Xanten: Umgeschnitzt: Aus Maria wird Jesus

Xanten: Umgeschnitzt: Aus Maria wird Jesus

Sonderausstellung im Stiftsmuseum: Die Zisterzienser im Kloster Kamp hatten Gottvater die Figur der Gottesmutter beigegeben. Im 19. Jahrhundert wurde daraus in Rheinberg der Gottessohn.

Sie haben fast genau 600 Jahre mit einer wechselvollen Geschichte überdauert: 14 Figuren, die die Zisterzienser im Kloster Kamp im Spätmittelalter im Maasland schnitzen ließen und die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Rheinberg in die St.-Peter-Kirche gelangten. Ein wahrer Schatz, wie Elisabeth Maas, stellvertretende Leiterin des Xantener Stiftsmuseums, sagt. Jetzt sind die "Goldenen Heiligen" in einer Sonderausstellung im Stiftsmuseum zu sehen. Maas schwärmt geradezu von den äußerst filigranen Holzschnitzereien, die mit Ausnahme der Gesichter, Hände und Haare fast vollständig vergoldet sind: "Vergleichbare Arbeiten aus jener Zeit haben wir nicht einmal im Viktor-Dom."

Aber eben in Rheinberg. Dorthin gelangten die 14 Figuren um 1850 bei der Auflösung des Klosters Kamp im Zuge der Säkularisierung. Kein Zufall: Die Zisterzienser, die mit den Xantener Stiftsherren eine Betgemeinschaft zum Beispiel für Krankheits- und Trauerfälle bildeten, besaßen das Recht zur Besetzung der Pfarrstelle in Rheinberg. Und die wurde gar nicht selten mit Xantenern besetzt, berichtet Pfarrer Dieter Ahls.

Kein geringerer als der damalige Kölner Dombaumeister Erich Friedrich Zwirner gestaltete mit den frisch in Rheinberg eingetroffenen Figuren einen neuen Altar. Zwirner, der maßgeblich an der Wiederaufnahme der Arbeiten am Kölner Dom und damit an dessen Vollendung beteiligt war, ließ das eigentlich zusammenhängende Ensemble in zwei Hälften aufteilen.

Und der Protestant aus dem Brandenburgischen, der auch fürs Schlösschen auf dem Fürstenberg verantwortlich zeichnete, war wohl auch für eine Umwidmung besonderer Art verantwortlich: Die Gottesmutter Maria, die 400 Jahre lang neben Gott Vater gethront hatte - was der starken Marienverehrung der Zisterzienser entsprach - ließ er umarbeiten. Das ergaben im vergangenen Jahr Forschungsarbeiten aus Anlass der Zisterzienser-Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum Bonn.

Dabei war auch die zu diesem Zweck restaurierte Kamper-Gruppe zu sehen. Die Hände der Frauenfigur wurden ummodelliert, die Brust abgefeilt und ein neuer Kopf aufgesetzt. Aus Maria wurde Jesus. "Kunsthistoriker", so sagte Elisabeth Maas sehen am Gesicht genau, dass das nicht von 1440 ist".

  • Xanten : Ausstellung

Und im Rheinberger Altar hatten sie anders als zuvor noch einen etwas nach vorn gerückten Platz im Mittelpunkt der Gruppe mit dem vor über 40 Jahren gestohlenen und vor eineinhalb Jahren in der Eifel wiederentdeckten Apostel. Möglicherweise handelt es sich um die Darstellung des Philippus. So genau sind die Figuren nicht zu identifizieren. Bis zum Beispiel auf Jakobus, Johannes, Peter, Paul und Bartholomäus fehlen den anderen nämlich die Attribute, mit denen sie jahrhundertelang abgebildet wurden.

Wann die Figuren wieder in die Rheinberger St.-Peter-Kirche zurückkehren, ist noch völlig unklar. Dort sind nach einem Wasserschaden alle Kunstgegenstände ausgelagert. Derzeit sei das Raumklima noch nicht wieder entsprechend gut. Das ergäben kontinuierliche Messungen, sagt Pfarrer Ahls.

So nah wie jetzt waren die Rheinberger ihren 14 "Goldenen Heiligen" jedenfalls lange nicht mehr. Anlässlich des Namensfestes der Pfarrpatrons St. Peter am 29. Juni wird es am Sonntag, 1. Juli, eine besondere Messe im Xantener Dom sowie eine offene Führung im Stiftsmuseum geben. Zur Ausstellung im Raum vier des Stiftsmuseums ist zudem ein Flyer erschienen.

Zu sehen sind die "Goldenen Heiligen" aus Rheinberg während der Öffnungszeiten des Stiftsmuseums Xanten, Kapitel 21, dienstags bis samstags von 10 Uhr bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 11 Uhr bis 18 Uhr. Weitere Infos telefonisch unter 02801 9877820 www.stiftsmuseum-xanten.de

(RP)