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Xanten: Viel Zuspruch für Karsten Weidisch

Xanten : Viel Zuspruch für Karsten Weidisch

Pfarrer Karsten Weidisch hat in Emmerich seinen letzten Gottesdienst abgehalten. Er verlässt die Gemeinde, nachdem es immer wieder Kritik an ihm und seinem Konzept modern anmutender Gottesdienste gegeben hatte. Das Bistum Münster erklärte, dass der Abschied von Weidisch auf dessen Anfrage hin erfolge. Die Mitglieder der Emmericher Gemeinden bildeten für ihren Pfarrer am Donnerstag eine kilometerlange Menschenkette.

Die Szene hatte etwas vom verlorenen Sohn: Vor der Sakristei des Xantener Doms warteten die Gläubigen geduldig auf ihren alten Kaplan. Einen den sie herzten, ihm für die Zukunft Gutes wünschten und die doch eher getröstet wurden: "Euer Zuspruch macht mich stark", sagte Karsten Weidisch, jener Priester, der gerade vier Jahre nach seinem Weggang aus Xanten vom Bistum Münster von seinem Amt als Pfarrer in Emmerich entpflichtet wurde. Im vollen Dom feierten die Xantener Gläubigen gestern Abend mit ihm die Messe zum Angedenken an den Todestag des von den Nationalsozialisten umgebrachten Katholiken Nikolaus Groß, so wie in jedem Jahr seit 2005.

Doch es war anders. Gerade noch hatte sich die Welle der Entrüstung über die Entscheidung des Bistums in Emmerich mit einer Menschenkette von gut 1000 Menschen Luft gemacht, füllte sich der Xantener Dom mit Menschen. Eine weitere Menschenkette, hatten Marie-Louise Jordans-Theußen und Gerd van Xanten vom Pfarreirat zuvor erklärt, werde es nicht geben, das sei "eine Emmericher Angelegenheit. Unsere Verbundenheit demonstrieren wir mit den vielen Menschen im Dom, so van Xanten."

Und es wurden fast 500, so viel wie sonst nie beim Groß-Gedenken. Der Xantener KAB-Vorsitzende Karl-Heinz Mertens gestand zu Beginn der Messe, dass wohl viele wegen des Zelebranten gekommen seien. "Zu Recht: Ich habe den Eindruck", so Mertens, "dass der Heilige Geist am letzten Pfingstfest im Tiefflug über den Dom zu Münster hinweggeflogen ist." Minutenlanger Beifall folgte, während Weidisch die Worte mit gesenktem Kopf vernahm. Er verstehe, so sagte er gegenüber der RP, die Entscheidung nach einer Art Machtstreit von einem geringen Teil der Menschen in den gerade fusionierten sieben Gemeinden der Grenzstadt genau so wenig wie die gestrigen Messbesucher. Und die kamen beileibe nicht nur aus Xanten. "Ärger", so Armin Schollen aus Labbeck, gebe es in allen Gemeinden, aber so ausartend, das verstehe er nicht. Und: "Weidisch erreicht doch endlich die Jugend wie kein anderer, was wollen wir denn mehr?", fragte Annette Schmitz aus Ginderich. Inga Artz aus Marienbaum widersprach nicht, erinnerte aber: "Mit seiner Herzlichkeit kommt er doch auch bei den Älteren und Alten an."

Der so Gerühmte denkt auch gar nicht daran, sich zu verbiegen. Mit weit ausholender Gestik und getakteter Redeschnelligkeit predigt er auch umgangssprachlich, spricht über Groß, der immer "volle Pulle" seine Spuren zog, angesichts von sieben Kindern seine eigene Familienkatechese gelebt habe und seine Klappe auch vor Adolf (Hitler) nicht halten wollte. Das Praxisunternehmen Christentum zeige seine Stärke, wenn man spüre, dass man dabei auch nicht allein sei und Auseinandersetzungen in Form des Evangeliums abliefen: Liebet einander.

Das sind Worte, die am Ende der Messe noch einmal zu Beifall führen. Und: Wer sehen wolle, was Gemeinsamkeit ausmache, dem empfahl Weidisch neben den Anfangszeiten der Fernsehsendungen und Zeitunglesen den Dialog mit der KAB-Abordnung aus Emmerich und jenen, die nach der Menschenkette nach Xanten gekommen waren. Diese jedenfalls hoffen weiter. Dirk Kraayvanger: "Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass dieser Priester wiederkommt."

(RP/ac)