Weihnachtscircus Xanten: Wie aus Tolino ein Clown wird

Weihnachtscircus Xanten: Wie aus Tonito ein Clown wird

Jonny Cassselly jr. und seine Artisten gewährten einen Blick hinter die Kulissen des Weihnachtscircus. Bei einem Frühstück unter anderem für RP-Leser sprachen sie über Lampenfieber, Schule für Zirkuskinder und schlechte Laune.

Beinahe täglich stehen sie in der Manege und bringen das Publikum zum Lachen, versetzen es in Erstaunen oder lassen es den Atem anhalten. Für ein paar Stunden holen sie ihre Zuschauer aus dem Alltag und entführen sie in eine Welt voller Freude und Fantasie. Aber wie sind sie eigentlich geworden, was sie sind: Artisten?

Jonny Casselly jr. und seine Mitarbeiter gaben darauf eine Antwort. Bei einem Frühstück beantworteten sie Fragen ihrer Zuschauer. Es war eine exklusive Runde: Die Plätze dafür waren verlost worden, unter anderem von der Rheinischen Post. Bei Brötchen und Kaffee sprachen die Artisten darüber, wie sie zum Zirkus gekommen sind und wie sie sich auf ihre Vorstellungen vorbereiten. Wir dokumentieren einige Fragen und Antworten.

Sind Sie vor einem Auftritt noch aufgeregt? „Lampenfieber ist ein Muss“, sagt Clown Tonito Alexis. „Wenn man nicht mehr aufgeregt ist, nimmt man seinen Job nicht mehr ernst und sollte die Show sein lassen.“ Denn als Clown trage er eine Verantwortung: Sein Publikum wolle unterhalten werden, er dürfe aber niemanden mit seinen Scherzen verletzen oder beleidigen. „Es darf kein Witz unter die Gürtellinie gehen und es darf kein Witz zu viel sein.“ Anfang Januar werde er noch etwas aufgeregter sein als sonst, erzählt Tonito Alexis: Seine Eltern hätten sich angekündigt und wollten eine Vorstellung besuchen. „Sie sind ja nicht nur meine Eltern, sondern auch meine Lehrer.“ Sein Vater ist ebenfalls ein Clown.

Ist es anstrengend, immer lustig zu sein? Für ihn nicht, versichert Clown Tonito Alexis. „Ich denke immer daran, die Leute glücklich zu machen, etwas anderes möchte ich nicht machen.“ Wenn er in die Manege gehe, stelle er sich vor, dass unter seinen Zuschauern auch einige Menschen seien, die einen schweren Tag gehabt hätten und aufgemuntert werden wollten. „Dann möchte ich es schaffen, dass sie ihren grauen Alltag vergessen.“

Haben Sie auch einmal einen schlechten Tag? „Natürlich!“, sagt Tonito Alexis energisch. Schließlich sei auch er nur ein Mensch. „Also habe ich auch mal schlechte Laune.“ Aber an solchen Tagen wende er einen Trick an: „Ich habe eine magische Kiste in der Garderobe, und vor einer Vorstellung packe ich alle schlechten Erlebnisse in diese Kiste“, berichtet der 26-Jährige. Diese Kiste lasse er in der Garderobe und damit auch die schlechte Laune, bevor er das Zirkuszelt betrete. „Und wenn ich in die Manege komme, und das Publikum freut sich, dann kann ich sowieso nur gute Laune haben.“

Haben die Menschen schon einmal nicht über Sie gelacht? „Bis jetzt nur in meinen Albträumen“, verrät Clown Tonito Alexis. „Meistens weiß ich, worüber die Menschen lachen.“ Manchmal lachten sie während seines Auftritts aber auch an Stellen, an denen er es nicht erwartet habe. „Und es kann sein, dass ein Witz in der Vorstellung am Mittag funktioniert, am Abend aber nicht.“ Humor lasse sich eben nicht planen. Sein Auftritt lebe deshalb von seiner Spontanität. Die nötige Erfahrung, um auf sein Publikum jederzeit eingehen zu können, hat er: Seit 23 Jahren tritt er als Clown auf – hier in Deutschland, aber auch in anderen Ländern.

Wie sind Sie zum Zirkus gekommen? Als er drei Jahre alt gewesen sei, habe sein Vater ihn zum ersten Mal mit in die Manege genommen, erzählt Tonito Alexis. „Die Leute haben getobt, ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.“ Seitdem trete er auf. Zur Schule sei er trotzdem gegangen - zum Zirkus Krone, für den sein Vater damals arbeitete, hätten Lehrer gehört, die die Kinder unterrichtet hätten. Von 8 bis 13 Uhr habe er Unterricht gehabt, ab 14 Uhr im Zirkus gearbeitet, zwischen 18.30 und 20 Uhr die Hausaufgaben gemacht und zu Abend gegessen, bevor die Abendvorstellung begonnen habe, an der er mit einer Ausnahmegenehmigung trotz seines jungen Alters habe mitmachen dürfen. Um 23 Uhr sei er dann ins Bett gegangen.

Man hört so viel von Zirkusfamilien? Gibt es auch Seiteneinsteiger? Sein Ururgroßvater war Clown, sein Urgroßvater ebenfalls, genauso wie sein Großvater und sein Vater: Tonito Alexis ist Clown in der fünften Generation. Jonny Casselly jr. lebt den Zirkus sogar schon in der achten Generation. Zirkusfamilien seien sehr verbreitet, sagt Clown Bobori, ein langjähriger Freund von Jonny Casselly jr. Er selbst dagegen sei ein Seiteneinsteiger: Seine Eltern hätten nicht im Zirkus gearbeitet, aber er habe sich das schon als kleiner Junge gewünscht.

Wie hat sich die Zirkuswelt in den vergangenen Jahren geändert? Es werde mehr Licht- und Tontechnik eingesetzt, die Präsentation sei moderner geworden, sagt Clown Bobori. Aber wofür der Zirkus stehe, was er verkörpere, das habe sich nicht geändert. Für ihn gehörten auch weiterhin Tiere dazu. Dieses Mal hätten sie zwei Tiernummern im Weihnachtscircus: eine Nummer mit einem Pony und eine mit einem Hund.

Machen Sie mit dem Mitmachzirkus weiter? Ja, es werde auch 2019 einen Mitmachzirkus geben, versichert Jonny Casselly jr. „Wir lieben es, aus den Kindern Artisten zu machen und zu sehen, wie ihre Augen dann leuchten.“ Die genauen Termine und weitere Informationen würden in den nächsten Wochen bekanntgegeben. Dann sei auch eine Anmeldung möglich.

Der Weihnachtscircus gastiert noch bis zum 6. Januar in Xanten. Es gibt nur noch vereinzelt Karten. Ticket-Hotline: 01578-7783530.

Mehr von RP ONLINE