992 an. Und klar - auch sie ist im Vorstand.

Sie ist gemeinsam mit Mann und Sohn wieder da. In einem Ort mit einer Schweiz und einem Menschenschlag, den sie lieben und verstehen.

Dem Sonsbecker SV halten beide die Daumen. Im Schrank hängen aber auch Schals von Bayern München und Werder Bremen. Und: Auch Essen gehen könne man in Sonsbeck, sagen sei - mexikanisch muss es ohnehin nicht sein.

Vor allem auch: "Hier kennt und grüßt jeder jeden", sagt Alexandra Schwillo. Das hat allerdings auch andere Folgen: "Einfach mal sonntags Brötchen einkaufen gehen, das geht in Sonsbeck nicht. Jeder hat irgendwas zu erzählen, das dauert dann eben..."

(RP)