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Xanten: Villa Kunterbunt wird zum Geldmuseum

Xanten : Villa Kunterbunt wird zum Geldmuseum

Norbert Müller macht die 110 Jahre alte Villa in Wardt zum ersten Geldmuseum in Nordrhein-Westfalen. Dort präsentiert er all das, was er in 20 Jahren zusammengesammelt hat: von der Spardose bis zur Münzprägemaschine.

Das kleine Dörfchen mausert sich: Wardt hat zwar bald keine Sauna und schon länger kein Nibelungenbad mehr - dafür aber seit Kurzem einen Friseur und schon etwas länger ein Landcafé, das sonntags geöffnet ist. Man kann in Wardt Oktoberfeste feiern, auf einem Kamel reiten - und sich demnächst die wechselvolle Geschichte 130-jährige Geschichte der Mark in Ost und West anschauen. Demnächst heißt in diesem Fall so etwa im Spätherbst. So lange dürfte es noch dauern, ehe Norbert Müller die alte Villa Kunterbunt mitten im Dorf zum Geldmuseum umgebaut-renoviert-eingerichtet hat.

Foto: arfi

Schon länger suchte der 58-Jährige, der sich seit 20 Jahren mit der Numismatik (Münzkunde) beschäftigt, nach geeigneten Räumlichkeiten, um all das zu präsentieren, das er in 20 Jahren zusammengesammelt hat: Spardosen aus aller Herren Länder, eine Münzprägemaschine, Münzen natürlich, Scheine, einen Kassenschalter, vormünzliche Zahlungsmittel, Fachbücher und vieles mehr. Und es war, da ist er sicher, kein Zufall, dass er im Sommer letzten Jahres bei einer Fahrradtour an der Villa Kunterbunt vorbeifuhr, die 27 Jahre lang vom Bund der katholischen Jugend (BDKJ) als Selbstversorgerhaus genutzt wurde und wo zufällig die Bürotür offenstand.

"Ich habe vor 30 Jahren hier mal ein Praktikum gemacht und eine Zeit lang gelebt", erinnert sich der gelernte Elektromechaniker, Numismatiker, Notaphilist ("das sind Leute, die sich mit Banknoten beschäftigen"), Heilpädagoge und Erzieher, der im Hauptberuf Werklehrer an der Förderschule beim Erziehungsverein Neukirchen-Vluyn ist und in jeder freien Minute, in jedem Urlaub und am Wochenende in der 110 Jahre alten Villa das meiste selber renoviert: Den Filz von den alten Holzdielen entfernen, die Böden und Türen abschleifen und lackieren, Wände streichen, Stuck an der Decke wieder herausarbeiten, alte Möbel restaurieren.

"Museum Kulturgeschichte des Geldes" prangt später in großen Lettern dort, wo ehedem "Villa Kunterbunt" stand. Im Parterre wird auf 136 Quadratmetern in fünf lichtdurchfluteten Räumen das in Nordrhein-Westfalen einzigartige Museum installiert: In einem Raum will Norbert Müller die Geschichte des Schulsparens und Spargefäße aus allen Kontinenten und mehreren Jahrhunderten zeigen, in einer Medienecke Filme zum Thema Sparen-Münzen-Papiergeld zeigen. In der ehemaligen Küche der Villa, die der 58-Jährige gepachtet hat, wird eine Münzprägewerkstatt eingerichtet, an einer Spindelpresse können sich Besucher eine Medaille prägen.

Im größten Raum des künftigen Museums will er einen interaktiven Bankschalter aufbauen, so richtig mit Sicherheitsglas. Schüler können hier in die Rolle des Bankers schlüpfen und am eigenen Leib erfahren, wie viele Arbeitsschritte früher nötig waren, bis Geld sicher im Tresor untergebracht war. "1972 war hier die Zweigstelle der damaligen Kreissparkasse Marienbaum", hat Norbert Müller nachgelesen; "Herr Kelling, der vor ein paar Wochen nach 50-jähriger Mitarbeit bei der Sparkasse in den Ruhestand gegangen ist, hat hier am Kassenschalter gearbeitet". Einen Raum im Obergeschoss richtet er als öffentliches Archiv ein, die übrigen Räume bewohnt er selber. Wechselausstellungen zu geldgeschichtlichen Themen sind geplant, außerdem will er Künstlern aus der Region in seinem Museum eine Plattform für Ausstellungen geben. Mit seinem großen Überseekoffer, in dem er Kästen mit verschiedenen Münzen, Papiergeld, Inflationsgeld und mehr untergebracht hat, will er in die Schulen und Kindergärten gehen.

Leidenschaft, Hartnäckigkeit und die Liebe zu alten Gebäuden: Das sind die Pfeiler, auf denen sich Norbert Müller seinen Lebenstraum verwirklicht. Im Spätherbst will er alles fertig haben, samstags und sonntags soll das Geldmuseum dann geöffnet sein. Betreiber wird der "Geldgeschichtliche Verein Niederrhein" sein, den Norbert Müller vor zwei Jahren gegründet hat.

Pekunia non olet - Geld stinkt nicht! Und passt in jede Spardose. Davon kann Norbert Müller übrigens nicht genug kriegen: Mit alten Spargefäßen kann man ihm eine Riesen-Freude machen!

(RP)