Sonsbeck: Viele Bäume fallen für den Radweg

Sonsbeck: Viele Bäume fallen für den Radweg

Lukas Aster (Die Grünen) fürchtet beim Ausbau des Alleenradweges einen Kahlschlag, da auch viele Holzgewächse neben dem Damm der Boxteler Bahn gefällt werden sollen. Für Gemeinde und Forstamt ist das notwendige Waldpflege.

Lukas Aster schlägt Alarm: Am Weg der der Boxteler Bahn in Labbeck leuchte es an den Baumstämmen überall rot auf, so der Labbecker. "Nach dem Willen der Sonsbecker Gemeindeverwaltung sollen demnach allein auf den ersten 460 Metern über 200 derart gezeichnete Bäume der Motorsäge zum Opfer fallen", befürchtet der Anlieger, der sachkundiger Bürger für die Grünen in Sonsbeck und im Kreistag sowie Landtagskandidat der Grünen ist. Damit drohe das Projekt Alleenradweg schutzwürdigen Tieren am Bahndamm den Garaus zu machen. Die Fraktion der Grünen in Sonsbeck jedenfalls kritisiere das große Ausmaß der Fällungen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass auch große Gebiete außerhalb des Radwegbereiches der Axt zum Opfer fallen sollen, hätten doch Verwaltung und Bürgermeister noch im Herbst 2016 auf der Bürgerversammlung versprochen, dass die Fällungen "moderat" ausfallen sollten, erinnert der Pädagoge. Dieses Versprechen drohe sich in Luft aufzulösen.

Fordert Gehölzpflege statt Kahlschlag: Lukas Aster. Foto: Fischer Armin

In der Tat werden auf dem letzten Abschnitt des Alleenradweges im Kreis Wesel Bäume gefällt werden, sagt der bei der Gemeinde zuständige Sachbearbeiter Martin Grunenberg. Was auf dem 1150 Meter langen Teilstück geschehe, das zunächst entlang der Straße Am Löwenberg und auf der Hügelkuppe wieder auf die alte Trasse der Einsbahn und bis Uedem führen wird, sei allerdings "tatsächlich moderat". Zunächst müsse der Weg auf dem Damm wie schon bei den vorherigen Abschnitten vom Wildwuchs leergeräumt werden, "doch da machen wir Schlenker um bestimmte alte Bäume herum". Brunenberg: "Wir haben uns zudem nach zig Jahren erstmals in das wild gewachsene Waldstück hineinbegeben und gemeinsam mit der zuständigen Försterin nach dem Rechten gesehen", betont Grunenberg. Das mache aus ökologischen Gründen Sinn: "Wo mehrere Bäume wie Eichen auf einem kleinen Stück Boden zusammenstehen, müssen die kleinen fallen, damit die großen ihre Kronen gut entwickeln können - ein ganz normaler Vorgang." Manchen Bäumen sehe man es mit geübtem Auge an, dass sie es nicht mehr lang machen. Und wenn ein Baum auf eine Straße, ein Haus oder einen Acker zu fallen drohe, müsse die Gemeinde wegen ihrer Verkehrssicherheitspflicht einschreiten. Schließlich sei mit dem auch in Xanten tätigen Institut "ökoplan" aus Essen ein Plan aufgestellt worden, wo Ersatzpflanzungen im Verhältnis zwei zu eins sinnvoll seien.

Regionalförsterin Katharina Lohmann spricht "angesichts des übergeordneten Interesses am Bau des Radweges" von "vernünftigem Vorgehen". Katharina Lohman: "Wir kümmern uns nach vielen Jahren einmal richtig um dieses Waldstück und sein Fortbestehen, und, wie schon in der Einwohnerversammlung versprochen, führt der Weg um mehrere dicke, gute Eichen vorbei. Eine Rosskastanie bleibt auf Wunsch der Anrainer erhalten, und die alten Bäume entlang der Straße am Löwenberg werden auf ihre Standfestigkeit untersucht." Die Büsche blieben erhalten und es würden bewusst nackte Böschungen für Bodenbewohner geschaffen, betont die Försterin.

Aster sieht das anders. Hier scheine der "Lebensbereich von unter Naturschutz stehenden Spechten, Käuzen und der dort dokumentierten grünen Zauneidechse" unwiederbringlich verloren zu gehen. Aster: "Wir wollen verantwortungsvolle Gehölzpflege statt rigorosem Kahlschlag."

(RP)
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