Xanten: Urlaub im schwimmenden Wintergarten

Xanten: Urlaub im schwimmenden Wintergarten

Sieben sogenannte Floating Houses liegen im Hafen von Vynen vor Anker. Die Hausboote erlauben vier bis fünf Personen Ferien mit allem Komfort. Wie sich das anfühlt? RP-Mitarbeiter Peter Kummer hat es ausprobiert.

Das Segelboot zieht gemächlich seine Kreise, eine vielköpfige Gänsefamilie lässt sich nur wenige Meter entfernt vorbeitreiben. Im Rücken der kombinierte Wohn-Ess-Bereich, der Blick nach vorne schweift von der überdachten Terrasse über die Nordsee zum gegenüberliegenden Ufer. Das ist Erholung à la Floating House, jenen neuen Hausbooten, die nach monatelanger innerstädtischer Diskussion im Frühjahr an die Eigentümer ausgeliefert wurden.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Sieben Boote liegen bereits im Hafen von Vynen unmittelbar hinter dem Ortseingang, zwei weitere kommen demnächst hinzu, eins wartet noch auf seinen Käufer. Es sind Übernachtungsangebote für Touristen und Kurzzeitgäste. Die Nutzung als ständiger Wohnsitz erscheint zwar äußerst verlockend, ist aber nicht erlaubt. "Menschen aus ganz Nordrhein-Westfalen, sogar aus Süddeutschland, übernachten hier", berichtet Andreas Orlowski, der eines dieser Boote vermietet. "Manche sind Touristen, andere zu Besuch bei Freunden in Xanten."

Floating House heißt Leben auf rund 44 Quadratmetern Wohnung plus zwei Terrassen. Vom Holzsteg aus führen die beiden Eingangstüren direkt in die zwei Schlafzimmer und von dort aus geradeaus weiter - an der Nasszelle und dem WC vorbei - in den Hauptraum mit Küche, Couchgarnitur und Esstisch. Die bodentiefen Fenster verleihen dem Ganzen den Charakter eines Wintergartens.

Das Boot ist für vier bis fünf Personen ausgelegt und eingerichtet. "Mit allem, was den Urlaub angenehm macht", sagt Orlowski. Kaffeemaschine, Mikrowelle, Herd und Kühlschrank? Alles steht bereit. Fernsehen, Mikroanlage, etwa gar Wlan? Das ist ebenfalls an Bord. Bei einigen Vermietern wie bei Andreas Orlowski stehen im Schuppen an Land zusätzlich Fahrräder für Ausflüge durch die Niederrheinregion. Ferienwohnung einmal ganz anders.

So bleibt es dabei, die privaten Dinge in die Schränke einzuräumen. Allenfalls die Lebensmittel für die erste Mahlzeit sollte der Gast mitbringen, wenn er am Tag seiner Ankunft eine Spritztour in Richtung Supermarkt vermeiden möchte. Und da ist ja zusätzlich am Samstag von acht bis zwölf Uhr der fahrende Händler auf dem Schulhof der Grundschule.

Klar, das Wasser der Nordsee lockt Schwimmer und Kanuten. Aber es gibt nunmal die See- und Uferordnung. Das Baden hat die Freizeitzentrum Xanten GmbH, die Pächterin von Nord- und Südsee, nur im Nibelungenbad erlaubt. Selbst das mitgebrachte Bötchen braucht eine Tageszulassung.

Highlife und Halligalli ist inmitten dieser Oase der Ruhe verpönt. Stattdessen zirpen abends die Grillen, trällern am frühen Morgen die Vögel. Seekrankheit sollte an Bord ein Fremdwort sein, denn das Hausboot dümpelt dank der speziellen, hydraulischen Puffer fast wie eine Eins am Steg.

Die Abendsonne versinkt langsam im Westen. Jetzt liegt die kleine, nach Osten ausgerichtete Terrasse in Parterre längs im Schatten. Doch zur Freude des Touri-Herzens gibt es die Dachterrasse. Neun Stufen führen hinauf zu den Liegestühlen, um noch die letzten Strahlen zu genießen oder dort zu Abend zu essen, wie überall im Boot mit LED-Beleuchtung ausgerüstet.

Es ist Zeit fürs Bett. Mücken können die Nacht zur Hölle machen. Hier nicht, denn die Schlafzimmerfenster sind mit Schutzgittern versehen, so dass kein ungebetener Gast hereinsirren kann. Zur Not gäbe es zwar die Klimaanlage. Aber das wäre wieder eine dieser technologischen Neuerungen inmitten der Natur, auf die man möglichst zugunsten der Frischluft verzichten mag.

(kump)