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Vorlesewettbewerb an der Gesamtschule Xanten: „Lesen ist Kino im Kopf“

Vorlesewettbewerb an der Xantener Gesamtschule : „Lesen ist Kino im Kopf“

Acht Schülerinnen und Schüler machten beim diesjährigen Vorlesewettbewerb an der Gesamtschule in Xanten mit. Gewonnen haben alle. Aber für die nächste Runde musste ein Sieger bestimmt werden.

Das muss man sich erst einmal trauen: Nacheinander kommen die acht Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen einzeln nach vorn und lesen etwas vor. Zuerst drei und später noch einmal zwei Minuten lang sitzen sie vor dem Publikum und der Jury, während alle Augen auf sie gerichtet sind und alle Ohren ihnen zuhören. In diesen insgesamt fünf Minuten sind sie ganz auf sich allein gestellt.

Schon deshalb, weil sie es sich trauen, hätten sie alle bereits gewonnen, sagt Elisabeth Hegmann-Bossmann vom Leitungsteam der Xantener Willi-Fährmann-Gesamtschule. Sie eröffnet den Vorlesewettbewerb an diesem Freitagnachmittag. Voller Bewunderung spricht sie über den Mut der Schülerinnen und Schüler. Dann wünscht sie den Mädchen und Jungen alles Gute. „Behaltet die Nerven.“

 Gewonnen haben alle, auch wenn nur einer weiterkommen konnte: vorn Stella und Elias, dahinter (v.l.) Mia, Sara, Iso, Yvo, Verena und Antonella.
Gewonnen haben alle, auch wenn nur einer weiterkommen konnte: vorn Stella und Elias, dahinter (v.l.) Mia, Sara, Iso, Yvo, Verena und Antonella. Foto: Armin Fischer (arfi)

Und Nerven brauchen die Mädchen und Jungen. Denn es geht nicht nur darum, etwas laut und deutlich vorzulesen. Die Sätze müssen auch betont, die Geschichte muss lebendig werden, indem die Schülerinnen und Schüler die Worte mal lauter, mal leiser, mal schneller, mal langsamer vortragen und am besten zwischendurch noch Pausen einlegen – je nachdem, wo es passt. Jedoch gibt ihnen niemand vor, wann sie es am besten machen sollten, das müssen sie selbst herausfinden. Schließlich ist es ihre persönliche Interpretation der Geschichte. Aber genau das erfordert Mut.

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Der eine geht unbekümmerter an die Sache heran als der andere. Und so gelingt es dem einen etwas mehr, dem anderen etwas weniger. Aber alle acht Schülerinnen und Schüler machen ihre Sache gut. Darin sind sich die vier Jurymitglieder am Ende einig. Eine Reihenfolge müssen sie trotzdem bestimmen. So sind die Regeln des bundesweiten Vorlesewettbewerbs, der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht. Nur ein Kind darf zur nächsten Runde fahren, um auf Kreisebene gegen Mädchen und Jungen aus anderen Städten anzutreten. Ein zweites Kind darf mitfahren. Es muss also eine Auswahl getroffen werden.

Deshalb vergeben die Jurymitglieder Punkte, mindestens einen und maximal fünf pro Kriterium, während sie auf die Lesetechnik und die Interpretation der Schülerinnen und Schüler achten. In der ersten Runde an diesem Nachmittag, in der die Mädchen und Jungen aus selbst mitgebrachten Büchern vorlesen, beurteilen die Jurymitglieder auch die Auswahl der Textstelle. In der zweiten Runde lesen die Schülerinnen und Schüler dagegen alle aus demselben Buch vor. Es ist von Tanko Scholten ausgewählt worden. Der Deutschlehrer organisiert den Wettbewerb seit Jahren an der Gesamtschule.

Gut eineinhalb Stunden lang lesen die Schülerinnen und Schüler vor, währenddessen notieren die Jurymitglieder ihre Punkte auf. Am Ende werden alle Zähler addiert. Wer die meisten hat, gewinnt. Es ist Elias Lümen. Knapp dahinter landet Stella van Uem. Überhaupt ist es eine knappe Angelegenheit, wie Scholten berichtet, als er die Bewertungsbögen der Jurymitglieder durchblättert. Alle acht Schülerinnen und Schüler haben viele Punkte bekommen, sie liegen dicht beieinander. Jeder von ihnen hat Lust aufs Lesen gemacht. Jedoch haben Elias und Stella die Texte durch ihre Betonung noch etwas lebendiger werden lassen. Sie waren so engagiert dabei, dass die Mimik ihrer Gesichter die Handlung spiegelte. Als würden sie die Geschichte da vorn gerade selbst erleben. Genau das meinen die Organisatoren des Lesewettbewerbs wohl, wenn sie sagen: „Lesen ist Kino im Kopf“.

(wer)