Xanten: Weiblichkeit facettenreich umgesetzt

Xanten: Weiblichkeit facettenreich umgesetzt

"Sehe, träume, denke, male": Hanne Neß stellt ab Sonntag in der Galerie im Drei-Giebel-Haus am Xantener Dom aus. Ein Heimspiel für die Xantener Künstlerin und ihre farbenfrohen Frauenbilder.

Sie gehört zu den Künstlerinnen, die ihren persönlichen Stil gefunden haben, deren Bilder man sofort mit ihrem Namen in Verbindung bringt: Hanne Neß hat ein Heimspiel, wenn sie ab Sonntag 31 ihrer großformatigen farbenfrohen Bilder in der Galerie im Drei-Giebel-Haus am Dom ausstellt (11 bis 13 Uhr).

Und es ist kein Zufall, dass die Weiblichkeit ihr Hauptthema ist, das sie, so beschreibt es der Kunsthistoriker Ralf Rensmann, facettenreich und fantasievoll umsetzt: "Mit Frauen", so sagt die Xantenerin, "kann man mehr machen: Die schmücken sich, sind auch mal zickig." Und sie erscheinen in ihren Bildern nicht als geknechtete Wesen, sondern emanzipiert, damenhaft, kultiviert, modern, bisweilen kess, manchmal träumerisch. Auch das wird in ihren Frauenbildern deutlich: Dass sie als junger Mensch immer Modezeichnerin werden wollte. "Voraussetzung dafür war aber eine Schneiderlehre. Und das wollte ich nicht", erzählt Hanne Neß. Also ist sie ins Büro, hat bei einem Rechtsanwalt ihre Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten gemacht. Durch ihren Ehemann Wolfgang, der in Duisburg Kunst studiert hat, ist sie in den 80-er Jahren zur Kunst gekommen, hat mit Seidenmalerei angefangen, sich in ihrem Zuhause an der Poststraße ein Atelier eingerichtet.

1991 hat sie sich dann mit ihren Bildern in Mischtechnik an die Öffentlichkeit getraut, ihre Bilder zunächst bei einem befreundeten Arzt in Alpen gezeigt und 1993 ihre erste Ausstellung in der Stadtbücherei gehabt, die damals noch an der Karthaus untergebracht war. Zehn Jahre hat die Künstlerin von 1993 bis 2003 als Seiteneinsteigerin in der Marienschule gearbeitet; durch Einzel- und Gruppenausstellungen machte sie sich zunächst regional, dann national und auch international einen guten Namen. 2012 bekam Hanne Neß bei der Kunstmesse "Impulse International" in Osnabrück einen Preis für ihre Kunst. "Malerei, kreativ sein, ist ein Hauptbestandteil in meinem Leben", sagt die Frau, die farbintensiv arbeitet, kräftige Farben, Komplementärfarben liebt und immer wieder Schaffenspausen macht, in denen sie Menschen beobachtet, sich mit ihrer Äußerlichkeit, aber auch mit ihrem Innenleben, ihrer Psyche beschäftigt. "Ich versuche, meine Eindrücke bewusst und unbewusst in Malerei umzusetzen, wobei ich am liebsten jegliche Betitelung bei meinen Arbeiten weg lasse", so Hanne Neß, die auch regelmäßig dabei ist, wenn die Klever Straße in Xanten am letzten Wochenende der Sommerferien bei "Klein MontMartre" zur Kunstmeile wird. Für Michael Blasczyk, Kurator für die Galerie im Drei-Giebel-Haus und beim Verein Stadtkultur im weitesten Sinne für die Kommunikation zuständig, ist Hanne Neß "für den weiblichen Bereich der regionalen Kunstszene das, was Wilfried Düker für den männlichen Bereich ist". Düker, pensionierter Kunstlehrer am Xantener Gymnasium, war der erste Künstler, der 2011 in der Galerie ausstellte. Im Juli holt Blaszczyk Michael Dekker nach Xanten.

(jas)