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Xanten: Vier Generationen leben für den Zirkus

Xanten : Vier Generationen leben für den Zirkus

Der Xantener Weihnachtscircus ist die Idee der Familie Casselly. Seniorchef Jonny ist stolz auf seine Kinder und Enkel.

Jeden Tag steht er während der Vorstellung im Eingang des großen Zelts und verfolgt das Programm bis zur letzten Minute. Dabei kennt er selbst jede Nummer bis ins letzte Detail. Aber Jonny Casselly bereitet nichts mehr Freude, als seine Kinder und Enkel in der Manege zu sehen. "Das sind so tolle Artisten — ich bin unheimlich stolz auf meine Familie." Bis Neujahr kann er seine Lieben noch gemeinsam beim Xantener Weihnachtscircus erleben, dann trennen sich für die Winterpause die Wege der Cassellys ein wenig.

Familie — das ist ein ganz großer Wert in der Zirkuswelt. Acht Generationen weit lässt sich die Arbeit der Cassellys als Artisten und Gaukler zurückverfolgen. Jonny Casselly, in der DDR als eines von zehn Kindern seiner Eltern geboren, wuchs in der Zirkuswelt auf. "Mein Vater war ein hervorragender Artist. Schon früh habe ich viel von ihm gelernt. Nur seine großartige Musikalität hat leider nicht auf mich abgefärbt." Ein Filmdokument aus dem Jahr 1959 belegt das Talent des jungen Jonny. Als Stepptänzer ist er in "Armer kleiner Zirkus", ein Vorfilm für das Normalprogramm, zu sehen.

Zehn Kinder und eigener Nachwuchs — der väterliche Zirkus konnte diese Großfamilie nicht mehr ernähren. Und so entscheid sich Jonny Casselly 1988 mit seiner Frau, die natürlich auch aus einer Zirkusdynastie stammt, und den ersten Kindern, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Antonio, der heute in Xanten als Clown, Artist und Hundedresseur einer der Stars in der Manege ist, war damals gerade zwei. "Unsere Eltern sind noch durch ganz Deutschland gezogen und haben teilweise Tag für Tag den Platz gewechselt. Mir sagte ein Freund: Wenn Du im Ruhrgebiet heimisch wirst, bleibst Du in der Region". Und so war es auch. Zirkus Jonny Casselly machte sich in Nordrhein-Westfalen seinen Namen.

Familie — dazu gehört, dass auch Jonnys Mutter (89) bei ihm und seiner Frau lebt und natürlich auch beim Gastspiel in Xanten dabei ist. Rentenversicherung ist nichts für Artisten, "geklebt" hat Jonny nicht. "Bei uns geht niemand ins Altenheim", so Jonny, denn auf die Familie kann man bauen.

Damit es wirtschaftlich passt, muss man mehrere Standbeine haben. Jonny Casselly jr. hat dabei die Zirkusprojekte in Schulen entdeckt. Zudem sind die Familienmitglieder auch einzeln in anderen Programmen unterwegs, von Roncalli bis Krone, aber auch zum Beispiel im Essener Alto-Theater. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen zeugen von der hohen Qualität der Darbietungen — und machen Vater Jonny noch stolzer.

Und nicht nur auf die eigenen Kinder ist Jonny stolz. Sein Bruder René Casselly gewann in diesem Jahr mit seiner Elefantendressur beim weltweit bedeutendsten Zirkusfestival in Monaco einen "Goldenen Clown". Den größten "Preis" erhielt Jonny Casselly aber nicht von einer Jury, sondern von einem erwachsenen Gast. "Sie geben mir den Glauben an den Zirkus zurück", sagte der Besucher nach der eindrucksvollen Show.

(RP/ac)