Xanten: Vynener in großer Sorge um ihr Dorf

Xanten: Vynener in großer Sorge um ihr Dorf

Dem Einzelhandel im Xantener Ortsteil geht es so schlecht wie nie. Der letzte Geldautomat wird bald abgebaut, eine Bäckerei wird ebenfalls schließen. Doch Norbert Frerix vom Heimatverein kämpft beharrlich gegen den Schwund an.

Vom Glanz früherer Jahrzehnte, als man im Dorfkern fast alles für den täglichen Bedarf erhielt, ist kaum noch etwas übrig. Früher gab es entlang der Hauptstraße ein reges Geschäftsleben. Heute haben zwei Friseurgeschäfte geöffnet, ein Restaurant und die Bäckerei. Doch auch die wird bald schließen, wenn der Meister aus gesundheitlichen Gründen sein Handwerk an den Nagel hängt. Am Kreisel steht die frühere Zweigstelle der Sparkasse. Ein Geldautomat ist in Betrieb. Aber nicht mehr lange, denn das Institut hat sein Aus längst verkündet.

Norbert Frerix erinnert sich an das Dorf der 60er- und 70er-Jahre. "Die Drogerie war hier, dort die Metzgerei und da eine Schmiede", sagt der 62-jährige Vorsitzende des Heimatvereins. Schnee von gestern. Bevölkerungsentwicklung und Einzelhandelsbilanz bilden eine Schere, die sich hier zunehmend geöffnet hat. Vor 50 Jahren hatte Vynen, wenn es hoch kommt, 1000 Einwohner. Heute sind es mehr als doppelt so viel. Gleichzeitig sank die Wirtschaftskraft immer mehr - abgesehen vom Tourismus am Hafen.

Zum Glück gibt es die frühere Grundschule direkt neben dem Sportplatz des SV Vynen-Marienbaum (Vyma). Die Gebäude werden teilweise noch anderweitig genutzt. Ein Großteil steht zum Verkauf, aber damit tut sich damit die Stadt schwer. Die angestrebte Nachnutzung - möglichst für preiswerten Wohnraum - ist fraglich. Nach wie vor gestaltet sich die Suche nach einem Investor äußerst zäh. Zwar hatte die Stadt einen Interessenten aufgetan, die Verhandlungen waren sogar schon so weit gediehen, dass ein Nutzungskonzept vorlag und man eine Absichtserklärung formuliert hatte. "Wir kommen aber jetzt nicht weiter", erklärte jüngst Bürgermeister Thomas Görtz im Bezirksausschuss. "Wir hören nichts mehr aus den Niederlanden. Irgendwann müssen wir einen Cut machen. Es zieht sich schon zu lange hin."

Foto: Armin Fischer

Görtz schließt im Fall eines Scheiterns ein anderes Nutzungsmodell nicht aus. Bisher gingen die Planungen dahin, dass ein Erwerber auch den von den Vereinen genutzten Teil der Schule mitträgt. Von dieser Vorstellung müsse man sich vielleicht trennen, sagte er. Eine Alternative wäre, dass die Stadt diesen Bereich selbst übernimmt. Bis zur endgültigen Entscheidung nutzt der SV Vyma den hergerichteten Mitteltrakt für seine Angebote. So wie im Ostflügel zur Hauptstraße hin Vereine wie der Shantychor oder der Heimatverein sowie die Evangelische Kirchengemeinde untergekommen sind. "Das Vereinsleben funktioniert weiter", freut sich Frerix.

Der Schulhof wird vor allem am Wochenende rege von den Bürgern genutzt. Hier fährt immer samstags das Frischemobil mit seinen Lebensmitteln an Bord vor. Dazu kommen Stände mit Obst, Gemüse und Blumen, außerdem zur Saison Spargel und Erdbeeren. Die Türen des Dorfinfocafés mit Kuchen, belegten Brötchen und Getränken stehen dann ebenfalls offen. Die frühere Schulküche hat sich zu einer wahren Begegnungsstätte entwickelt.

Foto: Armin Fischer

Das ist auch das Landhaus Spieckermann. Es ist mehr als eine Kneipe, es ist eine Institution, ohne die Vynen nicht mehr Vynen wäre. Wirt Wilfried Spieckermann hält dieses letzte Überbleibsel der früheren "Kneipen"-Vielfalt noch offen, will sich aber wie der Bäcker ins Privatleben zurückziehen.

Norbert Frerix will nicht hinnehmen, dass die örtliche Infrastruktur Vynens weiter ausblutet. Mit dem Eigentümer der Bäckerei-Immobilie sucht er nach passenden Nachnutzungen, den Sparkassenvorstand will er demnächst in einem Schreiben noch einmal innigst bitten, die Entscheidung zur Abschaffung des Geldautomaten zu überdenken. Er sieht die Sparkasse im Wort. Sie habe mal den Weiterbestand des Servicepunkts am Kreisel verkündet. Damals, bei der Schließung der Volksbank, habe es geheißen: "Wir sind noch da."

Denn einst konkurrierten im Ort gar zwei Geldinstitute miteinander. Abwechselnd reduzierten sie ihr Serviceangebot, nun will die Sparkasse den letzten Geldautomaten dicht machen. Dabei hätte sie doch einen öffentlichen Auftrag, meint Frerix. "Wo sollen die Menschen, die nicht mal eben im Auto nach Xanten oder Marienbaum fahren können, ihr Geld abheben? Für sie ist es besonders schlimm."

Weiterhin in den Vynener Köpfen existent ist eine Genossenschaft für einen Einzelhandelsgeschäft ähnlich dem, das in Wardt gerade im Gespräch ist. Doch die Frage ist, ob das Angebot wirklich so genutzt werden würde, dass die zu gründende OHG damit finanziell über die Runden käme. Außerdem hält Frerix große Stücke auf den Frischemobil-Anbieter auf dem Schulhof. "Ein wenig haben wir noch. Ich hoffe, das bleibt uns erhalten", sagt gibt der Heimatverein-Vorsitzende kämpferisch.

(kump)