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Verkehrsgutachten in Sonsbeck: Ortsumgehungen entlasten Hochstraße kaum

Verkehr in Sonsbeck : Umgehungen würden Hochstraße in Sonsbeck kaum entlasten

Thomas Rödel vom Planungsbüros Rödel & Pachan stellte sein Verkehrsgutachten für Sonsbeck vor. Den Schwerpunkt bildet die Verkehrsentlastung auf der Hochstraße. Bei den Optionen gibt es überraschende Ergebnisse.

Die Verkehrsbelastung auf der Hochstraße ist ebenso groß wie die Nutzung der Landstraße vielseitig ist: Die L480 dient als Verbindungsstraße für den Durchgangsverkehr, als Erschließungsstraße für die Anwohner und Händler, die beliefert werden wollen, und letztlich mit ihren Gastronomien auch als Aufenthaltsort, da die Hochstraße Sonsbecks Stadtzentrum markiert. Die sich daraus ergebenen Konflikte sind seit Jahrzehnten Thema in der Gemeinde. Fast genauso lange galt eine Umgehungsstraße als Allheilmittel des Problems. Doch im Verkehrsausschuss am Donnerstagabend zeigte sich nun ein anderes Bild. Thomas Rödel vom Planungsbüro Rödel & Pachan stellte sein Verkehrsgutachten vor. Das Fazit: Umgehungen bringen für die Hochstraße wenig Erfolge.

Über Monate hat das Fachbüro Sonsbecks Verkehr unter die Lupe genommen, dabei Radar- und Knotenpunktzählungen durchgeführt und mit Videokameras Verkehrsströme beobachtet. Die Daten dienten als Grundlage dafür, Effekte für die Hochstraße zu ermitteln, wenn verschiedene Varianten von Verkehrsänderungen durchgespielt werden.

Zu den Varianten gehörte auch die lange favorisierte und somit bereits im Landesstraßenbedarfsplan aufgenommene Nord-West-Umfahrung, die von Wesel aus kommend die Xantener Straße kreuzen und dann am Ort vorbei runter zur Autobahnauffahrt der A 57 führen würde. Überraschendes Ergebnis: Die Umfahrung hätte laut Gutachten entlastende Wirkung auf die Weseler, Xantener und Balberger Straße sowie den Wilpaßweg, auf der Hochstraße jedoch würde der Verkehr unverändert stark durchbrettern. Zu groß sei der Umweg, um von Verkehrsteilnehmern als Alternative angenommen zu werden. Nur wenn der Verkehr auf der Hochstraße zeitgleich durch bauliche Maßnahmen ausgebremst werde, käme es dort zu einer Entlastung. Mit Nebenwirkungen: Denn dem Planungsergebnissen zufolge würden viele Verkehrsteilnehmer selbst dann nicht die Umgehung nutzen, sondern auf die Parallelstraßen der Hochstraße ausweichen.

Thomas Rödel stellte sein Verkehrsgutachten für die Hochstraße im Verkehrsausschuss vor. Foto: Beate Wyglenda

Die zwei Variante, eine östlich an der Gemeinde vorbeiführende Umgehung, hätte weit größere Auswirkung auf den Verkehr auf der Hochstraße. „Doch diese Variante hat die schlechteste Bewertung bei der Umweltverträglichkeitsprüfung“, so Rödel. „Außerdem wären dort umfangreiche Flurbereinigungen notwendig, was ein Zeitfresser ist.“

Als dritte Option stellte der Gutachter die sogenannte Nullvariante vor: ohne Umgehung, aber mit Ausweitung der Tempo-30-Beschränkung auf der Hochstraße in südliche Richtung. Zugleich solle der Rübenverkehr aus dem Ort verbannt werden. Er stellt den Daten zufolge das Gros des Schwerlastverkehrs dar. In einer 24-Stunden-Analyse wurden 155 Rübentransporte gezählt. Je nach Saison könnten die Zahlen aber stark variieren, so Rödel. Er hält daher Gespräche mit Vertretern der Zuckerrübenfabrik in Appeldorn für sinnvoll, bei denen eine alternative Fahrtroute vorgeschlagen wird. „Der Umweg würde sich auf wenige Hundert Meter beschränken, beeinträchtigt wären aber nur ein Viertel der Einwohner.“